Schnurwürmer

Nemertea

Die Familie der Nemertea / Nemertini oder Schnurwürmer ist in der Aquaristik wenig bekannt, sie werden hin und wieder mit Pflanzen eingeschleppt. Schnurwürmer leben - anders als Glanzwürmer, die bekanntlich Resteverwerter sind - räuberisch. Die meisten Arten kommen im Meerwasser vor, im Süßwasser gibt es jedoch auch Arten der Familie der Nemertea. Auf den ersten Blick sehen sie einigen Wenigborstern (Oligochaeta), Nematoden oder auch Planarien sehr ähnlich.

1 Aussehen und Vorkommen

Unter dem Mikroskop oder einer guten Lupe erkennt man schnell, dass Schnurwürmer keine Segmente besitzen und damit auch nicht zu den Ringelwürmern gehören können. Ihre Haut ist bewimpert. Das Blut mancher Arten enthält den Blutfarbstoff Hämoglobin, was ihnen eine rötliche bis leuchtend rote Farbe verleiht. Andere Schnurwürmer sind eher gelb bis rosafarben. Häufig handelt es sich bei den Nemertea-Arten in der Aquaristik um Würmer, die in Asien verbreitet sind. Es gibt Arten mit und Arten ohne Augen - der Wurm der Gattung Prostoma unten hat drei Augenpaare.

Ein besonderes Merkmal dieser Würmer ist ihr Rüssel, der bei Bedarf sehr schnell ausgestülpt werden kann und zum Erforschen der Umgebung und zum Ergreifen der Beute dient. Bei manchem Arten hat dieser Rüssel Giftdrüsen, die die Beute lähmen, und / oder stilettartige Fortsätze, um sie festzuhalten. Im Ruhezustand liegt der Rüssel in einer Scheide entlang des Bauches des Wurms. Bei Gefahr oder wenn Beute naht, wird er sehr schnell herausgestreckt.

Schnurwürmer im Aquarium werden ca. 2-5 cm lang. Im Meer gibt es beeindruckende Nemertea, die bis zu 35 m lang werden können, in der Aquaristik gehören die Exemplare jedoch nicht zu dieser Art, hier besteht also kein Grund zur Besorgnis.

Schnurwürmer kommen praktisch weltweit meist in flachen Küstenregionen, aber auch im Tiefwasser vor. Nur wenige Arten leben im Süßwasser, vor allem in den Tropen. Auch in sehr feuchtem Moos können sie vorkommen. Eine mit Wasserpflanzen in die Aquaristik eingeschleppte tropische Art ist die ziegelrote Apatronemertes albimaculosa. Bei uns in Europa ist die gelbrötliche Art Prostoma graecense und die ihr sehr ähnlich Art Prostoma eilhardi heimisch und weit verbreitet.

Im Aquarium sieht man sie oft an den Aquarienscheiben, an oder auch kurz über der Wasseroberfläche.

Ein einfaches Unterscheidungsmerkmal zu Nematoden, Glanzwürmern oder Tubifex: Erwachsene Schnurwürmer schwimmen nicht weg, wenn man sie anstupst.

2 Nahrung und Fressverhalten

Schnurwürmer sind Fleischfresser und aktive Räuber. Sie ernähren sich von kleinen Wirbellosen wie Würmern, es wurde auch schon beobachtet, dass kleine, frisch geschlüpfte Garnelen zu ihrer Kost gehören.

Aas und ungefressenes proteinreiches Garnelenfutter oder Fischfutter wird ebenfalls verwertet, eine starke Fütterung kann eine starke Vermehrung der Würmer im Aquarium nach sich ziehen. Die in der Süßwasseraquaristik gängigen Schnurwürmer sind ein exzellentes Lebendfutter für Fische und lassen sich recht einfach vermehren. Gefüttert werden sie je nach Größe mit Tubifex, Grindal oder anderen Würmern.

Auch an Gelegen, zum Beispiel wie hier von einer Zuckmückenlarve, sieht man Schnurwürmer manchmal fressen.

2.1 Schnurwürmer im Wirbellosenaquarium

Im Fischaquarium und im Krebsaquarium sind Schnurwürmer unbedenklich, im Garnelenaquarium kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Nemertini sich auch mal an einer frisch geschlüpften Junggarnele vergreifen. Da sie im ganzen Aquarium mobil sind, sind auch höher sitzende Garnelenbabys nicht sicher vor den Jägern.

3 Fortbewegung

Schnurwürmer gleiten über den Boden, indem sie mit den Wimpern auf ihrer Haut schlagen, oder sie bewegen sich schlängelig mit Hilfe der Wimpern und Muskelkontraktionen fort. Junge Prostoma können schwimmen, ältere Exemplare bewegen sich dann nur noch kriechend fort.

4 Fortpflanzung

Schnurwürmer sind je nach Zwitter oder zweigeschlechtlich. Bei manchen Arten der Gattung Prostoma konnte eine Protandrie festgestellt werden: Hier sind die Jungtiere zunächst männlich, im Lauf ihrer späteren Entwicklung wandeln sie sich dann jedoch zu Weibchen um. Pro Jahr werden bei der geschlechtlichen Fortpflanzung je nach Art nach und nach über 200 Eier in schleimigen Kokons abgelegt. Die Eierstöcke sind im adulten Wurm als Flecken erkennbar.

Die zwittrigen Arten können sich selbst befruchten. Nach ca. 5 Tagen schlüpfen bei den Arten der Gattung Prostoma fertige Würmer, es gibt kein Larvenstadium. Andere Arten hingegen haben zunächst frei schwimmende Larven, die erst später zum Bodenleben übergehen.

Weil Schnurwürmer über eine exzellente Regenerationsfähigkeit verfügen, können sich viele Arten auch asexuell vermehren, indem sie Stücke vom ihrem Hinterleib abschnüren, aus denen sich vollständige Würmer regenerieren.

5 Wie kommen Schnurwürmer ins Aquarium?

Meist kommen Schnurwürmer als Blinde Passagiere mit Aquarienpflanzen ins Becken. Auch mit Tümpelfutter oder Dekorationsmaterial aus der Natur kann man sich in Europa heimische Arten von Schnurwürmern einschleppen.

6 Überleben

Schnurwürmer haben einen ähnliche Regenerationsfähigkeit wie Planarien, und sie können sich bei Verletzung vollständig regenerieren. Auch ein abgetrenntes Stück wächst wieder zu einem vollständigen Wurm heran.

7 Muss man Schnurwürmer reduzieren?

Schnurwürmer sind im Aquarium grundsätzlich nützlich, weil sie sich um Aas und um nicht gefressenes Futter kümmern. Sie können Fischen auch als nahrhaftes Lebendfutter dienen. Im Garnelenaquarium sind sie nicht erwünscht, weil sie sich an kleinsten Garnelen vergreifen können. Absammeln wäre hier das Mittel der Wahl, oder der Einsatz von Fischen wie zum Beispiel Panzerwelsen - vorausgesetzt, dass die Bedingungen im Aquarium und die Aquariengröße das hergeben.

Achtung: im Handel gängige Mittel gegen Würmer sind in der Regel auch für Garnelen sehr giftig, weil sie Kupfer als Wirkstoff enthalten. Ob Schnurwürmer auf Panacur oder Flubenol reagieren, ist nicht bekannt.

 

Autor: Ulli Bauer

Fotos: Walter Ishikawa, Waldemar Ignatjew, Video: Waldemar Ignatjew

Quelle: Ecology and Classification of American Freshwater Invertebrates - Thorpe & Covich
Quelle: Planeta Invertebrados: Nemertinos
Quelle: The Phylum Nemertea

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