Salzwasser-Rädertierchen (Brachionus plicatilis) als Lebendfutter

Die Zucht von Salzwasser-Rädertierchen Brachionus plicatilis oder Brachionus rotundiformis (allgemein als C5 bezeichnet) ist kein Hexenwerk. Diese sind leicht zu kultivieren und man erreicht eine sehr hohe Dichte…. wenn man es richtig macht.

1 Benötigtes Equipment

Um eine ordentliche Kultur zu erhalten, aus der man bei Bedarf ausreichend füttern kann, benötigt man:

  • Einen Zuchtansatz
  • Einen Glasbehälter (mindestens 10 Liter Inhalt)
  • Volvic, vollentsalztes, destilliertes oder Osmosewasser
  • Meersalz
  • Ein 50 µm Sieb
  • Futter (Selco S. parkle oder Phytoplankton)
  • Anreicherung (Selco S. presso)
  • Wahlweise Spatel oder andere Dosierhilfsmittel

2 Kulturbecken für Brachionus

Der Zuchtbehälter sollte möglichst aus Glas sein. Erstens, weil dieser sich besser sauber halten lässt und außerdem habe ich festgestellt, dass Plastik in Verbindung mit Salzwasser immer leicht problematisch ist. Selbst, wenn es sich um lebensmittelechten Kunststoff handelt, lösen sich in Verbindung mit Salzwasser diverse Stoffe, die der Kultur schaden.

2.1 Aufbau

Im Glasbehälter sollte mindestens eine Woche, bevor der Zuchtansatz eintrifft, Salzwasser angesetzt werden. Dies ist sehr wichtig, weil Brachionus auf frisches Salzwasser sehr empfindlich reagieren. Damit würde man Gefahr laufen, gleich beim Einsetzen über die Hälfte der Kultur zu verlieren.

Man setzt also Salzwasser in der Konzentration von 20 g/l im Zuchtbehälter an. Den Behälter füllt man damit allerdings nur zu einem Drittel, damit man diese Konzentration auf das Niveau des Zuchtansatzes verdünnen kann, wenn dieser eintrifft.

Wichtig! NIEMALS Leitungswasser verwenden. Im Leitungswasser sind viele Stoffe, die für Rädertierchen ausgesprochen schädlich sind. Ich habe mir mit Leitungswasser schon einen kompletten Ansatz innerhalb einer Stunde vollständig zerstört.

Eine extra Beleuchtung ist nicht notwendig. Es genügt Tageslicht. Auch die Temperatur spielt eine untergeordnete Rolle. Zwischen 10° und 30° C ist den Rädertierchen alles recht.

Wenn man den Zuchtansatz bestellt, fragt man idealerweise gleich nach der Konzentration. Sollte man diese nicht erfahren, sind 20 g/l meist eine gute Wahl. Bekommt man die Konzentration mitgeteilt, setzt man das Kulturwasser gleich in der entsprechenden Dichte an. Dann setzt man die Kultur ein.

So sieht eine dichte Kultur bei guter Pflege aus

Zu Beginn sammeln sich u.U. viele der Rädertierchen auf dem Boden. No panic! Die kommen wieder hoch. Brachionus reagieren auf Millieuveränderungen relativ empfindlich, regenerieren sich aber auch schnell wieder, solange diese Veränderungen nicht zu stark sind.

3 Die Fütterung

Man kann für eine solche Kultur extra eine Phytoplanktonzucht anlegen. Ich für mein Teil verzichte aus verschiedenen Gründen darauf.

  • Die Kultur von Phytoplankton ist aufwändig und unsicher. Diese Kulturen haben die dumme Angewohnheit, im unpassendsten Moment zusammen zu brechen.
  • Man benötigt zusätzliche Behälter, Beleuchtung etc. Dafür hat nicht jeder Platz.
  • Phytoplankton wird meist gleichzeitig als Futter für die Rädertierchen wie auch als „Anreicherung / Nahrung“ für die Fischlarven eingesetzt.
  • In der Natur funktioniert Phytoplankton hervorragend. Allerdings ist dort der Platz und die Nahrung für das Phytoplankton nicht so eingeschränkt, und es bilden sich viele, verschiedene Algenarten, die unterschiedliche Inhaltstoffe ergeben. So erhält ein Jungfisch in der Natur ausreichend gefächerte Nahrung, um sich gut zu entwickeln.
  • Im Aquarium bzw. in Planktonreaktoren entwickeln sich meist nur bestimmte Algen. So ist das Nahrungsangebot begrenzt. Dies führt bei der ausschließlichen Ernährung mit Phytoplankton häufig zu einer Reihe von Schäden an den Jungfischen, ausgelöst durch Mangelernährung (meist diverse Skelettschäden und Wachstumsstörungen).

Vorbereitung zur Fütterung der Kultur und Anreicherung für Fischlarven

Aus diesen Gründen verzichte ich auf Phytoplankton und füttere meine Brachionuskulturen mit Selco S. parkle. Dabei handelt es sich um ein industriell hergestelltes Futter speziell für marine Filtrierer wie Brachionus, Artemia usw.

Anmischen des Futters für die Brachionus

Von besagtem Selco S. parkle nimmt man täglich 0,6 Gramm (dies entspricht der Menge einer Erbse) und schüttelt diese in etwas kaltem Wasser kräftig auf. Diese Emulsion gibt man morgens in die Kultur. Dies genügt für einen 10 – 25 Liter Ansatz für 24 Stunden. Wichtig! NICHT ÜBERFÜTTERN! Viel hilft in solchen Fällen nicht viel, der Ansatz quittiert dies eher mit Ableben.

4 Die Pflege

Durch die Fütterung setzt sich mit der Zeit an den Wänden und am Boden des Kulturgefäßes ein Film ab, der nicht nur übel riecht, sondern auch Euplotes als Nährboden dient. Wenn besagte Euplotes in so einem Ansatz überhand nehmen, geht die Anzahl der Brachionus rapide zurück.

Es ist also wichtig, diesen Film regelmäßig zu entfernen. Alle 4-6 Wochen kratze ich diesen Film mit einer Rasierklinge von den Wänden und dem Boden und lasse den Ansatz anschließend ein paar Stunden in Ruhe, damit sich dieser Film am Boden absetzt. Dann wird der Dreck vom Boden schnellstmöglich abgesaugt, ohne zu viel aufzuwirbeln. Möglichst nicht mehr als die Hälfte des Ansatzes absaugen. Das abgesaugte Wasser wird durch frisches Salzwasser mit entsprechender Konzentration ersetzt.

Um nicht zu hohen Verlust an Rädertierchen zu haben, kann man das abgesaugte Wasser stehen lassen, bis sich der Schmutz wieder am Boden gesammelt hat und dann das Wasser sieben. Dabei sollte man aber darauf achten, dass das Sieb immer einen Finger breit im Wasser bleibt, weil die Rädertierchen sonst massenweise absterben.

5 Verfüttern

Es gibt zwei verschiedene Varianten der Verfütterung von Rädertierchen.

Absieben der Brachionus mit einem 50 µ Sieb

Bei salztoleranten Larven salze ich das Wasser im Aufzuchtbecken auf 2 Gramm/Liter auf, fahre den Brachionusansatz auf 10 Gramm/Liter herunter, siebe dann eine große Menge Brachionus aus dem Ansatz und gebe diese in das Aufzuchtbecken der Fischlarven.

Nun rühre ich zweimal täglich maximal 0,2 Gramm (das entspricht der Spitze eines Zahnstochers) in wenig lauwarmes Wasser ein und gebe diese Lösung morgens und abends in das Aufzuchtbecken.

Abgesiebte Brachionus

Bei Larven, die kein Salz vertragen (z.B. Iriatherina werneri, Pseudomugil etc.) entnehme ich ca. ½ Liter aus der Kultur in einen Messbecher oder ein Glas und gebe die Selco. S. presso Lösung dort hinein. Dann lasse ich die Brachionus ca. eine Stunde in dieser Lösung, siebe diese ab und gebe sie in das Aufzuchtbecken. Bei dieser Methode sterben die Brachionus sehr schnell ab. Deswegen sollte man für ausreichend Schnecken im Aufzuchtbecken sorgen, die die abgestorbenen Rädertierchen fressen.

Dies war nun das ganze Geheimnis einer funktionierenden Rädertierchenzucht. Es ist doch gar nicht so schwer. Also los, Aquarianer! Traut euch!

 

Autor: Jutta Bauer

Fotos: Jutta Bauer, Sofdrakou, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons

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