Glanzwurm

Glanzwürmer der Art Lumbriculus variegatus gelten als exzellentes Lebendfutter im Aquarium, das nicht nur bei Fischen und vielen Wirbellosen sehr beliebt ist, sondern sich auch recht einfach und mit wenig Aufwand nachziehen und verfüttern lässt.

Die wasserlebenden Würmer sehen Regenwürmern sehr ähnlich und gehören auch zur selben Familie, den Lumbriculidae. Sie sind auch als Dennerle-Würmer bekannt, weil sie in Pflanzentöpfchen dieser Firma auftauchten. Glanzwürmer gehören zu den Wenigborstern (Oligochaeta).

Glanzwürmer sehen auch Tubifex recht ähnlich. Ihr Blut enthält den Blutfarbstoff Hämoglobin, was ihnen ihre rötliche Farbe verleiht. Glanzwürmer haben in ihrer Haut lichtempfindliche Zellen und können Licht und Schatten unterscheiden.

1 Aussehen und Vorkommen

Die bis ca. 2 mm dicken Glanzwürmer werden 4 bis 8 cm lang. Sie sind dank ihres roten Blutfarbstoffs rosa bis rötlich gefärbt. Ihr dunkelroter Darm scheint spiralförmig durch die transparente Haut. Am Kopf befindet sich ein rüsselförmiger Kopflappen, den man unterm Mikroskop sehr gut erkennen kann.

Wie alle Wenigborster zeigen Glanzwürmer eine deutliche Segmentierung - geschlechtsreife Dennerle-Würmer haben 140 bis 200 Segmente und bilden ein Clitellum aus, den regenwurmtypischen Gürtel. An jedem Segment sitzen kurze Borstenpaare.

Die Körperform ist im Querschnitt relativ rund, ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu Eiseniella tetraedra, einem Regenwurm aus der Familie der Lumbricidae, der dem Glanzwurm auf den ersten Blick sehr ähnlich sieht, aber größer und dicker wird und einen viereckigen Querschnitt besitzt.

Glanzwürmer sind auf der ganzen Nordhalbkugel im Süßwasser heimisch. Sie bevorzugen Flachwasser und sumpfige Gebiete. Ihr roter Blutfarbstoff ermöglicht ihnen den Aufenthalt in relativ sauerstoffarmen Gewässern. Mittlerweile wurden sie praktisch weltweit verschleppt, da sie in großer Menge als Fischfutter gezüchtet und exportiert werden.

2 Nahrung und Fressverhalten

Glanzwürmer gehören wie alle hämoglobinführenden Oligochaeten zu den Nützlingen im Aquarium. Sie fressen verrottende Pflanzen und andere Reste, also Detritus, aber auch Biofilme, Bakterien und Futterreste.

Finden Glanzwürmer viel Nahrung, wie ungefressenes Garnelenfutter oder Fischfutter, viele abgestorbene Pflanzenreste und so weiter, vermehren sie sich auch im Aquarium stark. Man kann sie natürlich auch gezielt als Lebendfutterzucht kultivieren.

2.1 Glanzwürmer im Wirbellosenaquarium

Zwergkrebse und größere Flusskrebse sehen Glanzwürmer als willkommenes Lebendfutter an. Sie fressen sie sehr gerne, ebenso wie manche Krabbenarten. Auch für wühlende Fische wie Panzerwelse sind Glanzwürmer ein optimales Futter. Glanzwürmer lassen sich mit etwas Glück im Aquarium als dauerhafte Lebendfutterquelle ansiedeln.

Im Garnelenaquarium sind Glanzwürmer vollkommen unbedenklich.

3 Fortbewegung

Glanzwürmer knäulen sich gerne mit vielen Artgenossen zu einem sogenannten Wurmknäuel zusammen. In Ruheposition sitzen sie mit einem mehr oder weniger S-förmig nach oben gestreckten Hinterteil - so können sie Sauerstoff aus den höheren Wasserschichten holen, wenn das Wasser am Grund eher sauerstoffarm ist. Sie kriechen eher ruckartig - wie Regenwürmer das eben so tun -, weil sie sich mit Hilfe ihrer Borsten vorwärts schieben, nicht gleitend wie Planarien. Schwimmend bewegt sich der Glanzwurm mit korkenzieherförmigen Bewegungen, also eher ringelig bis schlängelig. Schwimmen ist praktisch immer eine Fluchtbewegung, wenn der Wurm gestört wird.

4 Fortpflanzung

Glanzwürmer sind Zwitter und können sich nach Erreichen der Geschlechtsreife (bei ca. 140-200 Segmenten) geschlechtlich fortpflanzen. Dies passiert im Aquarium jedoch nur sehr selten. Glanzwürmer legen nach der gegenseitigen Befruchtung Eikokons ab, die durchsichtig sind und 4-11 Eier enthalten. Nach ca. zwei Wochen schlüpfen ca. 1 cm lange kleine Glanzwürmer.

Häufiger ist die asexuelle Vermehrung. Lumbriculus variegatus kann einzelne Segmente abschnüren, die dann zu vollständigen Würmern regenerieren.

5 Wie kommen Glanzwürmer ins Aquarium?

Meist kommen Glanzwürmer als Lebendfutter ins Aquarium, hin und wieder sitzen sie jedoch auch in Aquarienpflanzen. Vor allem Mooskugeln bringen häufig Blinde Passagiere mit. Auch Tümpelfutter oder Dekorationsmaterial aus der Natur kann Glanzwürmer mitbringen.

6 Überleben

Glanzwürmer können sich bei Verletzung vollständig regenerieren. Wird ein Teil abgetrennt, wachsen beide Teile zu vollständigen Würmern heran. Bei Gefahr wirft der Glanzwurm den angegriffenen, vom Feind gepackten Körperteil ab - das nennt man Autotomie. Dazu braucht er nur eine Fünftelsekunde. Der überlebende Körperteil regeneriert sich wieder zu einem vollständigen Wurm. Wird der Wurm einseitig verletzt, kann es passieren, dass sich ein neues Körperende ausbildet und dass sich der Wurm daher verzweigt.

7 Muss man Glanzwürmer reduzieren?

Glanzwürmer sind im Aquarium sehr nützlich. Glanzwürmer sorgen durch die Verwertung überschüssiger Nährstoffe dafür, dass die Keimbelastung des Aquarienwassers nicht übermäßig ansteigt. Als nahrhaftes Lebendfutter sind sie in der Aquaristik sehr geschätzt.

Der Einsatz von Fressfeinden will gut überlegt werden - wenn die Glanzwürmer gefuttert wurden, brauchen die Räuber ja immer noch ihr Futter. Auch die Aquariengröße und die Wasserwerte sollten neben dem restlichen Besatz im Aquarium bei der Wahl der Fressfeinde in Betracht gezogen werden.

7.1 Massenvermehrung

Eine massenhafte Vermehrung deutet auf viel zu viel Futter hin, dann sollte der Aquarianer dringend seine Füttergewohnheiten unter die Lupe nehmen und eventuell vorhandene organische Reste absaugen. Saugst du die Würmer beim Wasserwechsel einfach nur ab, behebst du das zugrunde liegende Problem nicht und sie kommen wieder.

Achtung: im Handel erhältliche Mittel gegen diese Würmer sind meist auch für Garnelen giftig, weil sie Kupfer enthalten. Glanzwürmer reagieren nicht empfindlich auf die für Aquarien empfohlenen Dosierungen von Panacur oder Flubenol oder No Planaria. Bitte nicht stärker dosieren - irgendwann sterben die Glanzwürmer zwar schon, aber für alle anderen Aquarienbewohner ist das Mittel dann ebenfalls giftig.

 

Autor: Ulli Bauer

Fotos: Melanie Manche

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