Die Keimbelastung im Aquarium

Die Keimzahl, in der Aquaristik oft auch „Keimdichte“ oder „Keimdruck“ genannt, beschreibt die Gesamtmenge an Mikroorganismen, die eine Flüssigkeit pro Milliliter oder ein Feststoff pro Gramm enthält. Die Maßeinheit für die Keimzahl wird meist in KBE pro ml oder mg angegeben. KBE steht dabei für koloniebildende Einheit (engl. CFU – colony forming units).

1 Grenzwert für die Keimbelastung im Leitungswasser

Der Grenzwert für die Keimbelastung im Leitungswasser beträgt 100 KBE/ml, er liegt in der Realität aber meist bei nur um die 10 KBE/ml. Im Aquarium ist er erfahrungsgemäß je nach Wasserhygiene und Häufigkeit der Wasserwechsel deutlich höher: bis zu 1.000.000 KBE/ml. Eine Messung der Keimdichte kann sinnvoll sein, damit du dir einen Überblick über die tatsächliche Keimbelastung in deinem Aquarium verschaffen kannst. In unserem Artikel "Keimdichte messen" erklären wir, wie.

2 Keimdichte im Aquarium

Da das Aquarium ein geschlossenes System ist, in dem das Wasser nicht wie in einem Fluss oder Bachlauf ständig erneuert wird, steigt die Keimzahl bis zum nächsten Wasserwechsel drastisch an. Je länger der Abstand zwischen den Wasserwechseln, umso höher die Keimbelastung. Eine Bakterie kann sich etwa alle 20 Minuten teilen, d. h. die Bakterienanzahl im Aquarium verdoppelt sich alle 20 Minuten, so lange das Nährstoffangebot und die äußeren Bedingungen dies zulassen.

Gehen wir der Einfachheit halber von 10 Bakterien pro ml Wasser aus. Nach etwa 3 Stunden und 20 Minuten wird bereits die Anzahl von 10.000 Bakterien pro ml überschritten. Da beim Wasserwechsel (je nachdem, wie groß dieser ausfällt) in der Realität die Keimdichte nur um 30-50 % reduziert wird, startet man allerdings bereits bei einer sehr viel höheren KBE/ml - die 1.000.000 KBE/ml sind nicht allzu schwer zu erreichen, wenn ausreichend Nährstoffe im Wasser vorhanden sind.

Eine hohe Keimbelastung ist oft mangelnder Wasserhygiene geschuldet – Überbesatz, liegen gebliebene Futterreste, Überfütterung, zu seltene Wasserwechsel und das Versäumen der Filterreinigung sind häufige Ursachen.

3 Keimdichte in Altwasserbecken

Altwasserbecken zeichnen sich durch einen seltenen Wasserwechsel aus; das Regulieren der Keimdichte und Nährstoffbelastung muss hier also auch auf anderem Wege funktionieren als durch einen teilweisen Austausch des Wassers.

Bakterien können sich nur dann vermehren, wenn auch entsprechend Nahrung vorhanden ist. Als „gute Bakterien“ werden oft die nitrifizierenden und denitrifizierenden Bakterien bezeichnet, es gibt aber auch unzählige andere, die ihre positive Arbeit im Aquarium verrichten. Sind die Bedingungen für diese Nützlinge unter den Bakterien günstig, verdrängen sie pathogene Keime. Diese Wirkungsweise ist besonders wichtig für die Bewohner von Altwasserbecken und stellt sowohl eine Begrenzung für die Gesamtkeimdichte dar als auch eine Regulation der pathogenen Keime.

Der biologische Kreislauf muss in so einem System allerdings perfekt ablaufen. Der Eintrag von organischem Material muss im Gleichgewicht mit der Fähigkeit des Beckens stehen, dieses zu verwerten. Es muss ausreichend Oberfläche vorhanden sein - dies kann man in Form von viel Biomasse (Pflanzen) und einem guten Filter erreichen. Bakterien verstoffwechseln organisches Material (z. B. Tierkot und übrig gebliebenes Futter) zu anorganischem Nitrat, welches durch Pflanzen und/oder denitrifizierende Bakterien verbraucht wird. Dazu müssen jedoch den Nitratverbrauchern gute Bedingungen gewährleistet werden.

Funktioniert dieser Kreislauf nicht, hat dies ein stetiges Steigen der Belastung durch Nährstoffe und Keime zur Folge.

4 Auswirkungen einer hohen Keimbelastung

Das Hauptaugenmerk liegt hier auf dem Wohlergehen der Tiere im Aquarium. Je höher die Keimbelastung, umso höher ist das Risiko einer bakteriellen Erkrankung – das gilt für Fische, Garnelen und Krebse gleichermaßen. Hier können auch ubiquitäre (also überall vorkommende) und nicht zwingend pathogene (krankheitserregende) Bakterien den Tieren zum Verhängnis werden, weil das Immunsystem der Tiere überlastet wird. Des weiteren werden durch das geschwächte Immunsystem Sekundärinfektionen wie Pilzerkrankungen (Mykosen) oder Parasitenbefall mit Saugwürmern oder parasitischen Algen (sogenannte systemische Mykose) begünstigt.

Ganz besonders muss bei Zwerggarnelen und Fischen aus sehr sauberen Bächen und Flüssen mit weichem Wasser auf die Keimdichte geachtet werden - ein Paradebeispiel sind hier nicht nur Diskusfische, sondern auch die Bienengarnelen (Caridina logemanni), Tigergarnelen (Caridina mariae), Aura Blue (Caridina cantonensis), Tangerine Tiger (Caridina cantonensis) und die Hybriden aus diesen Arten.

Auch Tiere, die in der Natur zwar nicht in Bächen, aber dennoch in sehr sauberen Habitaten vorkommen, sind eine extrem niedrige Keimdichte gewohnt. Dazu gehören die Sulawesi-Garnelen aus den Alten Seen, also die Kardinalsgarnele Caridina dennerli oder die Harlekingarnele Caridina woltereckae.

Hochzucht-Garnelen gelten ebenfalls als empfindlicher, was die Keimzahl betrifft. Besonders in Kombination mit anderen ungünstigen Bedingungen, wie etwa (Transport-) Stress oder falschen Wasserwerten führen letzten Endes dann zur tatsächlichen Infektion und Ausbruch der bakteriellen Erkrankung bei den Tieren.

Grundsätzlich gilt: Krankheiten vorbeugen ist besser als heilen! Daher solltest du dich auf jeden Fall damit auseinandersetzen, wie man die Keimzahl im Aquarium senken oder besser noch dauerhaft niedrig halten kann.

 

Autor: Ricardo Castellanos

Fotos: Grafik: Ricardo Castellanos

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