Die EU-Verbotsliste

Durchführungsverordnung (EU) 2016/1141 der Kommission vom 13. Juli 2016 zur Annahme einer Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung gemäß der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates - das ist der offizielle, etwas sperrige Name der in der Aquaristik umgangssprachlich als EU-Verbotsliste bekannten Verordnung. 2017 wurden der Liste weitere Arten von invasiven, nicht bei uns heimischen Tieren und Pflanzen hinzugefügt. Im Jahr 2018 gab es keine Erweiterung, im August 2019 wurden jedoch weitere aquaristisch relevante Arten in die Liste aufgenommen.

1 Definition: Was sind invasive Arten?

In der EU sind mittlerweile bereits um die 12.000 ursprünglich nicht in Europa heimische Tierarten, Pflanzenarten, Pilze und Mikroorganismen eingewandert. Nur 10-15 % von ihnen werden jedoch als invasive Arten bezeichnet. Ihre Ausbreitung erfolgt rasch und unkontrolliert, sie beeinträchtigen die hiesigen Ökosysteme und sie haben einen negativen Effekt auf die biologische Vielfalt.

2 Wer steht auf der Liste?

In die Liste werden nach sorgfältiger Prüfung nur Arten aufgenommen, bei denen ein Verbot noch einen gewissen Erfolg bei der Eindämmung verspricht. Eine Art, die auf der Liste landet, konnte bereits in mindestens zwei EU-Mitgliedsstaaten lebensfähige Populationen aufbauen, und die Schäden oder Nachteile durch ihre Ausbreitung brauchen einen wissenschaftlichen Nachweis. Auch Arten wie die Schwarzmund-Grundel, die zwar in Teilen der EU als invasive Neueinwanderer gelten müssen, die aber in anderen EU-Regionen natürlich vorkommen, kommen nicht auf die Liste.

Auf der EU-Verbotsliste standen ursprünglich 23 als besonders invasiv eingeschätzte Tierarten, darunter wohlbekannte Tiere wie der Waschbär oder die Nutria. 2017 kamen nochmals drei Arten hinzu. 2016 standen 14 Pflanzenarten auf der Liste, 2017 wurden weitere neun Arten aufgenommen, 2019 kamen nochmals 17 neue Arten von Tieren und Pflanzen hinzu.

3 Auswirkungen auf die Aquaristik und Terraristik

3.1 Pflanzen

Die Verbots-Liste der EU betrifft auch die Aquaristik und Terraristik. Sie enthält einige Wasserpflanzen, die vielen Pflanzenaquarianern wohl bekannt sind. Pflanzen auf der EU-Liste der invasiven Arten dürfen weder importiert, weitergegeben (auch nicht verschenkt) noch beispielsweise im Aquarium oder Gartenteich vermehrt werden. Vom Verbot sind allerdings nur die genannten Arten betroffen. Alle anderen Pflanzenarten aus den genannten Gattungen bleiben weiterhin erlaubt und dürfen in der Aquaristik nach wie vor eingesetzt werden.

Verboten wurden bereits 2016 die gerne in Aquarium und Gartenteich gehaltene Grüne Cabomba oder Karolina-Haarnixe Camboba caroliniana und die Wasserhyazinthe Eichhornia crassipes, die auch früher schon eher selten in der Aquaristik anzutreffenden Ludwigia grandiflora und Ludwigia peploides und das in der Aquaristik ausgesprochen weit verbreitete und oft in Pflanzenaquarien eingesetzte Brasilianische Tausendblatt Myriophyllum aquaticum. Auch die Krause Afrikanische Wasserpest (Lagarosiphon major) ist vom Verbot betroffen.

2017 kam aus der Aquaristik noch die Schmalblättrige Wasserpest (Elodea nuttallii) hinzu sowie das Verschiedenblättrige Tausendblatt (Myriophyllum heterophyllum), das allerdings auch zuvor schon eher in Gartenteichen denn in Aquarien kultiviert wurde.

2019 wurde die Liste der Wasserpflanzen ergänzt um den Falschen Wasserfreund (Gymnocoronis spilanthoides), eine sehr schnell wachsende Sumpfpflanze aus gemäßigtem Klima in Südamerika, die in der Aquaristik seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts bekannt, aber nicht sonderlich weit verbreitet ist. Auch der deutlich beliebtere und sehr weit im Hobby verbreitete Große Schwimmfarn oder Lästige Schwimmfarn (Salvinia molesta) steht nun auf der Liste. Diese Schwimmpflanze wird fürs Aquarium häufig fälschlich als Gemeiner Schwimmfarn Salvinia natans angeboten. Man kann Salvinia molesta an der Behaarung auf der Blattoberseite zuverlässig von Salvinia natans unterscheiden - beim Lästigen Schwimmfarn sind die Härchen quirlförmig zueinandergebogen, bei Salvinia natans ist dies nicht der Fall.

Alle in der EU verbotenen Aquarienpflanzen und Teichpflanzen nochmals im Überblick:

  • Grüne Cabomba / Karolina-Haarnixe Camboba caroliniana
  • Wasserhyazinthe Eichhornia crassipes
  • Schmalblättrige Wasserpest Elodea nuttallii
  • Falscher Wasserfreund Gymnocoronis spilanthoides
  • Krause Afrikanische Wasserpest Lagarosiphon major
  • Großblütiges Heusenkraut Ludwigia grandiflora
  • Kriechendes Heusenkraut Ludwigia peploides 
  • Brasilianisches Tausendblatt Myriophyllum aquaticum
  • Verschiedenblättriges Tausendblatt Myriophyllum heterophyllum
  • Großer Schwimmfarn / Lästiger Schwimmfarn (Salvinia molesta)

3.2 Tiere

Auf der EU-Verbotsliste stehen seit 2016 neben der Chinesischen Wollhandkrabbe Eriocheir sinensis, die in der Terraristik eine untergeordnete Bedeutung spielte, auch einige Krebse: der Signalkrebs Pacifastacus leniusculus und die Orconectes-Arten Oroconectes limosus (der Kamberkrebs) und Orconectes virilis (der Viril-Flusskrebs) sind betroffen. Diese Krebse treffen wir ebenfalls nicht sehr häufig im Aquarium an, sie entkamen eher aus Speisekrebszuchten in die Natur beziehungsweise wurden in der Vergangenheit bewusst ausgesetzt und angesiedelt.

In der Aquaristik richtig eingeschlagen hat allerdings das Verbot des Marmorkrebses Procambarus fallax f. virginalis und ganz besonders das Verbot des Lousiana-Sumpfkrebses Procambarus clarkii mit seinen vielen schönen Farbformen.

Auch die Buchstaben-Schmuckschildkröte Trachemys scripta und ihre Unterarten, die häufig auch im Aquarium oder Aquaterrarium gehaltene Gelbwangen-Schmuckschildkröte Trachemys scripta scripta, die Rotwangen-Schmuckschildkröte Trachemys scripta elegans sowie die Cumberland-Schmuckschildkröte Trachemys scripta troostii stehen auf der Liste.

Ein für die Aquaristik und vor allem für den Gartenteich relevanter Fisch auf der Unionsliste ist der Blaubandbärbling (Pseudorasbora parva).

Bei den Neuzugängen 2017 sind keine für die Aquaristik relevanten Tiere dabei.

2019 wurde der vor allem in der Teichwirtschaft beliebte und weit verbreitete Sonnenbarsch (Lepomis gibbosus) aus Nordamerika in die Liste aufgenommen.

Alle in der EU verbotenen Aquarientiere und Teichtiere nochmals im Überblick:

  • Chinesische Wollhandkrabbe Eriocheir sinensis
  • Sonnenbarsch Lepomis gibbosus
  • Kamberkrebs Oroconectes limosus
  • Viril-Flusskrebs Orconectes virilis
  • Signalkrebs Pacifastacus leniusculus
  • Lousiana-Sumpfkrebs Procambarus clarkii
  • Marmorkrebs Procambarus virginalis (Procambarmus fallax f. virginalis)
  • Blaubandbärbling Pseudorasbora parva
  • Buchstaben-Schmuckschildkröte Trachemys scripta
  • Gelbwangen-Schmuckschildkröte Trachemys scripta scripta
  • Rotwangen-Schmuckschildkröte Trachemys scripta elegans
  • Cumberland-Schmuckschildkröte Trachemys scripta troostii

4 Konsequenzen

Bei den Pflanzen und Tieren auf der EU-Verbotsliste ist - anders als zum Beispiel beim Durchführungsbeschluss der EU zur Schneckengattung Pomacea - neben der Verbreitung auch die Haltung verboten. Im Hobby vorhandene Altbestände müssen jedoch nicht getötet werden. Man darf sie bis zu ihrem natürlichen Lebensende halten, muss aber sicherstellen, dass sie weder in die Natur entkommen noch sich weiter vermehren können.

Händler dürfen vor dem Verbot vorhandene Bestände nach Aufnahme in die Liste noch zwei Jahre lang abverkaufen. Im ersten Jahr ist der Verkauf auch an private Halter zulässig, es muss allerdings sichergestellt sein, dass sich die Pflanzen und Tiere dort nicht vermehren oder etwa ins Freiland gelangen können. Voraussetzung für den Verkauf sind entsprechend sichere Transportgefäße.

5 Vollständige Auflistung der Arten

5.1 Originale Liste 2016

  • Baccharis halimifolia - Kreuzstrauch
  • Cabomba caroliniana - Karolina-Haarnixe
  • Callosciurus erythraeus - Pallashörnchen
  • Corvus splendens - Glanzkrähe
  • Eichhornia crassipes - Dickstielige Wasserhyazinthe
  • Eriocheir sinensis - Chinesische Wollhandkrabbe
  • Heracleum persicum - Persischer Bärenklau, Golpar
  • Heracleum sosnowskyi - Sosnowsky-Bärenklau, Mandenova
  • Herpestes javanicus - Kleiner Mungo
  • Hydrocotyle ranunculoides - Hahnenfußähnlicher Wassernabel
  • Lagarosiphon major - Krause Afrikanische Wasserpest
  • Lithobates (Rana) catesbeianus - Ochsenfrosch
  • Ludwigia grandiflora - Großblütiges Heusenkraut, Großblütige Ludwigie
  • Ludwigia peploides - Flutendes Heusenkraut, Flutende Ludwigie
  • Lysichiton americanus - Amerikanischer Riesenaronstab
  • Muntiacus reevesi - Chinesischer Muntjak
  • Myocastor coypus - Nutria
  • Myriophyllum aquaticum - Brasilianisches Tausendblatt
  • Nasua nasua - Südamerikanischer Nasenbär
  • Orconectes limosus (Faxonius limosus) - Kamberkrebs
  • Orconectes virilis (Faxonius virilis) - Viril-Flusskrebs
  • Oxyura jamaicensis - Schwarzkopfruderente
  • Pacifastacus leniusculus - Signalkrebs
  • Parthenium hysterophorus - Karottenkraut
  • Perccottus glenii - Amur-Schläfergrundel
  • Persicaria perfoliata (Polygonum perfoliatum) - Durchwachsener Knöterich
  • Procambarus clarkii - Roter Amerikanischer Sumpfkrebs, Louisiana-Sumpfkrebs
  • Procambarus fallax f. virginalis (Procambarus virginalis) - Marmorkrebs
  • Procyon lotor - Waschbär
  • Pseudorasbora parva - Blaubandbärbling
  • Pueraria montana var. lobata (Puer aria lobata) - Kudzu
  • Sciurus carolinensis - Grauhörnchen
  • Sciurus niger - Fuchshörnchen
  • Tamias sibiricus - Burunduk
  • Threskiornis aethiopicus - Heiliger Ibis
  • Trachemys scripta - Nordamerikanische Buchstaben-Schmuckschildkröte
  • Vespa velutina nigrithorax - Asiatische Hornisse

5.2 Ergänzung 2017

  • Alternanthera philoxeroides - Alligatorkraut
  • Asclepias syriaca - Gewöhnliche Seidenpflanze
  • Elodea nuttallii - Schmalblättrige Wasserpest
  • Gunnera tinctoria - Mammutblatt
  • Heracleum mantegazzianum - Riesenbärenklau
  • Impatiens glandulifera - Drüsiges Springkraut
  • Microstegium vimineum - Japanisches Stelzengras
  • Myriophyllum heterophyllum - Verschiedenblättriges Tausendblatt
  • Pennisetum setaceum - Afrikanisches Lampenputzergras

5.3 Ergänzung 2019

  • Acacia saligna (Acacia cyanophylla) - Weidenblatt-Akazie
  • Acridotheres tristis - Hirtenstar
  • Ailanthus altissima - Götterbaum
  • Andropogon virginicus - Blaustängelige Besensegge
  • Arthurdendyus triangulatus - Neuseeländische Landplanarie
  • Cardiospermum grandiflorum - Ballonrebe
  • Cortaderia jubata - Anden-Pampasgras
  • Ehrharta calycina - Gemeines Veldtgras
  • Gymnocoronis spilanthoides - Falscher Wasserfreund
  • Humulus scandens - Japanischer Hopfen
  • Lepomis gibbosus - Gemeiner Sonnenbarsch
  • Lespedeza cuneata (Lespedeza juncea var. sericea) - Chinesischer Buschklee
  • Lygodium japonicum - Japanischer Kletterfarn
  • Plotosus lineatus - Gestreifter Korallenwels
  • Prosopis juliflora - Bayahonda
  • Salvinia molesta - Lästiger Schwimmfarn, Großer Schwimmfarn
  • Triadica sebifera - Chinesischer Talgbaum

 

Autor: Ulli Bauer

Fotos: Chris Lukhaup

Quelle: DURCHFÜHRUNGSVERORDNUNG (EU) 2016/1141 DER KOMMISSION vom 13. Juli 2016 zur Annahme einer Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung gemäß der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates
Quelle: Durchführungsverordnung (EU) 2017/1263 der Kommission vom 12. Juli 2017 zur Aktualisierung gemäß der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates der mit der Durchführungsverordnung (EU) 2016/1141 festgelegten Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung
Quelle: Durchführungsverordnung (EU) 2019/1262 der Kommission vom 25. Juli 2019 zur Änderung der Durchführungsverordnung (EU) 2016/1141 zwecks Aktualisierung der Liste invasiver gebietsfremder Arten von EU-weiter Bedeutung C/2019/5360
Quelle: englischsprachige Broschüre: "Invasive Alien Species of Union concern"