Öltröpfchenwürmer

Aelosoma sp.

Die nützlichen Öltröpfchenwürmer aus der Gattung Aelosoma gehören zu den Wenigborstern (Oligochaeta).

Dieser haardünne Wurm taucht im Aquarium verhältnismäßig häufig auf. Er wird manchmal aufgrund seiner Kopfform beim flüchtigen Hinschauen für eine Planarie gehalten, hat aber mit diesen Plattwürmern ebensowenig zu tun wie mit Scheibenwürmern (Macrostomum). Oft sieht man Öltröpfchenwürmer an der Scheibe oder auf / im Bodengrund kriechen.

1 Aussehen und Vorkommen

Wie alle Wenigborster zeigen auch Öltröpfchenwürmer beim genauerer Betrachtung eine deutliche Segmentierung. Da die Würmer nur ca. 1-4 mm lang werden, kann man ihre 4 bis 14 Segmente am besten unter der Lupe oder mit Hilfe eines Mikroskops erkennen. An jedem Segment wächst ein auffälliges, langes Borstenpaar. Die Körperform des Öltröpfchenwurms ist lang und schmal, und die Würmer haben einen abgesetzten, mehr oder weniger runden Kopf. Dieser Kopf ist der Grund, warum sie oft für Planarien gehalten werden. Im Gegensatz zu Planarien kann man Öltröpfchenwürmer jedoch sofort an ihren Segmenten erkennen. Seinen Namen hat er davon, dass in seinem Körper unter dem Mikroskop winzigste farbige Öltröpfchen zu sehen sind. Den Darm kann man als s-förmig geschwungenen Faden im Inneren des Wurms erkennen.

Öltröpfchenwürmer findet man praktisch weltweit im Süßwasser.

Im direkten Vergleich sieht man sehr gut den Unterschied zwischen Öltröpfchenwurm und Planarie.

2 Nahrung und Fressverhalten

Die zu den Nützlingen im Aquarium gehörenden Öltröpfchenwürmer kümmern sich als Destruenten um Detritus, Biofilme und Futterreste im Aquarium. Weiterhin sorgen sie durch ihre grabende Tätigkeit dafür, dass der Boden locker bleibt, und ihr Kot versorgt die Wurzeln der Pflanzen mit Nährstoffen. Öltröpfchenwürmer sind im Aquarium an der Humusproduktion beteiligt.

Finden die kleinen Würmer große Mengen an Nahrung in Form von nicht gefressenem Garnelen- oder Fischfutter, abgestorbenen Pflanzenresten und so weiter, kann ihre Zahl im Aquarium stark zunehmen.

2.1 Wenigborster im Wirbellosenaquarium

Garnelen und vor allem Zwergkrebse, aber auch noch junge, kleine Flusskrebse fressen ebenso wie klein bleibende Krabbenarten sehr gerne Öltröpfchenwürmer. Das tun auch kleine Fische. Öltröpfchenwürmer sind daher neben einer Gesundheitspolizei im Aquarium als permanente Lebendfutterquelle anzusehen.

Im Wirbellosenaquarium sind Öltröpfchenwürmer häufig öfter sichtbar als in Aquarien mit Fischen aka Fressfeinden.

3 Fortbewegung

Öltröpfchenwürmer sieht man nicht oft schwimmen, sie können es aber (im Gegensatz zu Planarien). Ihre Schwimmweise ist recht eigentümlich, sie gleicht einem spiraligen Schlängeln. Auf Substrat schieben sich Öltröpfchenwürmer eher ruckartig mit ihren Borsten an der Unterseite vorwärts, sie gleiten nicht beim Kriechen.

4 Fortpflanzung

Die zwittrigen Öltröpfchenwürmer vermehren sich vorwiegend ungeschlechtlich durch Sprossung. Dabei bilden sie Tierketten von bis zu 10 Tieren. Sie wachsen dazu in die Länge, die neuen Einzeltiere werden abgeschnürt. Eier werden sehr selten ausgebildet.

5 Wie kommt der Öltröpfchenwurm ins Aquarium?

Meist schleppt man sich Öltröpfchenwürmer zusammen mit Aquarienpflanzen oder als Beifahrer im Transportwasser anderer Aquarientiere ein. Sehr oft befinden sich in Mooskugeln diese Wenigborster. Heimische Arten von Aelosoma sp. schleppt man auch mit Tümpelfutter oder mit Dekomaterial aus der Natur ins Aquarium ein. Häufig leben die fadendünnen Öltröpfchenwürmer im Filtermulm. Impft man ein frisches Aquarium mit Filterschlamm aus einem laufenden Becken an, kann man sich also auch Öltröpfchenwürmer einsammeln.

6 Muss man Wenigborster reduzieren?

Als Wenigborster sind Öltröpfchenwürmer nützlich. Im Aquarium können sie keinen Schaden anrichten. Sie räubern nicht bei Garnelen oder Schnecken, und sie lassen ihre aquatilen Mitbewohner total in Ruhe. Sie fressen organische Reste und sorgen so dafür, dass die Keimbelastung des Wassers gering. Außerdem halten sie den Boden schön locker und verhindern so, dass sich anaerobe Zonen und Faulstellen bilden. Ganz nebenbei sind die kleinen Wenigborster sogar noch ein wertvolles Lebendfutter. Los wird man sie nicht, und weil sie sehr wichtig für das Ökosystem im Aquarium sind, wollen wir das auch gar nicht.

6.1 Massenvermehrung

Vermehren sich die Öltröpfchenwürmer in großen Mengen, gibt es im Aquarium ein Problem: Die Tierchen finden zu viel Futter, und deshalb vermehren sie sich schnell. Durch mangelhafte Hygiene im Aquarium, vergammelnde Pflanzenreste oder herumliegendes, nicht gefressenes Futter sind meist die Ursache für eine Massenvermehrung. Die Würmer einfach abzusaugen bringt in diesem Fall nichts, weil die Ursache dadurch nicht beseitigt wird.

Mittel aus dem Zoofachhandel gegen diese Art Würmer enthalten häufig Kupfer, das für Garnelen und andere Krebstiere und für Schnecken im Aquarium stark giftig ist. Diese Mittel sollten im Aquarium mit Wirbellosen definitiv nicht verwendet werden! Öltröpfchenwürmer sind weder auf die für Aquarien empfohlenen Dosen Panacur noch auf Flubenol oder No Planaria empfindlich. Bitte nicht stärker dosieren - irgendwann sterben die Würmer zwar schon, aber diese Dosen sind auch für alle anderen Aquarienbewohner verhängnisvoll.

6.2 Weniger Futter

Durch deutlich weniger Futter und eine bessere Aquarienhygiene entzieht man den Öltröpfchenwürmern den Nahrungsüberschuss, und so passt sich ihre Anzahl den neuen Bedingungen an, die Würmer werden quasi "von selbst" weniger.

6.3 Fressfeinde

Viele kleine Fische haben Öltröpfchenwürmer zum Fressen gern und bedienen sich gerne an den kleinen Krabblern. Man sollte hier jedoch immer bedenken, dass viele kleine Fische auch Garnelen zum Fressen gern haben, und gut abwägen, ob man wirklich Fressfeinde einsetzen möchte.

 

 

Autor: Ulli Bauer

Fotos: Vanessa Oehmig, Tamara Stamm, Video: Yasmin Schubert