Holtodrilus auf Garnelen

Holtodrilus truncatus

Neben Saugwürmern aus der Gattung Scutariella kommen noch weitere Aufsitzer vorwiegend auf Zwerggarnelen der Gattung Neocaridina vor. Diese deutlich größeren Würmer gehören der Art Holtodrilus truncatus an, die zum Beispiel in Japan und in China auf wildlebenden Neocaridina gefunden wird. Offenbar haben diese Würmer mit Wildfang-Garnelen zusammen den Weg in einige der kommerziellen asiatischen Garnelenzuchten gefunden, sie tauchen mittlerweile öfter bei Importgarnelen auf.

1 Aussehen und Vorkommen

Holtodrilus truncatus gehört zu den Branchiobdellidae (zu denen auch der auf amerikanischen Krebsen aufsitzende Krebsegel gehört), nicht zu den Plattwürmern wie die oben erwähnten Saugwürmer. Die Branchiobdellidae gehören zur Familie der Ringelwürmer, und so hat auch Holtodrilus truncatus Segmente, die man mit Hilfe einer guten Lupe deutlich sehen kann. Die rötlichen, bräunlichen bis durchsichtigen Würmer sitzen auf Garnelen auf. Ein ausgewachsener Holtodrilus truncatus wird ausgestreckt bis ca. 2 cm lang, kann sich aber auch zusammenziehen und wirkt dann kleiner. Die Würmer sitzen gerne am Kopf (neben dem Rostrum oder neben den Augen) oder zwischen den Schreitbeinen der Garnele. Auch zwischen den Schwimmbeinen kann man sie manchmal finden. Am Hinterende hat der Wurm einen Saugnapf, mit dem er sich am Panzer der Garnele festsaugen kann. Unter dem Mikroskop kann man im Kopfbereich ein Paar kleine Augenflecken erkennen. Der Wurm ist am Hinterende recht dick und wird nach vorne dünner. Der Kopf ist dann wieder etwas dicker.

Holtodrilus truncatus ist ein auf Garnelen spezialisierter Ektosymbiont, also ein Aufsitzer. Nachgewiesen wurde der Ringelwurm auf wild lebenden Garnelen der Gattung Neocaridina aus China. In Japan wurde er mit Garnelen eingeschleppt, die als Angelköder aus China importiert wurden. In Versuchen wurde festgestellt, dass der Wurm auch andere Garnelen (im Versuch waren das Amanogarnelen / Caridina multidentata) als Wirtstiere annimmt und sogar Krebse (im Versuch Procambarus clarkii). Großarmgarnelen aus der Familie der Palaemonidae dagegen fraßen die Würmer, bevor sie sich anheften konnten.

2 Nahrung und Fressverhalten

Holtodrilus truncatus ist ein Kommensale, kein Parasit. Das bedeutet, dass die Würmer die Garnelen nicht verletzen, sondern lediglich auf ihnen aufsitzen und Schwebstoffe aus dem Wasser aufnehmen. Da Garnelen beim Fressen ziemlich krümeln, sind sie ein optimaler Lebenspartner für einen Wurm, der sich von feinen Futterpartikeln ernährt. Außerdem fressen sie andere, kleinere Epibionten, die ebenfalls auf dem Panzer der Garnele leben - sie halten die Tiere also genau genommen sogar sauber.

2.1 Problematik im Garnelenaquarium

Der kommensal lebende Ringelwurm ist für die Garnele ungefährlich. Halter berichten, dass direkt am Auge sitzende Holtodrilus manche Garnelen zu stören scheinen, ansonsten besteht offenbar kein Schadpotenzial.

3 Fortbewegung

Diese Branchiobdellidae sitzen an verschiedenen Stellen auf der Garnele, die sie auch ab und zu wechseln, dabei bevorzugen die Würmer offenbar die Schreitbeine. Manchmal sieht man Holtodrilus auch auf der Garnele herumkrabbeln. Stirbt ihre "Unterlage", wandern die Würmer zu einer gesunden Garnele weiter. Von der Garnele getrennt überleben die Würmer laut einer Studie bis zu 46 Tage. Die höchste Zahl an Würmern, die in einer Studie gezählt wurde, war 39.

Die Garnelen zeigen im Verhalten in der Regel keine Abweichungen (außer die wenigen, die auf Würmer an der Basis des Augenstiels reagieren), die Weibchen werden ganz normal tragend und tragen ihre Eier auch aus. Die Lebenserwartung scheint ebenfalls nicht beeinträchtigt.

Sitzt ein Holtodrilus in der Kiemenkammer, kann man ein eigenartiges Verhalten beobachten: Der Wurm schlägt heftig mit dem Kopf hin und her. Die Vermutung ist, dass er so die Sauerstoffaufnahme erhöht, dies ist jedoch nur eine Vermutung der Forscher und ein Versuch, dieses Verhalten zu erklären.

4 Fortpflanzung

Holtodrilus truncatus sind Zwitter. Nach der Paarung legen sie Eikokons mit bis zu 14 Eiern in der Kiemenkammer der von ihnen besiedelten Garnele ab. Beim Schlupf sind die Würmer noch vollkommen transparent.

5 Wie kommt der Holtodrilus zur Garnele?

Es wird vermutet, dass die Würmer mit Wildfängen in verschiedene Zuchtanlagen in Asien eingeschleppt wurden, wo sie sich vermehren. Beim Tod des Wirtes wandern die auf ihm aufsitzenden Holtodrilus zu einer gesunden Garnele weiter.

6 Holtodrilus bekämpfen

Die für die Entfernung von Saugwürmern empfohlenen Salzbäder bringen Holtodrilus truncatus nicht zuverlässig zum Loslassen (eventuell muss man hier vorsichtig die Dosis erhöhen - bitte die behandelten Garnelen gut beobachten und gegebenenfalls die Behandlung abbrechen, wenn Probleme auftauchen). Gegen Praziquantel, Flubenol und Panacur ist der Aufsitzer als Ringelwurm ebenso unempfindlich wie gegen die gängigen pflanzlichen Mittel gegen Planarien.

Da Holtdrilus truncatus nach heutigem Kenntnisstand jedoch für die Garnelen nicht schädlich ist, reicht ein einfaches Aussitzen. In der Regel verhungern die Würmer in der im Vergleich sterilen Umgebung eines Aquariums und verschwinden mit der Zeit von selbst. Zur Unterstützung sollte man bei einem Befall wenig füttern, regelmäßig Teilwasserwechsel durchführen und den Bodengrund dabei gründlich absaugen.

 

Autor: Ulli Bauer

Fotos: Nicole Hofstädter, Video: Yvonne Babel

Quelle: Microhabitat distribution and behaviour of Branchiobdellidan Holtodrilus truncatus found on the freshwater shrimp Neocaridina spp. from the Sugo River, Japan; Nobuaki Niwa, Miguel Vazquez Archdale, Takashi Matsuoka, Aina Kawamoto, Haruka Nishiyama
Quelle: Accidental introduction of symbionts with imported freshwater shrimps Nobuaki Niwa and Akifumi Ohtaka

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