Was sind Polyphosphate?

Als Polyphosphate werden Verbindungen (Salze oder Ester) der Phosphorsäure bezeichnet. Solche Verbindungen sind zum Beispiel Calciumpolyphosphat, Kaliumpolyphosphat, Natriumpolyphosphat - aber auch Adenosintriphosphat (ATP) zählt zu den Polyphosphaten. ATP ist verantwortlich für die chemische Energieübertragung in den Körperzellen, also stellt es praktisch die Energie dar, die uns bewegungs- und lebensfähig macht.

1 Polyphosphate nachweisen

Polyphosphate können mit aquaristischen Tests nicht erfasst werden, auch ist der Wasserversorger nicht verpflichtet, eine Anwendung im Leitungswasser auszuweisen. Es ist daher gar nicht so einfach herauszufinden, ob nun das Leitungswasser mit Polyphosphaten belastet ist oder nicht.

Ist der Phosphatwert im Leitungswasser-Aquarium dauerhaft messbar erhöht, kann man davon ausgehen, dass im Leitungswasser Polyphosphate verwendet werden.

1.1 Polyphosphate messen

Eine Möglichkeit, um Polyphosphate für unsere Tests messbar zu machen, gibt es aber doch: Das Testwasser wird eine Weile lang gekocht, abkühlen lassen und danach mit einem üblichen aquaristischen Phosphattest den Phosphatgehalt messen. Bei hohen Temperaturen beginnen nämlich die Polyphosphate zu zerfallen und werden dadurch mit unserem Standard-Test messbar.

2 Verwendung von Polyphosphaten: allgemein

Künstlich hergestellte Polyphosphate werden aufgrund ihrer vielfältigen Eigenschaften sehr häufig und in vielen Bereichen benutzt und dadurch auch (unbewusst) konsumiert. Sehr oft werden sie in der Lebensmittelindustrie z.B. in Form von Schmelzsalz für (Analog-) Käse verwendet. Sie bewirken, dass die Masse aus Eiweiß und Fett sich beim Erhitzen nicht entmischt, sondern gleichmäßig schmilzt und zusammenhält. Des weiteren sind Polyphosphate im Lebensmittelbereich als Stabilisatoren, Säureregulatoren, Komplexbildner oder Antioxidationsmittel in Verwendung. Vor allem bekannt ist die Verwendung bei Eis, Fleischprodukten- und Erzeugnisse, Schmelzkäse und Desserts.

2.1 Polyphosphate im Trinkwasser

Auch dem Trinkwasser werden häufig Polyphosphate zugesetzt. Hier übernehmen sie die Aufgabe der Härtestabilisierung, sodass ein Verkalken der Rohrleitungen weitestgehend verhindert wird. Polyphosphate schützen die Rohre außerdem vor Korrosion und bauen Eisenablagerungen ab, sie gehen aber auch Verbindungen mit einer Vielzahl an Stoffen ein und können eine Trübung oder Braunfärbung des Wassers „verdecken“ - man erhält scheinbar sauberes Wasser, die Stoffe sind jedoch noch vorhanden. Wichtig: Polyphosphate lassen sich mit den in der Aquaristik üblichen Phosphattests nicht nachweisen.

3 Bedenken: Polyphosphate als Lebensmittelzusatzstoff

Beobachtet wurde bei starkem Konsum von Lebensmitteln mit einem hohen Polyphosphat-Gehalt, dass der Calciumspiegel im Blut tendenziell absinkt. Das legt die Annahme nahe, dass durch Polyphosphate der Calcium-Phosphat-Haushalt gestört wird, was zu Osteoporose führen kann. Des weiteren besteht der Verdacht, dass Polyphosphate bei Kindern an der Entstehung von Aufmerksamkeitsdefizit- (ADS) und Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) beteiligt sind.

4 Bedenken in der Aquaristik

4.1 Probleme bei der Zucht

Besonders in der Zucht von Fischen und Garnelen wird über Probleme in Aquarien mit Leitungswasser berichtet, die ohne ersichtliche Ursache auftauchen. Da Polyphosphate nicht die einzigen Wasserzusatzstoffe sind, lassen sich Probleme oft nicht direkt auf diesen einen Stoff zurückführen, jedoch lassen sich immer öfter Verbindungen zu Polyphosphaten und Problemen in der Zucht wie Laichverpilzungen, Missbildungen beim Nachwuchs und Unfruchtbarkeit herstellen.

4.2 Sonstige Probleme im Aquarium

4.2.1 Dauerhaft hoher Phosphatwert

Es gibt neben der Problematik bei der Zucht von Garnelen, Krebsen und Fischen auch hin und wieder in mit Leitungswasser betriebenen Pflanzenaquarien Probleme, die möglicherweise auf die Anwesenheit von Polyphosphaten im Aquarium zurückgeführt werden können. Einerseits zerfallen durch bakterielle Tätigkeit und chemische Vorgänge die Polyphosphate aus dem Leitungswasser zu „normalem“ Phosphat – ein hoher Phosphatwert kann sich im Aquarium unschön bemerkbar machen. Jegliche Bemühungen, diesen Wert durch Wasserwechsel mit Leitungswasser zu senken, scheitern naturgemäß, weil man mit dem behandelten Leitungswasser unerkannterweise immer neue Polyphosphate nachschiebt. Dadurch kann sich ein Nährstoff-Ungleichgewicht entwickeln, was zu Algenwachstum führt.

4.2.2 Pinselalgenbefall

Oft wird auch ein vermehrtes Auftreten von Pinselalgen beobachtet. Da Polyphosphate die Eigenschaft haben, Verbindungen mit Pflanzennährstoffen wie zum Beispiel mit Eisen einzugehen, werden diese Verbindungen beim Wasserwechsel mit ins Aquarium gebracht. Lösen sich diese Verbindungen später im Becken, kann ein erhöhter Eisengehalt zum Wachstum von Pinselalgen führen.

5 Abhilfe

Eine Vielzahl von Züchtern greift zur Vermeidung von Polyphosphaten zu aufbereitetem Wasser, zum Beispiel aus einer Umkehrosmoseanlage, auch wenn die Leitungswasserhaltung bei der jeweiligen Tierart (zum Beispiel bei Neocaridina davidi) grundsätzlich möglich wäre.

 

Autor: Ricardo Castellanos

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