Schneckenegel

Glossiphonia sp., Albiglossiphonia sp.

Egel sind räuberische oder parasitisch lebende Würmer, von denen die meisten Arten im Süßwasser leben. Der Große Schneckenegel gehört zur Gattung Glossiphonia, der Kleine Schneckenegel zur Gattung Albiglossiphonia. Beim Anfassen fühlen sich Schneckenegel fest und knorpelig an, ihre Haut ist nicht schleimig. Bei Störung können sie sich fast kugelförmig zusammenziehen. Typisch ist die Fortbewegungsweise, die als spannerraupenartig beschrieben wird.

1 Aussehen und Vorkommen

Schneckenegel sind deutlich segmentierte Würmer, die zur Familie der Ringelwürmer (Annelida) und zum Stamm der Gürtelwürmer (Clitellata) gehören. Kleine Schneckenegel sind weißlich, Große Schneckenegel sind grünlich bis bräunlich-beige und gemustert. Sie haben oft zwei dunklere Längsstreifen auf dem Rücken. Große Schneckenegel werden bis 3 cm lang und 1 cm breit, Kleine Schneckenegel bleiben deutlich kleiner.

Im Inneren kann man bei den halbtransparenten Würmern je nach Füllung den Darm erkennen. Im Foto unten hat der Schneckenegel eine Posthornschnecke mit rotem Blutfarbstoff gefressen, hier sieht man den Darminhalt sehr schön.

Schneckenegel sind im Querschnitt stark abgeflacht, und ihre Körperform ist tropfenförmig - sie werden hinten sehr breit, während der Kopf recht schmal ist. Am Vorder- und am Hinterende lässt sich gut jeweils ein Saugnapf erkennen, wobei der vordere Saugnapf sehr viel kleiner ist.

Vorkommen des Schneckenegels findet man fast auf der ganzen Welt in stehenden oder fließenden Gewässern des Süßwassers.

2 Nahrung und Fressverhalten

Schneckenegel fressen Schnecken, die sie aussaugen, und andere Wirbellose mit weichem Körper wie beispielsweise andere Würmer. Es handelt sich hier ausdrücklich nicht um einen Blutegel!

2.1 Problematik im Wirbellosenaquarium

Schneckenegel fressen alle Arten von Schnecken, sie machen auch nicht vor Schnecken mit Operculum (Deckel) halt. An Garnelen oder Krebse gehen sie nicht.

3 Fortbewegung

Schneckenegel können erstaunlich gut schwimmen, dazu schlängeln sie sich S-förmig durchs Wasser. Auch kriechend bewegen sie sich fort, dabei heften sie zunächst ihr Hinterteil mit dem Saugnapf am Untergrund fest und strecken den Kopf ein Stück nach vorn. Dort heften sie den vorderen Saugnapf fest und ziehen das Hinterteil nach. Ihre Bewegung ist also nicht fließend wie bei einer Planarie, sondern ruckartig. Sie erinnert etwas an eine Raupe. Oft kann man beobachten, wie sich ein Schneckenegel mit dem hinteren Saugnapf festhält und mit dem Vorderkörper erst einmal tastend die Umgebung erkundet.

4 Fortpflanzung

Schneckenegel sind Zwitter. Sie vermehren sich geschlechtlich durch Eier. Nach der Paarung bildet sich das sogenannte Clitellum, eine gürtelförmige Struktur. Hier wird ein zähes Sekret produziert, das einen Kokon bildet, in den der Große Schneckenegel seine Eier ablegt. Diesen Kokon befestigt der Große Schneckenegel an harten Oberflächen oder Pflanzen, wo er ihn bis zum Schlupf bewacht. Die geschlüpften Jungtiere trägt der Große Schneckenegel dann für einige Wochen mit sich, er betreibt also aktive Brutpflege. Der Kleine Schneckenegel trägt seinen Kokon von Anfang an mit sich herum, er legt ihn nicht ab. Auch der Kleine Schneckenegel trägt dann die geschlüpften Jungtiere noch eine Weile unter dem Leib.

5 Wie kommt der Schneckenegel ins Aquarium?

Schneckenegel schleppt man sich entweder mit getümpeltem Lebendfutter ein oder mit Pflanzen oder Dekorationsmaterial aus laufenden befallenen Aquarien, oder mit Moosen, Wasserpflanzen oder Deko aus dem Freiland. Dabei kann es neben Einzelexemplaren durch die Einschleppung von Kokons auch zu einem stärkeren Befall kommen.

6 Überlebenstechniken

Schneckenegel haben eine harte, feste Haut, die sie vor dem Gefressenwerden und ein Stück weit auch vor dem Austrocknen schützt - sie können sich auch außerhalb des Wasser relativ gut und zielsicher fortbewegen.

7 Schneckenegel eindämmen

Schneckenegel im Garnelenaquarium werden am besten einfach abgesammelt - alles, was für sie giftig ist, ist für Garnelen ebenfalls giftig. Panacur und Flubenol schaden ihnen nicht. Bei einem starken Befall kann dies allerdings nicht ausreichen.

7.1 Vorgehen bei starkem Befall - Erfahrungsbericht von Rudolf Othegrafen

Ich hatte mal das "Vergnügen" mit Schneckenegeln. Zu sehen war ab und zu mal einer, der dann auch gleich entsorgt wurde. Meine Population an Schnecken hat es trotzdem weiter dahin gerafft. Dann habe ich mich entschlossen das Becken (80 Liter) komplett auszuräumen. Das Ergebnis: unter Steinen und anderer Deko waren knapp 200 (zweihundert!) Egel zu finden.

Und genau dort liegt das Problem, die große Masse der Egel ist nicht zu sehen. Ich empfehle die folgende Vorgehensweise:

7.1.1 Schnecken

Schnecken absammeln und in ein separates Becken ohne jegliche Einrichtung einsetzen. Die Tiere müssen gut zu beobachten sein.

7.1.2 Restlicher Besatz

Fische, Garnelen und/oder Krebse rausfangen und in ein separates Becken einsetzen. Bei ihnen besteht nicht die Gefahr, dass sie von Egeln befallen werden.

7.1.3 Aquariendekoration

Alle Deko rausnehmen und in mindestens 60 °C heißes Wasser eintauchen, einschließlich Kies und allem, was dazu gehört. Der Kies muss auf 60 °C durchgewärmt werden! Achtung bei Farbkies ... den bitte nicht durcherhitzen, sondern lieber wegwerfen und neuen holen. Heißes Wasser kann Giftstoffe aus Farbkies herauslösen.

7.1.4 Pflanzen

Wenn es keine wertvollen Pflanzen oder große Mengen an Pflanzen sind, sodass Ersatz teuer wäre, ist es am einfachsten, sie zu entsorgen. Alternativ kann man sie auch in einer Lösung aus Kaliumpermanganat desinfizieren. Dazu ist es sinnvoll, einige lebende Egel zu nehmen und an diesen die nötige Konzentration herauszufinden. Wenn ein Egel zum Bespiel in einer 5 %igen Lösung nach 3 Minuten verstorben ist, sollten die Pflanzen mindestens die fünffache Zeit in der Lösung verbleiben. Ich hatte meine Pflanzen für 25 Minuten in einer 5 %igen Lösung. Pflanzen mit eng stehenden "Herzen", in denen die Egel sich gut verkriechen können, sollten entsorgt werden. Achtung, einige Pflanzen können durch das Kaliumpermanganat geschädigt werden.

7.1.5 Aquarium

Beim befallenen Aquarium besteht die Gefahr, dass sich die Egel in die Fugen der Silikondichtung verkrochen haben. Das Becken sollte, sobald es komplett leer ist, wieder mit Wasser gefüllt und langsam mit einen Tauchsieder auf 60° erhitzt werden. Alternativ kann es mit einer 5 %igen Desinfektionslösung aus Kaliumpermanganat gefüllt werden - und zwar randvoll. Das ganze 48 Stunden stehen lassen, mindestens, damit auch die Egel in den Silikonfugen Abgetötet werden. Die Methode des Aufheizens ist besser, da sie alle Bereiche erwärmt und kein Egel entkommen kann.

7.1.6 Weiteres Vorgehen

Dann das ganze Becken neu einrichten.

Die Schnecken sollten mindestens 8 Wochen im Quarantäneaquarium verbleiben und dort genau beobachtet werden - wobei die üblichen Posthornschnecken und Blasenschnecken eine Begegnung mit einem Schneckenegel meist nicht überleben. Sumpfdeckelschnecken, Rennschnecken und ähnlich große Schnecken überleben eine Begegnung meist, liegen aber bei einem mit Egeln befallenen Becken häufig mit geschlossenem Deckel inaktiv in Becken herum. Auf diese Weise wollen sie den Angriff eines Egels vermeiden. Das geht so weit, das sie ggf. zubleiben, bis sie verhungert sind.

Ist im Quarantänebecken der Schnecken in den 8 Wochen keine tote oder verschlossene Schnecke zu sehen, ist es relativ sicher, dass keine mehr Egel vorhanden sind. Im Zweifel lieber länger beobachten ... und nicht vergessen, die Schnecken zu füttern!

 

Autor: Ulli Bauer
Co-Autor: Rudolf Othegrafen

Fotos: Daniel Kogler, Michaela Merker, Patrick Steinberg, Video: Ina Grothmann