Moostierchen

Bryozoa

Moostierchen sind vielzellige, meist koloniebildende Wassertiere und werden auch Bryozoa genannt. Die kleinen Einzeltiere sehen zwar ähnlich aus wie Glockentierchen, Trompetentierchen oder Zoothamnien, sie sind jedoch nicht näher mit diesen Aufsitzern verwandt. Einzelne Moostierchen kann man bei flüchtigem Hinschauen auch mit Süßwasserpolypen oder Hydren verwechseln, schaut man genauer hin, sieht man jedoch deutliche Unterschiede in den Strukturen - die Tentakelkrone der Moostierchen hat viel mehr "Arme" als eine Hydra, und sie sind zudem anders angeordnet. Auch trifft man Moostierchen so gut wie niemals alleine an, während Hydren keine Kolonien bilden. Beim Anfassen fühlen sich Moostierchen überraschend fest an. Im Herbst und Winter sterben die Moostierchen-Kolonien in der Natur ab. Sie überwintern mit Hilfe von Überwinterungsstadien, ähnlich wie Süßwasserschwämme.

1 Aussehen und Vorkommen

Ein einzelnes Süßwasser-Moostierchen nennt man auch Zooid, eine Kolonie von Bryozoa wird als Zoarium bezeichnet. Ein Einzeltier besteht aus einem weichen Körper, der bei Süßwasser-Moostierchen von einer härteren Schale aus Chitin umgeben ist. Moostierchen im Meerwasser haben dagegen häufig eine Schale aus Kalk.

In der Nähe des Mundes befinden sich die typischen U-förmigen, fedrig aussehenden und leicht nach außen gebogenen Tentakel, auf denen im Unterschied zu Hydra keine Nesselzellen sitzen - Moostierchen "brennen" nicht. Die Tentakelkronen werden ca. 0,5-1,5 mm hoch. Die sehr filigranen Strukturen der Tentakel sind weißlich transparent. Die Tentakelkrone kann mit Hilfe von Muskeln schnell eingezogen werden.

Die Tentakel der Moostierchen sitzen am oberen Ende eines langen und verhältnismäßig dicken Stieles. Die recht zähen Stiele der Moostierchen-Kolonie werden von weiteren, hoch spezialisierten Tieren gebildet.  Die Stiele einer Kolonie Süßwasser-Moostierchen können je nach Art der Bryozoen rötlich, weißlich oder bräunlich aussehen.

Arten aus dem Stamm der Bryozoa findet man praktisch weltweit vom Süßwasser bis zum Meerwasser. Moostierchen sind im Aquarium eher selten zu finden, in Seen und anderen stehenden Gewässern, seltener in Fließgewässern dagegen sieht man häufig beeindruckend große Kolonien mit einem Gewicht von über 1 kg und einer Länge von über 20 cm. Diese Kolonien wirken wie ein heller Moosbelag auf dem meist harten und festen Untergrund (daher der Name).

Im Aquarium bleiben Moostierchen-Kolonien in der Regel sehr viel kleiner, weil die Tierchen vor allem in gefilterten Aquarien deutlich weniger Futter finden. Moostierchen sind außerdem ziemlich lichtscheu und bevorzugen eher schattige Ecken, was sie im Aquarium nochmals schwerer auffindbar macht.

Die Kolonien der Süßwasser-Moostierchen bilden unter Wasser einen schwammigen oder gallertartigen, andere Arten einen krustenartigen Überzug. Moostierchen-Kolonien sitzen auf besonders gerne auf Pflanzenstängeln und Blättern, auf Steinen, an der Unterseite von Seerosenblättern, auf in Wasser hängenden Zweigen oder generell auf Schwemmholz.

Häufig kommen im Süßwasser die Gattungen Cristatella und Plumatella vor. Süßwassermoostierchen gehören in die Klasse Phylactolaemata, auch Lophopoda genannt.

2 Nahrung und Fressverhalten

Die sessilen Moostierchen fressen sämtliche feinen Schwebeteilchen, Mikroorganismen und Algen, die sich in ihren Tentakeln verfangen. Auf den Tentakeln sitzen Cilien (Härchen), die ständig in Bewegung sind und Nahrung herbeistrudeln.

In nährstoffreichem, ungefiltertem Aquarienwasser mit größeren Einzellern wie Pantoffeltierchen oder Rettichtierchen, kleinen Cyclops-Arten oder einer Algenblüte können sich Moostierchen recht gut halten.

2.1 Problematik im Wirbellosenaquarium

Moostierchen sind unschädliche Kommensalen, die weder Garnelen, Schnecken, Muscheln noch Krebsen schaden.

3 Fortbewegung

Die nach sexueller Fortpflanzung entstehenden Larven der Süßwasser-Moostierchen schwimmen aktiv, und teilweise haben auch die Überwinterungsstadien (Statoblasten) Schwimmvorrichtungen, sie lassen sich jedoch passiv verdriften.

Die Tentakelkronen der Süßwasser-Moostierchen können bei Störung ruckartig eingezogen werden. Diese Bewegung setzt sich wie eine Welle über die ganze Kolonie fort. Das Ausfahren dagegen geht eher langsam vonstatten.

4 Fortpflanzung

Süßwasser-Moostierchen vermehren sich vorwiegend durch Sprossung, sie können sich aber als Zwitter auch selbst beziehungsweise gegenseitig befruchten und eine schwimmende Larve entlassen. Diese Larve bildet bereits eine Kleinstkolonie. Wenn sie sich festgesetzt hat, beginnt sie, sich asexuell durch Sprossung zu vermehren und so die Kolonie zu vergrößern. Je nach Nahrungsangebot kann dies recht schnell gehen, die Kolonien können je nach Art im Lauf des Sommers eine beeindruckende Größe und ein Gewicht von über 1000 Gramm erreichen.

.Am unteren Ende der Einzeltierchen bilden sich linsenförmige mit Hartsubstanz umgebene Statoblasten (hier im Bild eine Statoblaste von Cristatella mucedo): Sie stellen das Überwinterungsstadium der Kolonien dar, die im Herbst bis Winter absterben. Die harte Hülle schützt die Statoblasten der Süßwasser-Moostierchen zuverlässig vor Frost und auch vor Trockenheit.

Die Statoblasten haben typischerweise Haftvorrichtungen, die wie kleine Häkchen aussehen. Mit ihnen können sie sich am Untergrund festsetzen. Manche Arten besitzen Statoblasten mit einem "Schwimmring" aus luftgefüllten Zellen, diese Überwinterungsstadien nennt man auch Flottoblasten.Sie werden mit der Strömung verdriftet, so erobern die Moostierchen neue Territorien. Nicht schwimmfähige Statoblasten siedeln sich dagegen in der Umgebung der alten Kolonie an.

Die Statoblasten der Süßwasser-Moostierchen setzen sich auf hartem Untergrund fest, und im nächsten Frühjahr, wenn die Wassertemperaturen wieder steigen, "schlüpfen" die ersten Larven der Moostierchen, die in der Folge wieder zu einer Kolonie heranwachsen.

5 Wie kommen Moostierchen ins Aquarium?

Moostierchen kommen mit Naturmaterialien oder mit Materialien aus einem besiedelten Aquarium ins Aquarium. Besonders gerne sitzen die Kolonien auf Pflanzen, Holz oder Steinen. Selten können auch Statoblasten aus austrocknenden Gewässern als Teil des Staubes ins Aquarium gelangen.

6 Überlebenstechniken

Moostierchen überwintern in Form von Statoblasten, ihrer Winterform. Sie sind durch eine harte Hülle gut geschützt und überstehen auch kalte Temperaturen oder Austrocknung. Die Einzeltiere vieler Arten können sich zudem mit einem Operculum schützen, einem kleinen Deckel aus Chitin, den sie über ihre Öffnung stülpen können, wenn sie ihren Tentakelkranz eingezogen haben.

7 Moostierchen eindämmen

Moostierchen sind im Aquarium sehr unproblematisch, können allerdings auf eine hohe Keimdichte im Aquarium hinweisen. In unserem Wiki-Artikel "Die Keimdichte senken" geben wir Hinweise, wie man die Keimbelastung im Aquarium senken kann. Indirekt gehen dadurch auch die Moostierchen zurück.

 

Autor: Ulli Bauer

Fotos: Christiane Kienesberger, Sebastian Führer, Daniel J. Drew, Peabody Museum of Natural History / CC0, TheAlphaWolf / CC BY-SA (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)

Quelle: CC0
Quelle: CC BY-SA

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