Die Keimdichte messen – einige Beispiele

Einige Möglichkeiten, wie man die Keimdichte in einem Aquarium bestimmen kann, haben wir bereits im Artikel „Keimdichte messen“ aufgezählt. In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit einigen Versuchen mit den Dip-Slides und verschiedenen in der Aquaristik gängigen Methoden und Geräten, die die Keimdichte im Aquarium absenken sollen. Wir wollten sehen, ob sie wirklich halten, was sie versprechen.

Hinweis: Die Versuche wurden nicht auf wissenschaftlicher Basis und nur einmalig durchgeführt und können daher nur Indizien für mögliche Trends liefern. Dennoch wurden einige Prinzipien beachtet:

  • Die Utensilien wurden abgekocht, um eine Verfälschung der Ergebnisse zu vermeiden.
  • Das Aquarienwasser wurde nicht von der Oberfläche entnommen, da Biofilm (Kahmhaut) zu verfälschten Ergebnissen führen könnte.
  • Von einer genauen Angabe in KBE (koloniebildende Einheit) wird hier Abstand genommen, ich habe mich auf optische mehr/weniger Vergleiche beschränkt
.

1 Verkeimte Osmoseanlage

Das Osmosewasser einer etwa 8 Monate alten Osmoseanlage wurde getestet.

1.1 Details zur Osmoseanlage

Es handelt sich hier um eine einstufige Osmoseanlage mit Aktivkohlefilter und Feinfilter. Laut Herstellerangabe sollte der Aktivkohlefilter und Feinfilter nach 6 Monaten getauscht werden.

1.2 Erster Test

Überraschenderweise war zu sehen, dass im Vergleich zum Leitungswasser die Keimdichte leicht erhöht oder zumindest gleich hoch war. Die absolute Menge ist dennoch als gering einzuschätzen und sollte im Aquarium eine nicht allzu große Auswirkung auf die Gesamtkeimzahl haben – bei längeren Standzeiten der Osmoseanlage ist allerdings eine stärkere Verkeimung zu erwarten.

1.3 Zweiter Test

Ein zweiter Test wurde durchgeführt, diesmal wurden zwei Varianten unterschieden:

  • Mit Spülung
  • Ohne Spülung


Die Spülung wurde folgendermaßen durchgeführt: 30 Minuten Durchlaufzeit ohne Spülventil, das Wasser passierte somit die gesamte Anlage.

Hier ergeben sich doch interessante Unterschiede – zum einen wird das Ergebnis des ersten Testes bestätigt, zum anderen sieht man deutlich die Differenz zwischen „mit Spülung“ (links im Bild) und „ohne Spülung“ (rechts im Bild).

2 Mischbettharzfilter

Ganz interessante Bilder zeigte auch der Test mit einem nach der Osmoseanlage geschaltetem Mischbettharzfilter – das dadurch gewonnene Wasser hat zum einen einen Leitwert von 0 Mikrosiemens, zum anderen zeigt sich eine extrem niedrige Keimdichte. Es sind praktisch gar keine Bakterien vorhanden. Im Vergleich zum Leitungswasser sieht man hier einen klaren Unterschied.

Links im Bild der Dip Slide des „Mischbettharz-Wassers“, rechts im Bild der Test des Leitungswassers

Wenn allerdings das Harz „ausgelutscht“ ist, ist es wirkungslos, es kann sogar ins negative umschlagen. Bei den Tests stieg die Keimdichte an, nachdem das Harz keine Wirkung mehr hatte. Die kleinen Kügelchen scheinen dann ein geeigneter Platz für eine Bakterienansiedelung zu sein.

3 Eine Versuchsreihe – das Protokoll

3.1 Das Test-Setup

Folgende Tests wurden an einem 99 Liter fassenden Aquarium durchgeführt: Das Aquarium wurde nach einer Einlaufzeit mit 20 Zwergpanzerwelsen (Corydoras habrosus) und 25 Garnelen (Bienengarnelen Caridina logemanni und Neocaridina davidi „Yellow Neon“) besetzt.

Das Becken wurde mit neutralem Bodengrund bestückt und eher spärlich bepflanzt. Auf eine Zudüngung wurde verzichtet, da sie eventuell Einfluss auf die Tests nehmen könnte. Verwendet wurde Osmosewasser mit einem Leitwert von 0 µs (Mischbettharz) aufgehärtet mit Bee Shrimp Mineral GH+ auf ~250 µs.

3.1.1 Wasserwechsel

In der Einlaufphase wie auch in der Zeit danach wurde wöchentlich etwa 50% Wasser gewechselt. Etwa 5 Wochen vor Beginn der ersten Tests mit den Dip Slides wurden als Vorbereitung auf die Tests konstant ~90%ige wöchentliche Wasserwechsel durchgeführt.

Vom 90%igem Wasserwechsel wurde dann auf einen wöchentlichen WW von 30% umgestellt und die Werte vier Wochen lang aufgezeichnet.

Woche Woche 1 Woche 2 Woche 3 Woche 4
Methode 30% Wasserwechsel
Datum 10.12.2017 17.12.2017 24.12.2017 31.12.2017
GH 8 8 8 8
KH 0-1 0-1 0-1 0-1
pH 6,5 6,5 6,5 6,5
Nitrat 0,5 0 0 < 0,1
Leitwert 266 278 301 299
Temperatur 23 23 23 23

Hier ist deutlich eine Steigerung der Keimdichte zu sehen. Um eine Vorstellung zu erhalten, um welche Ausmaße es sich handelt, kann man die beigelegten Muster zum Vergleich heranziehen. Hier in unserem Fall wird im Vergleich eine Steigerung von etwa 10.000 Keimen pro Milliliter auf das Zehnfache deutlich, nämlich 100.000 Keime pro ml.

Das ist eine beachtliche Steigerung, die bei dem leicht sauren Milieu (pH 6,5), den regelmäßigen Wasserwechseln und dem relativ geringen Besatz so nicht erwartet wurde.

Hier erhält man eine vage Vorstellung, welche Keimdichten bei gut besetzten Aquarien mit viel geringeren Wasserwechseln erreicht werden können. Sie ist ein Grund für allerlei Krankheiten, die in solchen Aquarien auftreten.

3.2 Erster Versuch mit Elektrolyse - Chihiros Doctor II Shrimp

Woche Woche 1 Woche 2 Woche 3 Woche 4
Methode 30% Wasserwechsel
Chihiros Doctor
Datum 14.01.2018 21.01.2018 28.01.2018 04.02.2018
GH 8 Test
abgebrochen!
KH 0-1
pH 6,5
Nitrat 0
Leitwert 287
Temperatur 23

Nach nun etwa einer Gesamtlaufzeit von etwa 3,5 Monaten ohne Auftreten von Problemen startete nun der Test.
Bereits nach dem ersten Tag verhielten sich die Tiere anders als üblich, dennoch wurde der Test bis zum Ende der Woche 1 durchgezogen, danach jedoch abgebrochen.

Chihiros Doctor 2 „Shrimp“
Einstellung M1 = für 0 – 60L Aquarienvolumen

3.2.1 Resultat

Die Keimdichte war praktisch auf 0 gesunken, Werte wie Nitrit und Nitrat waren komplett unauffällig.

Subjektiv beobachtet wurde ein veränderter Geruch des Wassers, fast neutral – eine geringe Spur „Chlorgeruch“.

Sieben tote Garnelen und ein toter Fisch auf einen Schlag, in den nächsten Wochen verstarben noch weitere Tiere. Von 20 Zwergpanzerwelsen (Corydoras habrosus) und 25 Garnelen, welche sich rasch vermehrt und zu diesem Zeitpunkt die 100er-Grenze bereits weit überschritten hatten, blieben 5 Zwergpanzerwelse und keine einzige Garnele übrig!

Aufgrund vieler positiver Erfahrungen mit Elektrolysegeräten und der Verwendung der kleinsten Einstellstufe, war die Ursache zunächst unklar.

3.2.2 Wasserwechsel 90%

Woche Woche 1 Woche 2 Woche 3 Woche 4
Methode 90% Wasserwechsel
Datum 28.01.2018 04.02.2018 10.02.2018 17.02.2018
GH 8 8 8 -
KH 0 0 0 -
pH 6,5 - 7 6,5 6,5 -
Nitrat 0,5 0 0 -
Leitwert 305 313 273 -
Temperatur 23 24 23 -

Nach dem Einsatz der Elektrolyse und einer scheinbar fast kompletten Keimfreiheit wurde zur Kontrolle wieder (wie vor dem Test mit 30% Wasserwechsel) auf 90% Wasserwechsel gesetzt. Wie erwartet stieg die Keimdichte wieder langsam an und gleicht in etwa der Keimdichte zum Start des 30%-Tests.

3.3 Abbau des ersten Testaquariums – ein neues Setup

Aufgrund des Crashs nach der Elektrolyse wurde - um eine Beeinflussung zu vermeiden - ein neues Testaquarium eingerichtet. Gleiches Setup, nur diesmal in 54 L, mit einem Startbesatz nach Einlaufzeit von den 5 verbliebenen Zwergpanzerwelsen und etwas über 100 Bienengarnelen. Es wurde der gleiche Bodengrund verwendet, dieselbe Pflanzenart, dieselbe Wasseraufbereitung - sogar die Beleuchtung wurde in etwa gleich gestaltet (in etwa gleiche Lumenzahl pro Liter, gleiche Lampenmarke, nur etwas kleiner).

Das komplette Setup wurde neu aufgesetzt und selbstverständlich weder Filter, Bodengrund noch Pflanzen vom vorherigen Testbecken übernommen.

Nach einem Monat überfielen Schwebealgen das Aquarium. Das war der perfekte Zeitpunkt, um weitere Tools zu testen! 
Nun wurde ein LED UV-Klärer mit 1 Watt (AQUAEL MINI UV) eingesetzt. Nach 3 Wochen keine Besserung der Situation, nun wurde ein 3W UV-C-Klärer (AQUAEL Sterilizer UV 3W) eingesetzt. Bereits nach wenigen Tagen war das Aquarium komplett schwebealgenfrei.

3.4 Zweiter Versuch mit Elektrolyse – Twinstar Shrimp 50

Woche Woche 1 Woche 2 Woche 3 Woche 4
Methode 30% Wasserwechsel
Twinstar Shrimp 50
Datum 08.04.2018 15.04.2018 22.04.2018 29.04.2018
GH 8 8 Test
abgebrochen!
KH 0 0
pH 6,5 6,5
Nitrat 5 -
Leitwert 320 -
Temperatur 23 23

Nach etwa einer Gesamtlaufzeit von etwa 2 Monaten ohne Auftreten von Problemen startete nun der Test – der zweite Versuch mit Elektrolyse.

  • Twinstar Shrimp 50
  • Einstellung Mode 1 = für 40 – 60L Aquarienvolumen

3.4.1 Resultat

In der ersten Woche waren keine Auffälligkeiten zu bemerken, die Keimdichte sank wieder auf praktisch 0 herab - allerdings begannen ab der zweiten Woche die Probleme. Ein weiterer Panzerwels verstarb, 50% der Bienengarnelen (die sich bisher gut vermehrten) starben in der zweiten Woche. Im Laufe der nächsten Tage verstarb der Rest der Garnelen, vier Panzerwelse bleiben übrig.

Werte wie Nitrat und Nitrit unauffällig, jedoch wurde subjektiv derselbe minimale Chlorgeruch wie beim ersten Versuch mit Elektrolyse wahrgenommen.

3.5 Ein Kurztest: LED UV-Klärer 1 Watt (AQUAEL MINI UV)

Woche Woche 1 Woche 2 Woche 3 Woche 4
Methode Aquael Mini LED UV Klärer
Datum 22.04.2018 29.04.2018 06.05.2018 13.05.2018
GH 8 Kurztest!
KH 0
pH 6,5
Nitrat -
Leitwert -
Temperatur 23

Direkt nach dem Abbruch des letzten Tests installierte ich den LED UV-Klärer im Aquarium. Geplant war es, diesen Test vier Wochen lang durchzuführen. Danach wollte ich einen Test mit dem 3W UV-C-Klärer machen, um einen direkten Vorher-nachher-Vergleich des Wirkungsgrades zu erhalten.

3.5.1 Resultat

Bereits nach der ersten Woche stieg die Keimdichte jedoch auf ein derart hohes Niveau an (so, als ob kein UV installiert wäre), dass ich den Versuch abbrach und direkt den nächsten Test durchführte. Auch beim vorherigen Einsatztest bei Schwebealgen zeigte dieses Gerät ebenfalls selbst nach langer Einsatzdauer keine Wirkung.

3.6 3W UV-C-Klärer (AQUAEL Sterilizer UV 3W)

Woche Woche 1 Woche 2 Woche 3 Woche 4
Methode Aquael 3W UV Klärer
Datum 29.04.2018 06.05.2018 20.05.2018 27.05.2018
GH 8 8 8 8
KH 0 0 0 0
pH 6,5 6,5 6,5 6,5
Nitrat - - - -
Leitwert - - - -
Temperatur 29 29 29 29

Nach einem Nachbesatz mit Fischen und Garnelen wird nun der nächste Test durchgeführt. Hier bemerkt man einen deutlichen Unterschied zwischen dem vorher verwendeten UV-Klärer und dem 3W UV-C-Klärer. Die Keimdichte ist bereits nach Woche 1 stark zurückgegangen, allerdings stieg ebenfalls die Wassertemperatur um ganze 6°C, was auf das verwendete Leuchtmittel im Klärer zurückzuführen ist. In Woche 3 stieg die Keimdichte mit einem Satz an – dabei vermute ich allerdings eine Fehlmessung.

3.6.1 Resultat

Die Keimdichte ist ähnlich niedrig wie bei der Elektrolyse – allerdings waren keine negativen Effekte feststellbar.
Lediglich die Temperatur könnte in heißen Sommertagen bei einigen Setups eventuell Probleme bereiten - Stichwort Sauerstoffversorgung.

3.6.2 Wasserwechsel 30%

Woche Woche 1 Woche 2 Woche 3 Woche 4
Methode 30% Wasserwechsel
Datum 03.06.2018 10.06.2018 17.06.2018 24.06.2018
GH 8 8 "Steigen lassen" der
Keimdichte auf das
normale Niveau für
den nächsten Test.

Steigender Trend wie
üblich erkennbar.
KH 0 0
pH 6,5 6,5
Nitrat - -
Leitwert - -
Temperatur 25 25

Danach wechselte ich wöchentlich 30% Wasser und ließ die Keimdichte für das nächste Experiment wieder ansteigen.

3.7 Oxydator D für Aquarien bis 100 L mit 6%iger Oxydatorflüssigkeit

Woche Woche 1 Woche 2 Woche 3 Woche 4
Methode Söchting Oxydator D
Datum 15.07.2018 22.07.2018 29.07.2018 05.08.2018
GH 8 8 8 8
KH 0 0 0 0
pH 6,5 6,5 6,5 6,5
Nitrat - - - -
Leitwert - - - 258
Temperatur 25 25 26 28

Verwendet wurde der Oxydator D, welcher für Aquarien bis 100L angegeben wird. Der Mini Oxydator sollte laut Herstellerbeschreibung bis 60L reichen, da das Aquarium mit 54L Inhalt dennoch knapp an der oberen Grenze liegt, griff ich hier zum nächstgrößeren Oxydator.

3.7.1 Resultat

Überraschenderweise sank die Keimdichte schon in Woche 1 sehr deutlich im Vergleich zum letzten Test - und noch weiter in Woche 2!

In Woche 3 blieb die Keimdichte in etwa konstant.

In der letzten Woche allerdings explodierte die Keimdichte regelrecht – der Grund ist nicht nachvollziehbar. Die hohe Temperatur (heißer Sommertag), aber auch eine Fehlmessung wären möglich. Keine negativen Auswirkungen waren beim Besatz bemerkbar.

Besonders der Oxydator D wirkt recht groß und plump im 54L Aquarium – er könnte allerdings eine echte Alternative zu einem UV-C-Klärer darstellen, auch wenn die Wirkung nicht gleich groß ist.

Ein Test mit dem Mini-Oxydator steht noch aus, der Effekt dürfte aber der Größe entsprechend um vieles kleiner ausfallen als beim Oxydator D.

 

Autor: Ricardo Castellanos

Fotos: Ricardo Castellanos

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