Mexikanischer Flohkrebs, Kampfkrebs

Hyalella azteca

Mexikanische Flohkrebse (Hyalella azteca) sind bei uns in der Aquaristik ungefähr seit den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts verbreitet. Damals kamen sie als Beifang von Xiphophorus milleri ins Hobby. Nach einem Leserbrief in der Zeitschrift "Das Aquarium" erhielt der damalige Entdecker viele entsprechende Anfragen und verschickte Zuchtansätze. Sie wurden beim Transport häufig beschädigt, daher schrieb er irgendwann "Vorsicht, mex. Kampfkrebse" auf die Sendungen. So kamen die kleinen Flohkrebse zu ihrem deutschen Trivialnamen.

Sie haben diesen Namen aber auch verdient, mexikanische Flohkrebse halten ziemlich viel aus - von Kälte (0,4 Grad) bis Hitze (36-38 Grad). Die kleinen Flohkrebse werden häufig mit unseren heimischen Bachflohkrebsen verwechselt, bleiben aber deutlich kleiner und sind viel härter im Nehmen. Bachflohkrebse gelten als nicht wirklich gut im Aquarium haltbar, weil sie mit hohem Temperaturen und niedrigem Sauerstoffgehalt nicht gut klarkommen - für die Mexikaner sind diese beiden Faktoren überhaupt kein Thema. Nur zu weiches, saures Wasser wird nicht gut toleriert.

Hyalella azteca gilt als hervorragendes Lebendfutter für Fische, im Garnelenaquarium sind die kleinen Flohkrebse jedoch ein gefürchteter Futterkonkurrent, der aufgrund seiner Vermehrungsfreude und seiner Fresslust auch robuste Arten wie Neocaridina davidi in die Knie zwingt. In der Regel werden Garnelen selber nur im Ausnahmefall und bei starker Nahrungsknappheit angegriffen, jedoch kommt keine Junggarnele mehr hoch, weil die Flohkrebse ihnen das Futter wegfressen.

1 Aussehen und Vorkommen

Mexikanische Flohkrebse gehören zu den Ranzenkrebsen und sind mit Wasserasseln weitläufig verwandt. Ihr Körper ist seitlich stark abgeplattet, ihren Hinterleib tragen sie in Ruheposition gekrümmt, beim Schwimmen strecken sie ihn jedoch wie unten im Bild gezeigt aus. Hyalella azteca ist von der Farbe her bräunlichgrau und wird zwischen 6 und 8 mm groß, die Männchen werden etwas größer als die Weibchen.

Mit einer guten Lupe oder in der Makroaufnahme kann man die spitzen Rückenschuppen am Hinterkörper gut erkennen. Sie unterscheiden den mexikanischen Flohkrebs Hyalella azteca neben seiner geringeren Größe eindeutig von unseren heimischen Bachflohkrebsen der Gattung Gammarus, bei denen diese Rückenschuppen glatt sind. Auch haben Hyalella azteca auffallend kurze erste Antennen.

Hyalella azteca hat sein Verbreitungsgebiet in Flüssen und Seen in ganz Nordamerika bis Kanada und Mittelamerika sowie in der Karibik. Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Flohkrebse bei uns im Freiland überleben, die kleinen Überlebenskünstler dürfen daher keinesfalls in die Natur gelangen!

2 Nahrung und Fressverhalten

Mexikanische Kampfkrebse sind Restefresser, fressen aber neben Algen und Algenbelägen, Biofilmen, Detritus, Futterresten, Pflanzenresten und Aas (wie die Fliege im Bild unten) auch Pflanzen, und sie können sich sogar an frisch gehäuteten Garnelen vergreifen.

Da sie praktisch dasselbe fressen wie Garnelen, sind sie im Aquarium nicht auszuhungern. Zu viel Futter führt natürlich zu einer noch stärkeren Vermehrung!

2.1 Problematik im Wirbellosenaquarium

Hyalella azteca stellen im Garnelenaquarium eine ernsthafte Futterkonkurrenz dar und haben es nachweislich auch schon geschafft, ganze Garnelenstämme auszurotten. Dabei werden nicht so sehr die Garnelen selber angegriffen (Ausnahmen bestätigen die Regel), aber dadurch, dass die Flohkrebse sich erstens sehr stark vermehren und zweitens dasselbe Futter fressen wie Garnelen auch, stellen sie einen sehr starke Nahrungskonkurrenten für Zwerggarnelen dar. Insbesondere Jungtiere finden dann kein Futter mehr.

3 Fortbewegung

Mexikanische Flohkrebse krabbeln mit eingeklapptem Pleon über den Bodengrund oder auf Pflanzen. Gerne sitzen die kleinen Krebse auch in den Schwimmpflanzen an der Wasseroberfläche. Werden sie dort gestört, schwimmen sie auffallend schnell in gerader Linie nach unten. Auch am Boden schwimmen sie eher in geraden Linien. Dabei wirken sie wie ein heller Strich, der sich sehr schnell bewegt.

4 Fortpflanzung

Hyalella azteca ist getrennt geschlechtlich. Bei der Paarung greift sich das größere Männchen das Weibchen und hält es unter seinem Bauch fest. So schwimmen die Paare über mehrere Tage durchs Aquarium. Die Vermehrung setzt ab 16 Grad aufwärts ein.

Die Weibchen tragen nach der Paarung ihre bis zu 20 Eier unter dem eingeklappten Pleon, wo sie Brutpflege betreiben, bis die Larven je nach Temperatur nach 1,5 bis 3 Wochen schlüpfen. Sie durchlaufen neun Larvenstadien bis zum adulten, fertigen Mexikanischen Flohkrebs. Bereits ab dem sechsten Larvenstadium kann man die Geschlechter unterscheiden, fortpflanzungsfähig sind die kleinen Krebse bereits im achten Larvenstadium. Die adulten Flohkrebse häuten sich im Laufe ihres Lebens noch weitere 15 bis 20 Mal.

5 Wie kommt der Flohkrebs ins Aquarium?

Mexikanische Kampfkrebse schleppt man sich meist mit Aquarienpflanzen ein. Sie sitzen gerne in Mooskugeln, aber auch in den Blattachseln anderer Pflanzen. Auch durch Aquariendekorationen aus bereits mit Hyalella azteca besiedelten Becken kann man sie ins Aquarium holen, oder natürlich, indem man sie bewusst als Lebendfutter für die Fische verwendet.

6 Überlebenstechniken

Ihre "Waffe" ist neben ihrer Robustheit auch ihre enorme Vermehrungsfreude. Hyalella azteca erdrücken Futterkonkurrenten durch schiere Masse.

7 Flohkrebse entfernen

Hyalella azteca sind sehr schwer aus dem Aquarium zu verbannen, und in einem Gesellschaftsaquarium mit Fischen lassen sie sich auch recht gut als dauerhafte Quelle für Lebendfutter nutzen. Im reinen Garnelenaquarium sollte man dennoch versuchen, sie loszuwerden, weil sie sich durch ihre starke Vermehrung als sehr nachteilig für die Garnelen im Aquarium erweisen können.

Mit einer Falle ist den Flohkrebsen jedoch nur schwer beizukommen, hauptsächlich deswegen, weil Garnelen dasselbe Futter mögen und dann ebenfalls in der Falle sitzen. Auch weniger Futter ist keine Option, weil die Flohkrebse sich als durchsetzungsfähiger gezeigt haben als die Garnelen und in der Not auch an frisch gehäutete Garnelen gehen sowie sich an den Aquarienpflanzen vergreifen. Sprich: Der Garnelenstamm ist schon längst verhungert, wenn die Flohkrebse immer noch fröhliche Urständ feiern.

Viele Aquarienfische fressen Hyalella azteca zwar sehr gern, aber Zierfische, die Flohkrebse fressen, fressen in der Regel auch halbwüchsige Garnelen. Außerdem leben Flohkrebse sehr versteckt, teilweise in den Blattachseln der Pflanzen, teils auch in Hohlräumen im Bodengrund oder in den Wurzeln. Es ist nahezu unmöglich, dass Fressfeinde die Population komplett ausrotten.

7.1 Säure und CO2

Auf saures, weiches Wasser reagieren mexikanische Kampfkrebse nicht gut, durch ein Absenken der Wasserhärte in einen pH-Bereich um 5 kann man sie bekämpfen. Achtung, viele Garnelenarten aus härterem Wasser wie Neocaridina davidi vertragen einen solchen gewollt herbeigeführten Säuresturz ebenfalls nur sehr schlecht.

Ein Übermaß an CO2 betäubt oder tötet die Krebschen, neue Pflanzen, die nicht in vitro erzeugt wurden, können durch ein kurzes Bad in stark kohlensäurehaltigem Sprudelwasser recht effektiv von den unerwünschten Mitbewohnern befreit werden.

7.2 Alles neu ...

Im Prinzip gibt es im laufenden Aquarium neben mehrfach täglichem konsequentem Absammeln (was nur am Anfang bei einer noch sehr kleinen Zahl an Mexikanischen Kampfkrebsen im Garnelenaquarium funktionieren dürfte) nur einen sicheren Weg, Hylella azteca loszuwerden: Das Aquarium komplett abzubauen, die Garnelen und andere erwünschte Bewohner herauszufangen, sie genau zu kontrollieren und dann das ganze Aquarium neu einzurichten.

 

Autor: Ulli Bauer

Fotos: Tamara Stamm

Quelle: "Kleinkrebse im Aquarium", Caridina 4/2019