Die EU-Verbotsliste

Durchführungsverordnung (EU) 2016/1141 der Kommission vom 13. Juli 2016 zur Annahme einer Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung gemäß der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates - das ist der offizielle, etwas sperrige Name der in der Aquaristik umgangssprachlich als EU-Verbotsliste bekannten Verordnung. 2017 wurden der Liste weitere Arten hinzugefügt. Für 2018 ist keine Erweiterung geplant, jedoch kann man davon ausgehen, dass mit der Zeit noch mehr Arten auf die Liste kommen werden.

1 Definition: Was sind invasive Arten?

In der EU sind mittlerweile bereits um die 12.000 ursprünglich nicht in Europa heimische Tierarten, Pflanzenarten, Pilze und Mikroorganismen eingewandert. Nur 10-15 % von ihnen werden jedoch als invasive Arten bezeichnet. Ihre Ausbreitung erfolgt rasch und unkontrolliert, sie beeinträchtigen die hiesigen Ökosysteme und sie haben einen negativen Effekt auf die biologische Vielfalt.

2 Wer steht auf der Liste?

In die Liste werden nach sorgfältiger Prüfung nur Arten aufgenommen, bei denen ein Verbot noch einen gewissen Erfolg bei der Eindämmung verspricht. Eine Art, die auf der Liste landet, konnte bereits in mindestens zwei EU-Mitgliedsstaaten lebensfähige Populationen aufbauen, und die Schäden oder Nachteile durch ihre Ausbreitung brauchen einen wissenschaftlichen Nachweis. Auch Arten wie die Schwarzmund-Grundel, die zwar in Teilen der EU als invasive Neueinwanderer gelten müssen, die aber in anderen EU-Regionen natürlich vorkommen, kommen nicht auf die Liste.

Auf der EU-Verbotsliste standen ursprünglich 23 als besonders invasiv eingeschätzte Tierarten, darunter wohlbekannte Tiere wie der Waschbär oder die Nutria. 2017 kamen nochmals drei Arten hinzu. 2016 standen 14 Pflanzenarten auf der Liste, 2017 wurden weitere neun Arten aufgenommen.

3 Auswirkungen auf die Aquaristik und Terraristik

3.1 Pflanzen

Die Liste betrifft auch die Aquaristik und Terraristik. Sie enthält einige Wasserpflanzen, die vielen Pflanzenaquarianern wohl bekannt sind. Pflanzen auf der EU-Liste der invasiven Arten dürfen weder importiert, weitergegeben (auch nicht verschenkt) noch vermehrt werden. Vom Verbot sind allerdings nur die genannten Arten betroffen. Alle anderen Pflanzenarten aus den genannten Gattungen bleiben weiterhin erlaubt!

Verboten wurden bereits 2016 die Grüne Cabomba oder Karolina-Haarnixe Camboba caroliniana und die Wasserhyazinthe Eichhornia crassipes, die auch früher schon eher selten in der Aquaristik anzutreffenden Ludwigia grandiflora und Ludwigia peploides und das ausgesprochen weit verbreitete und oft in Pflanzenaquarien eingesetzte Brasilianische Tausendblatt Myriophyllum aquaticum. Auch die Krause Afrikanische Wasserpest (Lagarosiphon major) ist vom Verbot betroffen.

2017 kam aus der Aquaristik noch die Schmalblättrige Wasserpest (Elodea nuttallii) hinzu sowie das Verschiedenblättrige Tausendblatt (Myriophyllum heterophyllum), das allerdings auch zuvor schon eher in Gartenteichen denn in Aquarien kultiviert wurde.

3.2 Tiere

Auf der EU-Verbotsliste stehen seit 2016 neben der Chinesischen Wollhandkrabbe Eriocheir sinensism, die in der Terraristik eine untergeordnete Bedeutung spielte, auch einige Krebse: der Signalkrebs Pacifastacus leniusculus und die Orconectes-Arten O. limosus und O. virilis sind betroffen. Diese Krebse treffen wir ebenfalls nicht sehr häufig im Aquarium an, sie entkamen eher aus Speisekrebszuchten in die Natur.

In der Aquaristik richtig eingeschlagen hat allerdings das Verbot des Marmorkrebses Procambarus fallax f. virginalis und ganz besonders das Verbot des Lousiana-Sumpfkrebses Procambarus clarkii mit seinen vielen schönen Farbformen.

Auch die Buchstaben-Schmuckschildkröte Trachemys scripta und ihre Unterarten, die häufig auch im Aquarium oder Aquaterrarium gehaltene Gelbwangen-Schmuckschildkröte Trachemys scripta scripta, die Rotwangen-Schmuckschildkröte Trachemys scripta elegans sowie die Cumberland-Schmuckschildkröte Trachemys scripta troostiistehen auf der Liste

Bei den Neuzugängen 2017 sind keine für die Aquaristik relevanten Tiere dabei.

4 Konsequenzen

Bei den Pflanzen und Tieren auf der EU-Verbotsliste ist - anders als zum Beispiel beim Durchführungsbeschluss der EU zur Schneckengattung Pomacea - neben der Verbreitung auch die Haltung verboten. Im Hobby vorhandene Altbestände müssen jedoch nicht getötet werden. Man darf sie bis zu ihrem natürlichen Lebensende halten, muss aber sicherstellen, dass sie weder in die Natur entkommen noch sich weiter vermehren können.

Händler dürfen vor dem Verbot vorhandene Bestände nach Aufnahme in die Liste noch zwei Jahre lang abverkaufen. Im ersten Jahr ist der Verkauf auch an private Halter zulässig, es muss allerdings sichergestellt sein, dass sich die Pflanzen und Tiere dort nicht vermehren oder etwa ins Freiland gelangen können. Voraussetzung für den Verkauf sind entsprechend sichere Transportgefäße.

 

Autor: Ulli Bauer

Fotos: Chris Lukhaup

Quelle: Liste invasiver gebietsfremder Arten, Verordnung vom 13.07.2016
Quelle: englischsprachige Broschüre: "Invasive Alien Species of Union concern"