Schleimpilz

Didymium sp.

Schleimpilze der Gattung Didymium tauchen hin und wieder in Aquarien auf. Schleimpilze sind absolut harmlose Begleitfauna, sie schaden weder Tieren noch Pflanzen im Aquarium. Schleimpilze gehören weder zu den Pilzen noch zu den Tieren, sie bilden eine eigene Klasse, die Eumycetozoa. Ein Schleimpilz besteht aus einer einzigen großen Zelle mit Milliarden von Zellkernen, er ist ein sogenanntes vielkerniges Plasmodium.

1 Aussehen und Vorkommen

Die Fruchtkörper der Schleimpilze sind netzartig verzweigt, sie sehen aus wie ein unregelmäßiges Spitzendeckchen, wie ein Pilzgeflecht oder eine Flechte.

Schleimpilze der Gattung Didymium sind weißlich bis leicht gelblich gefärbt. Das netzartige Geflecht kann mehrere Zentimeter im Durchmesser erreichen.

Die meiste Zeit über sieht man Schleimpilze im Aquarium gar nicht, weil sie im Bodengrund leben. Wenn sie in die Fortpflanzungsphase übergehen, schließen sich die Einzelzellen zu einer Plasmamasse, dem Plasmodium, zusammen. Dann sitzt der Schleimpilz häufig auch sichtbar innen an den Scheiben des Aquariums, auf Steinen, Holz und anderer Deko oder an Pflanzen.

Schleimpilze findet man von gemäßigten Zonen bis zu den Tropen. Nur wenige Arten leben nicht ausschließlich terrestrisch, sondern auch im Wasser - dazu gehört die Gattung Didymium.

2 Nahrung und Fressverhalten

Schleimpilze ernähren sich von organischem Material, von Futterresten, Biofilmen und Mikroorganismen. Man kann sie zum Beispiel gezielt mit einer Haferflocke füttern. Der Schleimpilz geht aktiv zum Futter und nimmt es auf - sehr interessant zu beobachten!

2.1 Problematik im Garnelenaquarium

Schleimpilze an sich stellen keine Gefahr für die anderen Aquarienbewohner dar. Sie können allerdings eventuell ein Anzeichen für ein Bakterienungleichgewicht im Aquarium und die Anwesenheit von viel toter organischer Materie sein. Eine hohe Keimbelastung im Wasser, Pflanzenreste und größere Mengen von nicht verwertetem Futter können Garnelen Probleme bereiten - daran ist jedoch nicht der Schleimpilz schuld.

2.2. Das sagt der Mykologe

Immer wieder steht im Raum, dass ein Schleimpilz im Aquarium für eine besonders hohe Wasserqualität stehen soll. Der Mykologe Dr. Lothar Krieglsteiner (www.pilzkunde.de) schreibt zu diesem Thema (persönliche Email vom 25.01.2021):

"Die Gattung Didymium ist artenreich - jede der nicht alle unbedingt leicht bestimmbaren Arten hat sicher ihre eigenen sehr speziellen Ansprüche, über die in der "normalen" Umgebung schon nur sehr begrenztes Wissen vorliegt.

Alle Myxos (den Begriff Schleimpilze mag ich nicht so, das es sich um Organismen handelt, die mit Pilzen nicht nahe verwandt sind) ernähren sich von organischem Material und gerne (wie im Aquarium) von gelösten organischen Substanzen. Insofern denke ich: je mehr Pflanzenmaterial im Aquarium und je mehr Fäulnis, Algen und Bakterien, desto besser für den Myxo. Eine Obergrenze kann es durchaus trotzdem geben, denn wo Bakterien vorherrschen, kann sich z.B. das Milieu so verändern, dass es für den Myxo nicht mehr passt. Im terrestrischen Bereich gibt es durchaus Didymium-Arten (und andere Myxos), die eher nährstoffarme Standorte besiedeln (z.B. Moore), andere (eher mehr) Arten wachsen in nährstoffreichem Milieu, z.B. in der Laubstreu in Auenwäldern. Im Bereich von Intensiv-Landwirtschaft (intensive Düngung) wachsen nur wenige Arten. (...)

P.S. Hätte ich ein Aquarium, würde ich mich über die Myxos freuen."

3 Fortbewegung

Schleimpilze können sich nach Art einer Amöbe mit Hilfe von ausstülpbaren Pseudopodien, also Scheinfüßen, fortbewegen, sie ändern daher auch im Aquarium immer wieder ihren Standort. Dabei schaffen sie bis zu einem Zentimeter pro Stunde. Schleimpilze sind erstaunlicherweise auch ohne Gehirn und Nervenbahnen dazu fähig, den effizientesten Weg durch ein Labyrinth zu finden, weswegen sie zum Beispiel in der Verkehrswegeforschung und in der Roboter-Navigationsforschung eingesetzt werden.

Der Zeitraffer zeigt - so langsam sind Schleimpilze gar nicht mal!

4 Fortpflanzung

Schleimpilze durchlaufen verschiedene Stadien im Laufe ihres Lebens. Aus den von den Fruchtkörpern gebildeten Sporen entstehen einzellige, zunächst noch winzige Amöben, die sich zu einem Plasmodium zusammenschließen. Die Zellwände im Inneren lösen sich auf, es entsteht eine Riesenzelle mit Milliarden von Zellkernen. Reife Schleimpilze bilden dann wiederum die sporenhaltigen Fruchtkörper aus, und die nächste Generation Schleimis macht sich auf die Pseudopodien. Im Bild unten sind die frischen Fruchtkörper links und mittig zu sehen (weiß), einige Tage später wurden sie dann schwarz.

5 Wie kommt der Schleimpilz ins Aquarium?

Meist kommt der Schleimpilz über Sporen ins Aquarium, die mit dem Hausstaub transportiert werden. Eventuell kann man ihn sich auch mit Pflanzen oder Deko aus einem laufenden Aquarium einschleppen. Es hat sich herausgestellt, dass Schleimpilze einen Transport meist nicht überstehen, auch teilen kann man sie nicht.

6 Schleimpilze bekämpfen

Es ist nicht notwendig, einen im Aquarium aufgetretenen Schleimpilz zu bekämpfen. Er verschwindet von alleine wieder und kehrt in der Regel auch nicht mehr zurück. Gerade in der Einfahrphase eines Aquariums kann ein Schleimpilz auftauchen, solange das biologische Gleichgewicht noch nicht in der Balance ist und der "Schleimi" viel abgestorbene organische Materie und Mikroorganismen findet. Man kann das Auftreten eines Schleimpilzes einfach aussitzen und die Anwesenheit dieses besonderen Aquariengastes einfach genießen, solange er da ist.

 

Autor: Ulli Bauer

Fotos: Thorsten Lippert, Sebastian Wendschuch, Vanessa Oehmig, Serie "Wanderung": Thorsten Lippert

Quelle: Taucer-Kapteijn, M. (2017). Occurrence of enterococci in the environment and their value as an indicator ofwater quality. https://doi.org/10.4233/uuid:e897f4b7-505e-4648-a2b9-acff485d8ce
Quelle: Dr. Lothar Krieglsteiner, persönlicher Schriftverkehr

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