Blutegel

Fast schon reflexartig werden im Aquarium auftauchende Egel direkt als Blutegel bezeichnet - das sind sie aber normalerweise nicht! Blutegel findet man so gut wie nie in der Begleitfauna, aus dem einfachen Grund, dass sowohl Hirudo medicinalis, der Medizinische Blutegel, als auch Hirudo verbana, der Mediterrane Medizinische Blutegel oder auch Ungarische Blutegel in der Natur nicht mehr häufig vorkommen, weil sie in den vergangenen Jahrhunderten stark abgesammelt wurden und weil ihre Biotope zunehmend verschwinden. Sie sind tatsächlich vom Aussterben bedroht. Ein Einschleppen ins Aquarium ist damit ausgesprochen unwahrscheinlich!

Blutegel sind gehören zu den Kieferegeln. Sie sind Ringelwürmer (Annelida) und gehören zum Stamm der Gürtelwürmer (Clitellata). Medizinische Blutegel und Mediterrane Medizinische Blutegel sind in der Tat Blutsauger - anders als viele andere Egel, die sich räuberisch ernähren und zum Beispiel Insektenlarven jagen - wie der Asiatische Egel Barbronia weberi oder der Hundeegel, oder die Schnecken aussaugen, wie der Schneckenegel.

Blutegel werden seit vielen Jahrhunderten in der Volksmedizin genutzt. Ihr Speichel enthält viele verschiedene Stoffe, die bei Entzündungen und Schmerzen helfen können. Gerne werden sie zum Beispiel gegen Arthroseschmerzen eingesetzt, gegen Venenentzündungen und gegen Thrombosen.

1 Aussehen und Vorkommen

Beim Blutegel sieht man die Segmente in Form feiner Ringel sehr gut. Auf olivbraunem Grund haben Medizinische Blutegel ein Muster aus gelben und roten Längsstreifen, die von schwarzen Flecken unterbrochen werden. Der Mediterrane Medizinische Blutegel hat eine helle Unterseite, während der bei uns heimische Medizinische Blutegel auf der Bauchseite dunkel gefleckt ist. Medizinische Blutegel haben fünf Augenpaare, die am Kopf charakteristisch verteilt sind - man kann sie aber schon anhand ihrer typischen Streifenzeichnung und Färbung sehr gut erkennen.

Die typische Augenverteilung beim Medizinischen Blutegel, Grafik von Christian Fischer via Wikimedia Commons

Blutegel sind im Querschnitt nicht kreisrund, sondern etwas abgeflacht. Ihr Körper ist walzenförmig. Am Kopfende wie auch am Hinterende befindet sich jeweils ein Saugnapf.

Der Medizinische Blutegel ist in der Natur schon fast ausgestorben, ebenso wie der Ungarische Blutegel. Hirudo medicinalis und Hirudo verbana findet man in Europa bis Nordafrika, wobei der Mediterrane Blutegel eher im Süden und der Medizinische Blutegel eher im Norden zu finden ist. Die Egel leben in amphibienreichen stehenden Tümpeln mit ausgedehnten Flachwasserzonen.

2 Wie kommt der Blutegel ins Aquarium?

Wenn man sie nicht bewusst einsetzt, gar nicht. In der Natur findet man Blutegel nur noch sehr selten, sie sind vom Aussterben bedroht.

Die Haltung im Aquarium ist übrigens sehr interessant. Blutegel brauchen nicht viel - nur einige kantige Steine, an denen sie bei der Häutung ihre Hülle abstreifen können, und sehr weiches Wasser. Die Haltung in Regenwasser mit etwas Salty Shrimp Bienensalz hat sich bewährt. Ein Filter ist nicht notwenig. Will man Egel nachzüchten, müssen ihnen Steine oberhalb der Wasseroberfläche zur Verfügung gestellt werden, an denen die Kokons abgelegt werden können. Blutegel kann man über Apotheken oder Heilpraktiker beziehen. Wurden sie therapeutisch verwendet, darf man sie allerdings wegen der Ansteckungsgefahr nicht wieder ansetzen!

3 Nahrung und Fressverhalten

Blutegel saugen das Blut von Wirbeltieren. Sie sitzen dabei am Wirt und werden sichtbar immer dicker und praller. Beim Saugen dicken sie das Blut gleich ein und scheiden das überschüssige Wasser über die Haut aus. Wenn sie satt sind, lassen sie von selbst los. Blutegel sollte man niemals mit Gewalt abziehen, weil sie bei Stress Blut wieder in die Wunde erbrechen können. Einfach saugen lassen, sie fallen von selbst ab!

Bei Nahrungsmangel saugen sie sich auch gegenseitig an. Es handelt sich bei Blutegeln um sehr genügsame Tierchen, die nur 1-2 Mal im Jahr fressen müssen. Wenn man sich scheut, Blutegel anzusetzen, kann man sie auch mit Blut vom Metzger füttern, das man ihnen im Naturdarm oder in einem Plastikbeutel anbietet.

3.1 Problematik im Wirbellosenaquarium

Die Einschleppung ins Aquarium ist ausgesprochen unwahrscheinlich. Es kann nicht ganz ausgeschlossen werden, dass sich auch ausgewachsene Blutegel an Schnecken vergreifen, wenn sie hungrig werden.

4 Fortbewegung

Blutegel schwimmen schlängelnd S-förmig und können dabei erstaunlich schnell werden. Wenn sie kriechen, bewegen sie sich egeltypisch fort, indem sie ihre Saugnäpfe abwechselnd festheften und den Körper dann jeweils weiterschieben - wie eine Spannerraupe. Anders als Planarien bewegen sie sich nicht fließend fort. Häufig kann man Blutegel dabei beobachten, wie sie sich mit dem hinteren Saugnapf festhalten und mit dem Vorderende im Freiwasser tasten.

5 Fortpflanzung

Blutegel sind Zwitter. Sie müssen sich mit einem Artgenossen paaren, eine Selbstbefruchtung ist ihnen nicht möglich. Nach der Paarung werden Eikokons abgelegt: In der gürtelförmigen Struktur des Clitellums, das sie danach ausbilden, wird der Kokon aus zähem Sekret geformt. In diesem Kokon liegen dann die Eier. Er wird an Hartsubstrat wie Steinen oberhalb der Wasseroberfläche angeheftet. Blutegel betreiben keine Brutpflege, die Jungegel sind sich selbst überlassen. Die kleinen Egel ernähren sich zunächst von kleinen Wirbellosen wie Wasserschnecken oder Insektenlarven, später saugen sie dann an Amphibien oder Fischen und noch später dann an Säugetieren.

 

Autor: Ulli Bauer

Fotos: EllWi via Pixabay, Grafik: Christian Fischer via Wikimedia Commons

Quelle: Lizenz für die Grafik: CC BY-SA 3.0
Quelle: Pixabay License

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