Scheibenwürmer

Macrostomum sp., Ordnung: Rhabdocoela

Diese umgangssprachlich einfach Scheibenwürmer genannten Plattwürmer aus der Gattung Macrostomum gehören zu den Turbellarien. Je nach Autor werden diese Scheibenwürmer in die Ordnung Rhabdocoela gestellt. Oft sieht man diese kleinen weißen Würmer an der Aquarienscheibe kriechen, und sehr oft versetzen sie dem Betrachter einen gehörigen Schreck, weil sie für Planarien (aus der Ordnung Seriata) gehalten werden. Die Macrostomidae sind zwar auch Plattwürmer, aber sie stellen keine Gefahr für Garnelen und Garnelenbabys dar.

Der Name "Macrostomum" setzt sich aus dem griechischen "macros" für "groß" und "stoma" für "Mund" zusammen, was unseren Scheibenwurm buchstäblich zu einem Großmaul macht. In der Tat ist der muskulöse, ausstülpbare Schlund bei diesen Würmern auffallend groß.

1 Aussehen und Vorkommen

Würmer der Ordnung Rhabdocoela findet man weltweit im Süßwasser, in Brackwasserbereichen wie auch im Meerwasser.

Die kleinen Plattwürmer aus der Gattung Macrostomum sind nicht segmentiert. Sie werden maximal 2-5 Millimeter lang. In dem mehr oder weniger durchsichtigen, gräulich-beigen bis weißlichen Wurm kann man die etwas intensiver weiß gefärbten Organe erkennen.

Die Körperform des Scheibenwurms ist länglich bis oval, sein Querschnitt ist rundlich bis eher flach. Der Kopf ist nicht abgesetzt und bildet kein pfeilförmiges Dreieck.

Unter dem Mikroskop sind zwei winzige schwarze Augenflecken zu erkennen. Anders als bei den im Garnelenaquarium ungeliebten Planarien kann man die Augenflecken bei Rhabdocoela nicht mit bloßem Auge sehen, nur in der Vergrößerung.

Zum besseren Verständnis: Die Vorderenden der Scheibenwürmer auf unserem Titelfoto oben zeigen jeweils nach links.

Der im Verhältnis zum Körper sehr breite Schlund liegt bei Scheibenwürmern aus der Ordnung der Rhabdocoela direkt hinter diesen Augenflecken im vorderen Teil des Wurmkörpers, nicht in der Körpermitte wie bei den "echten" Planarien. Hinter dem Schlund folgt der Magen, der als weißlicher bis gelblicher Fleck gut zu erkennen ist, dahinter kommen die weißlich gefärbten Geschlechtsorgane. Der Magen geht über in den sackartigen Darm.

Macrostomidae scheiden ihre Exkremente über den Mund aus, im nachfolgenden Video kann man einen kleinen Scheibenwurm bei der Ausscheidung beobachten.

2 Nahrung und Fressverhalten

Macrostomum leben räuberisch von Kleinstlebewesen wie Bakterien und anderen Mikroorganismen, auch von anderen Würmern, sie verwerten auch Aas und proteinhaltiges Futter. Manche Arten vergreifen sich auch an jungen, noch sehr kleinen Schnecken.

Durch eine hohe Nahrungszufuhr (in den allermeisten Fällen ist das zu viel Futter, das von außen ins Aquarium gegeben wird) kann die Scheibenwurmpopulation geradezu explodieren.

2.1 Problematik im Wirbellosenaquarium

Scheibenwürmer der Gattung Macrostomum sind zwar Räuber, aber an Garnelen und auch an frisch geschlüpfte Junggarnelen gehen sie ausdrücklich nicht. Es kann vorkommen, dass Jungschnecken erbeutet werden. Bei viel Futterzufuhr pflanzen sich Scheibenwürmer in großer Zahl fort.

Kommen die Scheibenwürmer in großer Zahl aus dem Boden, ist dies ein deutlicher Hinweis darauf, dass hier ein Problem durch Fäulnis vorliegen könnte.

3 Fortbewegung

Die Scheibenwürmer der Gattung Macrostomum bewegen sich gleitend fort, ähnlich, wie man das von Nacktschnecken kennt. Diese Würmer können nicht aktiv schwimmen. Bei Störung ziehen sie sich kugelförmig zusammen.

4 Fortpflanzung

Diese Plattwürmer sind Zwitter. Sie vermehren sich geschlechtlich durch gegenseitige Befruchtung und produzieren dann Eier. Die Eier werden nicht abgelegt, sondern reifen im Körper der Mutter heran. Die Jungtiere gelangen dann durch die Geschlechtsöffnung nach draußen. Nach etwa zwei Wochen (bei höheren Temperaturen auch kürzer) ist der Jungwurm dann seinerseits geschlechtsreif.

5 Wie kommt der Scheibenwurm ins Aquarium?

Meist kauft man Scheibenwürmer mit - entweder mit Aquarienpflanzen oder mit Aquarientieren. Es ist recht normal, dass sie als "Beifahrer" im Mantelgewebe von Schnecken sitzen oder dass sie mit Moosen oder anderen Aquarienpflanzen mitkommen. Oft sitzen Macrostomum auch in Mooskugeln.

Da Macrostomum auch in austrocknenden Gewässern vorkommen, bilden sie bei Verschlechterung der Umweltbedingungen eine zähe Haut, die eine Zyste formt, in der der Wurm in Ruhe auf bessere Zeiten wartet.

Wenn das Habitat des Scheibenwurms ausgetrocknet ist, kann es vorkommen, dass die Zysten mit dem Wind verweht werden, sie sind dann Teil des natürlichen Staubs. Es kann also nicht ausgeschlossen werden, dass der ganz normale Hausstaub Scheibenwürmer ins Aquarium einträgt.

7 Scheibenwürmer eindämmen

Ganz entfernen kann man die Würmer aus der Gattung Macrostomum praktisch nicht aus dem Aquarium. Anders als Planarien aus der Ordnung Seriata sind sie weder auf Panacur noch auf Flubenol oder No Planaria in den empfohlenen Dosen empfindlich. Bitte nicht höher dosieren und einfach mehr Gift ins Aquarium packen - irgendwann stirbt der Scheibenwurm dann schon, nur leider sind die dafür erforderlichen Dosierungen auch für alle anderen Aquarienbewohner tödlich!

7.1 Fressfeinde

Scheibenwürmer werden - anders als Planarien - von kleinen bis mittelgroßen Fischen sehr gerne gefressen. Achtung im Garnelenaquarium, auch Garnelenbabys werden von diesen Fischen gern als Lebendfutter angesehen.

7.2 Weniger Futter

Durch eine deutlich reduzierte Futtergabe entzieht man den Scheibenwürmern die Nahrungsgrundlage, so lässt sich nicht nur die Vermehrung begrenzen, sondern auch auf lange Sicht ihre Gesamtzahl  eindämmen.

Alles in allem hat es sich unserer Erfahrung nach am besten bewährt, die Populationstärke der Scheibenwürmer durch eine an den Besatz angepasste sparsame Fütterung in Schach zu halten.

 

Autor: Ulli Bauer

Fotos: Tamara Stamm, Christiane Kienesberger, Ricardo Castellanos, Video: Raymond Klieber