Pentacoelum-Strudelwurm, "Rätselwurm"

Pentacoelum sp., Unterordnung Maricola

Diese kleinen platten Würmer stehen wie die Echten Planarien in der Ordnung Seriata. Pentacoelum sp. gehört jedoch zur Unterordnung der Maricola und in die Familie der Bdellouridae, während die Echten Planarien im Aquarium zur Unterordnung Continenticola gehören. Die räuberischen Scheibenwürmer sind also zwar mit den Echten Planarien verwandt, unterscheiden sich jedoch im Verhalten und auch in der Fortpflanzung deutlich von ihnen. In einigen Facebook-Gruppen wurden sie längere Zeit als "Rätselwurm" bezeichnet - der Wurm ähnelt durchaus einer Planarie, aber er verhält sich nicht wie eine und er sieht auch ein wenig anders aus. Auch die Bezeichnung "räuberischer Scheibenwurm" ist gängig.

Als Wurm in der Klasse Tricladida gehört Pentacoelum sp. wie Planarien zu den Plathelminthes oder Plattwürmern beziehungsweise zu den Strudelwürmern oder Turbellarien. Pentacoelum sp. lebt wie alle Strudelwürmer räuberisch, ist jedoch aufgrund seiner geringen Größe für große Schnecken und für Garnelen keine Bedrohung.

1 Aussehen und Vorkommen

Der weißlich bis bräunlich gefärbte Plattwurm Pentacoelum sp. hat zwei deutlich sichtbare Augenflecken, einen auffallend lang ausgezogenen hellen Schlundfleck und einen verästelten Darm, der drei Äste hat: Ein Ast weist nach vorne, zwei parallel laufende Äste nach hinten. Der Rand des Körpers ist unpigmentiert.

Soweit ähnelt der Wurm stark einer Echten Planarie, jedoch weist er im Auflicht mehrere stark reflektierende Pigmentflecken auf: vor den Augen, in der Körpermitte und einen sehr auffälligen breiten Querstreifen kurz hinter dem Schlund. Bei manchen Arten sieht man keinen Querstreifen, sondern zwei reflektierende Punkte an dieser Stelle. An diesem Merkmal kann man den räuberischen Scheibenwurm sehr gut erkennen - Echten Planarien fehlen die reflektierenden Pigmentflecken.

Die Körperform unterscheidet sich ebenfalls von den Echten Planarien: Pentacoelum sp. hat vorne eine abgerundete Form, keinen deutlich abgesetzten Kopf, und das Hinterende des Wurmes sieht aus wie abgeschnitten. Der Körper weist keine Segmente auf. Pentacoelum sp. wird bis 4 Millimeter lang und etwa 0,9 mm breit, meist sind die Würmer jedoch kleiner. Im Querschnitt ist der Rätselwurm eher flach.

Einige Plattwürmer der Gattung Pentacoelum kommen im Süßwasser vor. Die Gattung ist in Europa verbreitet (Deutschland, Niederlande, Spanien, Schweden, Finnland), in Russland, in den USA (Hawaii, Louisiana) und in Asien. Die Vorkommen weiten sich langsam auch nach Südamerika aus, wo man sie mittlerweile auch in Peru findet.

2 Nahrung und Fressverhalten

Pentacoelum sp. ist wie alle Plattwürmer räuberisch: Neben kleinen Würmern stehen insbesondere kleine Schnecken auf dem Speiseplan. Beobachtet wurden Übergriffe auf frisch geschlüpfte Posthornschnecken, die Literatur spricht auch von einer Vorliebe für die Neuseeländische Zwergdeckelschnecken Potamopyrgus antipodarum, an deren Ausbreitung die Ausbreitung einer europäischen Pentacoelum-Art gekoppelt zu sein scheint. Angriffe auf ausgewachsene Garnelen und große Schnecken wurden bisher nicht beobachtet. Andere Arten scheinen eventuell auch Aas zu fressen.

Pentacoelum sp. neigt im Aquarium nicht zu einer Massenvermehrung, auch wenn vereinzelt bei besonders günstigen Verhältnissen eine etwas höhere Vermehrung beobachtet wurde.

2.1 Problematik im Wirbellosenaquarium

Die räuberischen Scheibenwürmer Pentacoelum sp. sind im Aquarium nicht ganz unproblematisch, weil sie frisch geschlüpfte Schnecken wie zum Beispiel Posthornschnecken fressen. Etwas größere Schnecken haben von ihnen jedoch schon nichts mehr zu befürchten.

3 Fortbewegung

Pentacoelum sp. kriecht gleitend, vergleichbar mit Planarien oder mit Nacktschnecken. Aktives Schwimmen wurde nicht beobachtet. Werden die Rätselwürmer gestört, ziehen sie sich zu einem kugelförmigen Klumpen zusammen.

Dieser Strudelwurm ist nicht so lichtscheu wie Planarien.

4 Fortpflanzung

Pentacoelum sp. pflanzt sich ausschließlich geschlechtlich fort, ein Abschnüren wurde bislang nicht beobachtet. Die Würmer sind zwittrig und haben sowohl weibliche als auch männliche Geschlechtsmerkmale. Jeweils ein hellbrauner Eikokon wird unterhalb des Schlundes im Hinterende des Körpers produziert und dann meist an Pflanzen oder unter Steinen abgelegt. Die Eikokons sehen denen der Planarien sehr ähnlich, sind mit bis 0,7 mm jedoch deutlich kleiner und haben keinen Stiel. Aus einem Kokon schlüpfen bei 22 °C nach ca. 14 Tagen 1 bis 7 kleine Würmer.

5 Wie kommt der Wurm ins Aquarium?

Meist holt man sich Pentacoelum sp. durch an Pflanzen oder Dekorationsmaterial anhaftende Eier ins Aquarium, auch können juvenile bis adulte Würmer in Schnecken oder an Pflanzen sitzen. Heimische Arten schleppt man sich zum Teil auch mit Tümpelfutter ein.

6 Überlebenstechniken

Pentacoelum sp. enthalten deutlich weniger Stammzellen als Planarien. Schneidet man sie in der Mitte durch, sterben die Teilstücke ab. Wird ein kleines Stück vom Körper abgetrennt, kann es jedoch regeneriert werden. Das kleine Teilstück stirbt ab. Die Eikokons sind vermutlich gegen Austrocknen geschützt und können wohl auch kurze Kältephasen überstehen.

7 Pentacoelum eindämmen

Pentacoelum sp. scheint bislang in der Regel im Aquarium nicht massenhaft aufzutreten. Häufig verschwinden die Würmer von selbst wieder. Eine Bekämpfung mit einer Planarienfalle dürfte aufgrund ihrer Spezialisierung auf kleinste Schnecken und Würmer im Aquarium schwierig werden, bei einigen Versuchen ging kein einziger Wurm in die Falle. Bei anderen Versuchen waren Aquarianer mit rohem Fleisch teilweise erfolgreich, eine Masseneinwanderung in die Falle gab es jedoch auch hier nicht.

Das rezeptpflichtige Wurmmittel Panacur tötet die Würmer verschiedenen Berichten zufolge ab.

 

Mein besonderer Dank für die Identifizierung des Wurms als Pentacoelum sp. geht an Robert Katzer, der sich stundenlang akribisch durch die Google-Bildersuche wühlte, an Melanie Kirchbeck und an Alexander Gärtner für seine Engelsgeduld und seine genaue Beobachtungsgabe.

 

Autor: Ulli Bauer

Fotos: Robert Katzer, Fotos und Video: Alexander Gärtner

Quelle: UNIVERSIDAD NACIONAL MAYOR DE SAN MARCOS. MICROTURBELARIOS DEL RÍO CHILLÓN (Trapiche Santa Rosa de Quíves, Canta - Lima.), Bach. Jhoe Steve Reyes Pajuelo, Lima, Peru, 2016
Quelle: The diet and distribution of Pentacoelum kazukolinda (Kawakatsu & Mitchell, 1984), a maricolan planarian with a freshwater ecology, Ronald Sluys, Miquel Vila‐Farré, Marta Álvarez‐Presas, Marta Riutort, Masaharu Kawakatsu, Arnold S. Tulp
Quelle: ECOLOGY, KARYOLOGY, AND ANATOMY OF THE PLANARIAN PENTACOELUM HISPANIENSESLUYS, 1989(PLATYHELMINTHES, TRICLADIDA), M. Vila-Farré, R. Romero, R. Sluys, J. Fernández, M. Sancho-Prat & X. Ferrer

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