Kieselalgen

Bacillariophyta

Kieselalgen (Bacillariophyta) werden auch Diatomeen genannt. In der Süßwasseraquaristik werden sie auch aufgrund ihrer Farbe fälschlicherweise als Braunalgen bezeichnet - wobei die "richtigen" Braunalgen nur im Meerwasser vorkommen. Kieselalgen dagegen kommen im Meerwasser wie auch im Süßwasser vor – den größten Teil der etwa 6000 beschriebenen Arten findet man im Meer. Mit einem Anteil von mehr als einem Drittel bilden Kieselalgen einen Hauptbestandteil des Phytoplanktons. Sie spielen damit eine wesentliche Rolle in der Nahrungskette und auch im Klimakreislauf, da sie im Zuge der Photosynthese mengenmäßig viel CO2 aufnehmen. Sterben die Kieselalgen ab, sinken sie auf den Meeresgrund und "deponieren" dort das aufgenommene und fixierte CO2 für längere Zeit.

1 Farbe und Aussehen

Namensgeber der Kieselalgen ist die in den Zellwänden eingelagerte Kieselsäure, die dieser Alge ein recht festes Skelett verschafft. Unter dem Mikroskop kann man die vielgestaltigen, zum Teil recht bizarren und faszinierenden Formen der Kieselalgen bewundern. Ihre Farbe erhalten sie durch das braun-gelbliche Fucoxanthin, das bei den Kieselalgen zusätzlich zum Chlorophyll vorhanden ist und die Effizienz der Photosynthese steigert. Durch Fucoxanthin können Kieselalgen auch das grünliche Farbspektrum des Lichts aufnehmen, das vom Chlorophyll ungenutzt abgestrahlt wird.

2 Kieselalgen im Aquarium

Kieselalgen treten in Aquarien üblicherweise als brauner, manchmal flächiger Film oder als braune Flocken auf, nicht freischwebend wie im Meer. Sie können so ziemlich alle Gegenstände im Aquarium überziehen, auch die Pflanzen und sogar die Glasscheiben bleiben dabei oft nicht verschont. Eine Massenvermehrung gibt es meist nur bei relativ neuen Aquarien in der Einlaufphase – Kieselalgen bilden hier häufig einen eher weichen, locker-fluffigen Film, der nur aufliegt. Kleine hartnäckige braune Flächen auf den Scheiben sind hin und wieder vor allem in schwach beleuchteten, mit Leitungswasser betriebenen Aquarien auch nach der Einlaufzeit zu finden.

3 Ursachen

Ein übermäßiges Auftreten von Kieselalgen ist in der Einlaufphase als normal zu betrachten. Hohe Silikatgehalte begünstigen das Kieselalgenwachstum. Oftmals ist im Leitungswasser der Silikatwert stark erhöht, aber auch in Regenwasser kann (je nach Auffangmethode) Silikat nachweisbar sein. Silikat ist das Salz der Kieselsäure. Es wird von den Kieselalgen zum Aufbau ihrer Zellwände verwendet – weitere Faktoren wie (neben Silikat) frei verfügbare Nährstoffe in der Einlaufzeit sowie wenig Konkurrenz durch höhere Pflanzen, Bakterien und andere Algen führen insbesondere in den ersten Wochen im Leben eines Aquariums zu einer starken Vermehrung der Kieselalgen.

4 Kieselalgen bekämpfen

4.1 Kieselalgen beim Einfahren

In der Einlaufphase ist das Auftreten von Kieselalgen völlig normal, hier muss man nicht eingreifen. Falls die braunen, lockeren Beläge optisch stören oder um Pflanzen von ihnen zu befreien, können Kieselalgen leicht beim Wasserwechsel mit einem Schlauch abgesaugt werden - hartnäckige Beläge an Scheiben werden per Klinge oder mit Hilfe einer alten Kreditkarte entfernt. Schnecken können in der ersten Zeit die Algen eindämmen und später können auch Garnelen und einige Welsarten eingesetzt werden, welche die Kieselalgen verzehren.
Das Silikat im Wasser wird bei gut eingefahrenen Aquarien in der Regel durch die Filterbakterien verstoffwechselt und steht den Kieselalgen dadurch nicht mehr zur Verfügung, daher sind die braunen Beläge häufig tatsächlich auf die Einfahrphase beschränkt, während der die Filterbiologie sich erst entwickeln muss.

4.2 Fressfeinde

In der Natur stellen Kieselalgen bei den meisten Aufwuchs fressenden Schnecken und Garnelenarten den Hauptanteil ihrer Nahrung dar, sie sind also praktisch das perfekte Futter. Einige Schneckenarten, vor allem die Kahnschnecken aus der Gattung Theodoxus, zum Beispiel die Fluss-Kahnschnecke Theodoxus fluviatilis, ernähren sich ausschließlich von Kieselalgen.

4.3 Im laufenden Aquarium

4.3.1 Ursachen finden und beseitigen

Besteht auch nach der Einlaufphase das Kieselalgenproblem, sollte man sein Aquarienwasser und auch das Wechselwasser auf Silikat testen.

In unserem Artikel "Silikat reduzieren" gehen wir genau darauf ein, was zu tun ist, wenn im Aquarium oder im Wechselwasser Silikat nachweisbar ist.

 

Autor: Ricardo Castellanos

Fotos: von Damián H. Zanette [Public domain], via Wikimedia Commons