Salinenkrebse (Artemia salina) als Lebendfutter

Artemia-Nauplien gehören seit jeher zur Standardernährung in der Aufzucht von Jungfischen in der Aquaristik. Aber auch erwachsene Fische fressen die kleinen Krebse sehr gern, und selbst Zwerggarnelen kann man mit den Kleinkrebsen eine große Freude machen. und sie gleichzeitig mit wertvollem tierischem, gut verträglichem Futter versorgen.

Leider ist das Erbrüten dieser Nauplien genannten Kleinstkrebs-Larven nicht ganz so einfach, wie man das gern hätte, und es kursieren sehr viele, unterschiedliche „Rezepte“ dazu.

1 Herkunft der Salinenkrebse

Salinenkrebse der Gattung Artemia stammen aus salzigen Binnengewässern, mit einem Salzgehalt von 15-32 Gramm je Liter. Der Salzgehalt liegt also unter dem Niveau der Meere. Außerdem haben die meisten Seen einen leicht erhöhten pH-Wert von bis zu pH 8.

2 Artemia-Eier oder Zysten

Artemia-Zysten

Die sogenannten Artemia-Eier sind eigentlich Zysten, die einen lebenden Embryo enthalten und nicht, wie das sonst bei Eiern der Fall ist, Eiweiß und Dotter, aus dem sich dann ein Embryo entwickelt. Die daraus schlüpfenden Larven nennt man Nauplien.

Die erwachsenen Salinenkrebse produzieren während der warmen Sommermonate, solange der Salzgehalt nicht 36 Gramm je Liter übersteigt, Zysten, die noch während der Wärmeperiode schlüpfen, die sogenannten Sommereier.

Ändern sich die Witterungsverhältnisse, verdunstet viel Wasser und der Salzgehalt steigt, ist das das Signal für die Krebse, dass nicht mehr ausreichend Futter entsteht, und sie produzieren sogenannte Dauereier, die erst nach einer Kälteperiode schlüpfen. Das Gleiche gilt für dauerhaft niedrige Temperaturen, die den Winter ankündigen. Auch hier werden dann Dauereier produziert.

3 Artemia aus Dauereiern

Artemia-Nauplien, links unten ein Rädertierchen

Dies alles macht man sich in der Aquaristik zu Nutze, um Artemia täglich frisch als Lebendfutter zu erbrüten. Im Handel befinden sich meist die Dauereier, die man in kleinen Portionen oder aber in 458 Gramm Konservendosen kaufen kann. Bei einer in Deutschland ansässigen Artemiafarm in Thüringen kann man allerdings auch Sommereier bestellen. Der Unterschied liegt in der Lagerung. Die Dauereier sollte man im Gefrierschrank lagern, die Sommereier dürfen nur im Kühlschrank gelagert werden, weil die Embryonen sonst absterben.

Artemia-Nauplien bewegen sich immer in Richtung Licht, sie sind „phototaktisch“.

4 Tipps und Tricks, Wichtiges vorweg

    • Das sauberste und funktionsfähigste Salz für die Erzeugung von Artemia ist streufähiges Spülmaschinensalz! Ja, richtig gelesen. Dieses Salz enthält keinerlei Zusätze und ist das reinste Salz auf dem Markt, ohne Rieselhilfen oder Ähnliches.
    • Wichtig für einen guten Schlupf ist der pH-Wert. Dieser sollte ungefähr zwischen 7,8 und 8,2 liegen. Kommt das Leitungswasser mit weniger aus der Leitung, kann man mit Kaisernatron nachhelfen. VORSICHT! Steigt der pH-Wert über 8,5, schlüpft nichts mehr! Das Gleiche gilt bei einem pH-Wert unter 7.
Kommt der pH-Wert über 8,5 aus der Leitung, muss man sich mit destilliertem Wasser aus dem Baumarkt behelfen und damit das Leitungswasser soweit verdünnen, bis der pH-Wert unter 8,5 liegt.
    • Bakterien verhindern ebenfalls einen guten Schlupf. Es ist wichtig, die Gerätschaften immer sehr ordentlich zu säubern. Das gilt auch für die Ablasshähne und die Belüftungsrohre, auch innen. Setzt sich in den Belüftungsrohren Bakterienschmand ab, hat man plötzlich eine sehr kleine Schlupfrate und wundert sich, woher das kommt.
    • NICHT empfehlenswert sind fertige Mischungen aus Salz und Artemia-Zysten, weil in dem Salz meist schon Natron enthalten ist. Kommt bereits ein etwas höherer pH-Wert aus der Leitung, wird damit ein vernünftiger Schlupf verhindert.

5 Die Erzeugung frisch geschlüpfter Artemia-Nauplien

Um Artemia-Nauplien zu erzeugen, also Artemia-Zysten zu erbrüten, gibt es unterschiedliche Methoden. Die jeweilig benötigte Menge sollte auch die Methode vorgeben.

5.1 Kleinstmengen für einzelne Aquarien oder eine kleine Anzahl Jungtiere

5.1.1 Fertig zu kaufendes Gerät

Artemia-Schale von Hobby

Wenn man täglich nur eine sehr kleine Menge Nauplien benötigt, empfiehlt sich die Brut in einer Artemia-Schale. Diese kann man kaufen (das "Ufo" von Hobby) oder selbst bauen.

Das Prinzip ist einfach:
Es gibt einen dunklen Bereich, in dem die Artemia-Eier auf die Wasseroberfläche gestreut werden, und einen hellen Bereich, der die fertig geschlüpften Nauplien mit Licht anlockt. In diesem hellen Bereich befindet sich ein Sieb, mit dem man die Nauplien sehr leicht entnehmen kann.

Die Hobbyschale ist so fertig konzipiert. Man füllt 750 ml lauwarmes Salzwasser (mit einer Konzentration von ca. 24g/l) in die Schale, setzt den weißen Trennring ein und gibt eine kleine Menge (max. ½ Teelöffel) Artemia-Zysten in den äußersten Ring.

Dann stellt man diese Schale an einen möglichst warmen Ort (z.B. auf die Aquarienabdeckung) und kann dann nach ca. 16-24 Stunden die ersten Nauplien mit dem in der Mitte befindlichen, weißen Siebchen entnehmen. Man kann dann bis zu 36 Stunden weiter Nauplien entnehmen. Menge und Dauer hängen auch von der Sorte der Artemia ab.

Um täglich ausreichend frische Nauplien zu erhalten, muss man dann also, je nach Sorte, mindestens alle 24 Stunden eine Schale ansetzen. Was bedeutet, man braucht mindestens 2 Schalen, die man immer ein über den anderen Tag benutzt.

5.1.2 DIY-Eigenbau

Artemia-Schale im Eigenbau

Um eine Schale selbst zu bauen, nimmt man eine undurchsichtige Gefrierdose mit ca. 1 Liter Inhalt, bevorzugt eine rechteckige Dose. Diese Dose streicht man auf einer Hälfte mit schwarzem Lack außen an.

In der Mitte teilt man diese Dose entweder mit einer dünnen Plexiglasscheibe, die man mit Silikon fest einklebt. Dabei muss man unten einen Spalt von ca. 1 mm belassen. Oder man setzt sehr schmale Kabelkanäle (10 mm) in der Mitte links und rechts ein und schneidet aus einer Filtermatte mit 20 ppt ein sehr dünnes Stück passend aus, um es in diese Kabelkanäle einzuklemmen. Hier muss kein Spalt gelassen werden.

Den Deckel der Dose teilt man in der Mitte und streich diesen ebenfalls schwarz. Für den vorderen, hellen Teil benötigt man ein Artemiasieb mit ca. 100 – 150 µ (die grünen, eckigen Siebe von Hobby sind dafür ideal geeignet), welches man dort im Salzwasser versenkt, sodass das Wasser später über dem Rand steht.

Diese Schale füllt man ebenfalls mit 750 ml lauwarmem Wasser und streut in dem dunklen Teil die Artemia-Zysten auf die Oberfläche. Dann stellt man diese Schale an einen warmen, hellen Ort und kann dort dann ebenfalls im vorderen, hellen Teil nach 16-24 Stunden die Nauplien mit dem Sieb entnehmen.

Auch hier gilt: man benötigt 2 Schalen, um diese ein über den anderen Tag im Wechsel einzusetzen, damit man täglich frische Artemia-Nauplien hat.

5.2 Die Erzeugung von größeren Mengen Artemia-Nauplien

Wenn man täglich größere Mengen Nauplien benötigt, ist es besser, auf die Erzeugung in Flaschen zu setzen.

5.2.1 Fertig zu kaufende Geräte

Auch hier werden im Handel diverse fertige Systeme angeboten. Für mich haben diese Systeme allesamt den Nachteil, dass man sie an bestimmten Stellen nicht gründlich reinigen kann, was nach einer Weile auf die Schlupfrate geht. Aber - das muss man ausprobieren.

Das Prinzip ist immer gleich: eine Flasche mit einem Ablasshahn unten und einem Deckel mit Anschluss für eine Belüftung. In die Flasche füllt man bis zum Eichstrich Wasser mit 24 g/l Salz, gibt die benötigte Menge (möglichst nicht mehr als 1 Teelöffel pro Liter) in die Flasche, schließt eine Luftzufuhr (Membranpumpe oder Ringleitungsanschluss) an und lässt dieses System 24 – 36 Stunden laufen, je nach Artemia-Sorte und Umgebungstemperatur.

Danach schaltet man die Belüftung aus und lässt die Flasche ca. 5 Minuten ruhen, bis sich alle Schalen oben abgesetzt haben. Unten in der Flasche befinden sich nun die orangefarbenen Nauplien (und leider darunter auch die ungeschlüpften Zysten). Man setzt ein Sieb mit 100-150 µ Durchlässigkeit unter den Ablasshahn und fängt so die Nauplien auf. Diese spült man ab und kann sie dann verfüttern.

5.2.2 DIY-Eigenbau

Für selbstgemachte Systeme gibt es diverse Entwürfe. Ich bin inzwischen bei Laborspritzflaschen angekommen.

Laborspritzflasche mit abgeschnittenem Rohr und Winkelanschluß für 4/6-Luftschlauch

Ich nehme eine 1000 ml Laborspritzflasche, schneide das gebogene Rohr unter der Biegung ab und setze dort einen Schlauchverbinder für einen 4/6 mm Schlauch ein. In den Deckel bohre ich ein kleines Entlüfterloch.

Die Flasche fülle ich mit 1,5 Teelöffeln Spülmaschinensalz, 200 ml 70° C heißem Wasser und 600 ml kaltem Wasser. Dort kommt ein Teelöffel Artemia-Nauplien direkt aus dem Gefrierfach hinein und dann stelle ich diese Flasche in ein Wasserbad mit einem 25 Watt Heizstab, der auf 26° C eingestellt ist. Dazu kann man eine große Plastikschale oder ein ausgedientes 12-Liter-Aquarium benutzen. Es sollte hell stehen! Die Flasche wird an die Belüftung angeschlossen.

Auf diese Weise stelle ich sicher, dass immer die gleichen Voraussetzungen geschaffen sind, was die Zuverlässigkeit des Schlupfes erhöht. Das warme Wasser in Verbindung mit den sehr alten Zysten führt zu einem kleinen Wärmeschock, der die Schlupfrate deutlich erhöht. Die Wärme während des Brütens erhöht die Schlupfrate ebenfalls und beschleunigt sie auch.

Nach 24 Stunden nehme ich die Flasche von der Belüftung und fülle sie mit 70° heißem Wasser bis oben hin auf. So lasse ich diese Flasche dann ca. 2 Minuten stehen. Das warme Wasser zieht die leeren Schalen sehr schnell nach oben (keine Angst, die Nauplien kommen mit dieser Wärme zurecht!).

 

Dann drücke ich einmal kräftig auf die Flasche (Vorsicht, das spritzt gewaltig, das muss man mit etwas Gefühl machen!), so dass die obere Schicht mit den leeren Schalen herausgedrückt wird. Unten in der Flasche bleiben die Nauplien und die ungeschlüpften Zysten zurück.

Nun wird das Ganze in ein 100 – 150 µ-Sieb geschüttet und kurz lauwarm abgespült.

Artemia-Sieb mit einer Porengröße von 150 µm

Diese abgespülten Nauplien werden mit Hilfe eines Trichters in eine kleinere Laborflasche (250 ml) gespült und diese mit ca. 40°C warmen Leitungswasser aufgefüllt. Das Leitungswasser lässt die ungeschlüpften Zysten nach oben aufschwimmen, während die Nauplien wieder nach unten sinken.

 

Auch hier 2 Minuten stehen lassen, die Flasche vorsichtig etwas klopfen, so dass alles ganz nach oben schwimmt und durch Druck auf die Flasche den ganzen Dreck heraus spülen. Dann kann man die Flasche mit kaltem Wasser auffüllen und die sauberen Nauplien verfüttern.

6 Der Nährwert von Artemia-Nauplien

Im Allgemeinen ist der Nährwert von Artemia-Nauplien ausreichend, um fertig entwickelte Jungfische so zu ernähren, dass sie gesund und kräftig aufwachsen.

6.1 Anreichern - wie und warum?

Für noch nicht entwickelte Fischlarven, die eine Metamorphose durchmachen müssen, ist der Nährwert der Artemia jedoch nicht ausreichend. Sprich, wenn die Larven ihre Flossen in eine andere Form umwandeln oder sich in anderer Form körperlich stark umwandeln müssen, muss man die Artemia anreichern, damit der Nährwert für diesen Kraftakt ausreicht.

Es gibt viele, viele Gerüchte darum, dass Artemia-Nauplien erst nach 8-24 Stunden in der Lage sind, Futter aufzunehmen. Das ist ganz einfach falsch. Wir haben Experimente mit den Artemia-Brutschalen gemacht. Hier hat man eine gute Übersicht, dass die ersten Nauplien bereits nach 8-12 Stunden erscheinen, dann aber, wenn der größte Schlupf beginnt, bereits tot sind. Gibt man eine Anreicherung in diese Schalen, bleiben diese ersten Schlüpflinge am Leben und man hat kaum tote Nauplien am Boden liegen.

Diese Anreicherung besteht aus den HUFA (highly unsaturated fatty acids, mehrfach ungesättigte Fettsäuren) EPA und DHA und auf den Fischorganismus eingestellten Vitamine und Mineralien. Süßwasserfische können das EPA aus der Nahrung synthetisieren. Meerwasserfische können dies nicht und sind auf die Aufnahme von ausreichend EPA mit der Nahrung angewiesen.

Bei der Entwicklung der Larven von Süßwasserfischen haben wir dann aber das Problem, dass diese Synthetisierung sehr viel Energie verbraucht, welche die Larve normalerweise für die Entwicklung braucht. Führt man den Larven also nicht ausreichend EPA zu, sterben sehr viele, nicht „ausreichend“ kräftige Larven in dieser Metamorphose. Das ist bei der Zucht ja nicht erstrebenswert. Also stärken wir die Larven, indem wir die Nahrung durch Anreicherung aufwerten und den Larven einen guten Start ermöglichen.

Die Anreicherung erfolgt mit einer Emulsion aus Lachsöl und Vitaminen, die man fertig beziehen kann. Handelsüblich als Selco S. presso oder Aqua Biotica. Diese Anreicherung gibt man 12 Stunden vor der Entnahme in ganz kleiner Menge mit in den Brutbehälter und erhält damit Nauplien, die einen sehr viel höheren Nährwert haben als ohne.

Adulte Artemia-Männchen

 

Autor: Jutta Bauer

Fotos: und Videos: Jutta Bauer

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