Hundeegel, Rollegel, Achtäugiger Schlundegel

Erpodbella octoculata

Der dunkel gefärbte Hundeegel wird auch Rollegel oder Achtäugiger Schlundegel genannt. Wissenschaftlich heißt er Erpobdella octoculata. Er gehört zur Familie der Ringelwürmer (Annelida) und zum Stamm der Gürtelwürmer (Clitellata). Hundeegel sollten nicht mit Blutegeln verwechselt werden - sie leben zwar räuberisch, aber nicht parasitisch, sie saugen also kein Blut. Als Schlundegel gehen sie auf die Jagd und fressen Kleintiere wie Schlammröhrenwürmer oder Zuckmückenlarven, die sie im ganzen verschlucken.

1 Aussehen und Vorkommen

Beim Hundeegel oder Rollegel kann man deutlich die Segmente erkennen, die Würmer sind erkennbar geringelt. Auf dunklem Grund haben sie ein charakteristisches helleres Muster aus feinen unterbrochenen Querstreifen. Hundeegel werden ausgestreckt bis 6 cm lang. Am Kopf sitzen acht Augen: Vier davor liegen am Vorderende nebeneinander, je zwei sitzen an den Seiten des Kopfes.

Hundeegel sind im Querschnitt etwas abgeflacht, und ihre Körperform ist walzenförmig. Am Kopfende wie auch am Hinterende sitzt jeweils ein Saugnapf.

Vorkommen von Erpobdella octoculata findet man in Europa und Nordasien in Süßwasser und in Brackwasser in stehenden oder fließenden Gewässern.

2 Nahrung und Fressverhalten

Hundeegel fressen Würmer, am Boden lebende Mückenlarven und andere weiche Insektenlarven, die sie erbeuten können. Auch Aas gehört zu ihrem Speiseplan, wobei sie durchaus größere Stücke von großen toten Tieren abreißen können - zum Beispiel von Regenwürmern oder auch von toten Krebstieren.

2.1 Problematik im Wirbellosenaquarium

Hundeegel sind im Garnelenaquarium eher ungefährlich.

3 Fortbewegung

Hundeegel können sehr gut und erstaunlich schnell schwimmen. Dazu schlängeln sie sich S-förmig durchs Wasser. Auf Substraten kriechen sie sehr typisch - sie halten sich mit dem hinteren Saugnapf fest, schieben das Vorderende nach vorn, saugen sich mit dem vorderen Saugnapf fest, ziehen das hintere Ende nach und so weiter. Diese Bewegung ist nicht fließend wie etwa bei Planarien, sondern sieht ziemlich genau so aus wie das Krabbeln einer Spannerraupe. Häufig sieht man, dass sich ein Rollegel mit dem hinteren Saugnapf an das Substrat anheftet und das Vorderende tastend ins Freiwasser streckt.

4 Fortpflanzung

Hundeegel sind Zwitter. Sie paaren sich mit Artgenossen (Selbstbefruchtung ist nicht möglich) und legen Eikokons. Nach der Paarung bilden sie das sogenannte Clithellum aus, eine gürtelförmige Struktur. Es produziert ein zähes Sekret, das zu einem Kokon geformt wird, in den dann der Rollegel seine Eier ablegt. Diesen Kokon befestigt der Hundeegel an Wasserpflanzen oder Steinen im Wasser. Er betreibt keine Brutpflege und lässt die Eikokons unbewacht. Schlammschnecken wie die Spitzschlammschnecke vergreifen sich häufig an diesen Kokons und fressen sie recht gerne.

5 Wie kommt der Hundeegel ins Aquarium?

Hundeegel schleppt man sich häufig mit Tümpelfutter ein, sie können aber auch in Pflanzen oder Dekorationsmaterial aus befallenen Aquarien oder aus dem Freiland sitzen. Schleppt man sich Kokons ein, kann man nach einiger Zeit mehrere Rollegel im Aquarium finden.

6 Überlebenstechniken

Hundeegel sind gegen organisch belastetes Wasser ziemlich unempfindlich und kommen auch noch in stark belasteten Gewässern recht gut klar. Sie fressen die Eikokons ihrer Artgenossen und dämmen so die Populationsdichte in stark besiedelten Gewässern ein. Eigene Kokons werden niemals gefressen.

7 Hundeegel eindämmen

Hundeegel im Garnelenaquarium sammelt man am besten einfach ab. Sie richten keinen großen Schaden an und überdies ist alles, was für diese Art Egel giftig wirkt, für Garnelen ebenfalls sehr schädlich - zum Beispiel Kupfer. Panacur und Flubenol schaden ihnen nicht.

 

Autor: Ulli Bauer

Fotos: Sandra Brodnicki