Versand von Garnelen

Eure Garnelen sind produktiv, und nun möchtet ihr gerne welche abgeben? Eure Interessenten sind aber gar nicht in der Nähe, und ihr möchtet die Krabbler versenden? Hier klären wir, wie man Süßwassergarnelen am besten und am schonendsten für den Transport verpackt und versendet. Die in der Folge beschriebenen Verpackungsmethoden könnt ihr natürlich auch dann anwenden, wenn jemand die Garnelen für sein Aquarium bei euch persönlich abholen kommt.

1 Versandbehälter und Festhaltematerial

Garnelen werden in Wasser versendet. Dabei wählt man einen sicheren Transportbehälter, in dem die Tiere gut untergebracht sind. Viele Anbieter versenden in Tüten, andere verpacken ihre Garnelen in Kunststoff-Flaschen. Beide Methoden haben ihre Vorteile und ihre Nachteile.

Sehr wichtig ist, dass die Garnelen in jedem Fall etwas zum Festhalten in die Tüte oder die Flasche bekommen, damit sie beim Transport nicht zu stark durchgeschüttelt werden. Das kann den Transportstress gewaltig reduzieren.

Wichtig: Bitte gebt niemals, wirklich niemals Wasserpflanzen, Moos oder Pflanzenteile wie Seemandelbaumblätter etc. als Festhaltematerial in die Tüte! Pflanzen und Moose verbrauchen in der Dunkelheit durch ihre Atemtätigkeit Sauerstoff, der in der Tüte oder der Flasche ohnehin nur in stark begrenzter Form vorhanden ist. Die Garnelen können so tatsächlich ersticken, das Risiko ist wirklich hoch. Seemandelblaumblätter und braunes Laub geben für die sehr kleine Wassermenge in der Tüte viel zu viele Huminstoffe und Tannine ab. Auch das ist für Garnelen nicht gerade gesund. Grün getrocknetes Laub wird von Bakterien zersetzt, die viel Sauerstoff zehren, auch das kann für die Garnelen in der Tüte sehr gefährlich werden.

Deutlich besser eignen sich als Festhaltematerial Filtermatte in Stückchen, Filterfasern aus dem Teichbedarf, Stücke von Tüll oder ähnliches Material, das wasserneutral ist und den Garnelen ermöglicht, sich gut festzuhalten.

Grundsätzlich rechnet man nicht mehr als 10 bis maximal 15 Tiere je 400-500 ml Wasser im Transportgefäß.

1.1 Tüte

Der Versand von Garnelen in Tüten kann gut funktionieren, wenn man einige Dinge beim Versand der Tiere beachtet. Definitiv ungeeignet sind Ziplocbeutel. Der Verschluss lässt sich beim Transport nicht richtig sichern und geht zu schnell auf.

Wichtig ist, dass die Tüte unten abgerundete Ecken hat. Eine handelsübliche Fischtüte ist schon entsprechend rund verschweißt, eine andere Tüte wie eine Einmachtüte muss man entsprechend präparieren. Sind die Ecken der Tüte abgerundet, können sich die Garnelen nicht in abgeknickten Ecken einklemmen. In der winzigen Wassermenge der abgeklemmten Ecke kann kein Gasaustausch stattfinden, das wenige Wasser wird schnell sauerstoffarm, und die Garnele stirbt.

Die Garnelentüte wird maximal zur Hälfte mit Wasser gefüllt. Der Luftvorrat in der Tüte ist für einen funktionierenden Gasaustausch während des Transports wichtig - CO2 aus dem Wasser diffundiert in die Luft, und Sauerstoff diffundiert ins Wasser, den die Garnelen für ihre Atmung brauchen.

Die Tüte mit den Garnelen wird vor dem Verschließen kurz aufgepustet, dass sie prall ist. Profis verwenden hierfür reinen Sauerstoff, die Atemluft enthält aber auch noch ausreichend O2, sodass den Tiere unterwegs die Luft nicht ausgeht.

Die Garnelentüte wird nun nicht zugeknotet, weil so beim Transport Wasser austreten und das Paket durchweichen kann. Am besten dreht man den oberen Rand ca. 10 cm breit eng zusammen und klappt ihn einmal um. Die zusammengedrehte und umgeklappte Tüte wird mit einem Gummiband fest umwickelt, sodass die Tüte absolut dicht ist.

Nun gibt man die verschlossene Tüte mit den Garnelen mit dem Verschluss voraus in eine weitere, gleich große Tüte, die man auf dieselbe Weise verschließt. Der Verschluss der ersten Tüte liegt am Tütenboden. So ist das ganze doppelt gegen Auslaufen abgesichert.

Das ist deshalb sehr wichtig, weil durchweichte Pakete zum Umpacken gehen und sich so der Versand unglaublich verzögern kann - selbst wenn die Garnelen ursprünglich den auslaufenden Transportbehälter überlebt haben sollten, erhöht sich das Risiko für eine Totankunft dadurch sehr stark.

1.2 Flasche

Andere versenden gerne in Flaschen aus Kunststoff mit Drehverschluss. Glasflaschen verbieten sich für einen Versand mit einem Paketdienst wegen der Bruchgefahr von selbst. Hier sollte man definitiv eine Flasche mit weitem Hals wählen, die selbstverständlich vor dem Garnelenversand wirklich, wirklich sauber gespült wird. Saftreste können das Wasser in der Flasche zum Kippen bringen! Weithalsflaschen machen das Einfüllen und das Auskippen für die Garnelen deutlich angenehmer.

Auch eine Flasche wird nur maximal zur Hälfte mit Wasser gefüllt, damit noch ein ausreichender Gasaustausch stattfinden kann, sodass den Garnelen auf ihrer Reise nicht die Luft ausgeht.

Der Drehverschluss wird nun so fest zugedreht wie nur möglich, und mit Klebeband zusätzlich gesichert, sodass auch bei einem rauen Transport der Deckel auf keinen Fall abgehen kann.

Manche Garnelenhalter machen sich Sorgen, dass die Garnelen in der Flasche an den Wänden anstoßen und sich verletzen können - das ist dank des Panzers der Tiere sehr unwahrscheinlich, auch der Flaschenversand gilt daher als relativ sicher.

1.3 Breathing Bag

Die Breathing Bag (zu deutsch: Atmende Tüte) ist eine Variante des Tütenversandes. Hier handelt es sich um eine Tüte für den Fischtransport, deren Wände Sauerstoff durchdiffundieren lassen. Eine Breathing Bag oder Breather Bag ist daher nicht mit einer normalen Tüte für den Fischtransport zu vergleichen!

Die Breathing Bag wird randvoll mit Wasser gefüllt, was den großen Vorteil hat, dass das Wasser mit den Garnelen darin nicht so stark ins Schwappen kommt. Der Versand kann so schonender verlaufen. Eine Breathing Bag wird auf gar keinen Fall in eine zweite Tüte eingepackt - dann kann kein Sauerstoff mehr durch die Tütenwand diffundieren, und die Breathing Bag wäre ihres Sinns vollständig beraubt.

Verschlossen wird die Breathing Bag wie oben bei der "normalen" Fischtüte beschrieben mit einem Gummiband.

2 Wie verpacken?

Die wie oben beschreiben sicher verpackten Garnelen kommen nun in ihren Versandkarton. Grundsätzlich wird der Karton so ausgepolstert, dass die Tüte(n) oder die Flasche(n) nicht darin herumgeworfen werden können. Hierfür eignen sich zerknülltes Zeitungspapier, Styroporflocken, Maisflips (kompostierbare Verpackungschips aus Mais), Luftpolsterfolie, Noppenfolie oder Bläschchenfolie, Luftpolsterkissen, geschreddertes Papier, ... einfach alles, das Stöße und Schläge dämpfen und die Temperatur auch noch etwas puffern kann.

Idealerweise packt man die Beutel und das Verpackungsmaterial in eine Styrobox oder kleidet den Versandkarton mit isolierendem Styropor aus. Das ist besonders im Sommer und im Winter wichtig, wenn die Versandtemperaturen eher am oberen oder am unteren Ende der Wohlfühlzone der Garnelen liegen.

Achtung: Einige Versanddienstleister transportieren Styroboxen gar nicht oder nur gegen Aufpreis - die Styropbox sollte daher in einen von der Größe passenden Umkarton gepackt werden. Auch dieser wird gegebenenfalls nochmal gepolstert, damit die Box darin kein Spiel hat.

3 Versandtemperaturen

Garnelen der Gattungen Neocaridina und Paracaridina sowie die "üblichen Verdächtigen" der Gattung Caridina, als da wären Bienengarnelen, Tigergarnelen, Caridina cantonensis und ihre Anverwandten wie Taiwan Bees und ihre Hybriden sowie Amanogarnelen und ähnlich robuste Garnelen vertragen Versandtemperaturen von 5 bis 25 °C ohne Probleme. Caridina cf. babaulti "Green" und Caridina cf. babaulti "Stripes" dagegen sollte erst ab 10 bis 25 °C versendet werden, weil sie es doch etwas wärmer brauchen.

Sulawesigarnelen aus dem Malili-Seensystem sollten wegen ihrer erhöhten Stressanfälligkeit möglichst gar nicht mit der Paketpost versendet werden, sondern nur mit einem Kurierdienst. Sie dürfen auf keinen Fall auskühlen, schon eine Temperatur unter 25 °C wäre tödlich für die empfindlichen Sulawesigarnelen.

3.1 Winterversand

Im Winter sollten Garnelen spätestens bei Frost nicht mehr versendet werden. Zwar sind die Tiere wie oben beschrieben zum Teil recht kälteresistent, jedoch sind sie gegen durchfrierende Tüten nicht gefeit, dann sterben sie den Tiefkühltod.

Zur Absicherung packen viele Garnelenversender gerne einen Heatpack mit ins Paket - hier muss man jedoch wissen, dass der Heatpack nur dann Wärme abgibt, wenn er genügend Sauerstoff bekommt. Ein absolutes No Go ist es daher, den Heatpack in seine Plastikverpackung zurückzugeben oder diese darunterzulegen. Auch in kleinen oder mit viel Verpackungsmaterial gefüllten Paketen geht er oft vor der Zeit aus.

Am sichersten ist es, wenn man den Heatpack an eine Wand der Styroporbox oder des Kartons klebt, damit er nicht unkontrolliert im Paket umherfliegen kann. Die Styrobox wird an dieser Stelle mit einem Loch versehen, sodass der Heatpack von draußen Sauerstoff ziehen kann. Achtung: Wohlmeinende Postmitarbeiter kleben Löcher im Umkarton manchmal einfach zu - mehrere kleine, unauffällige Löcher sind besser als ein großes, auffälliges.

Der Heatpack darf niemals in direktem Kontakt mit der Garnelentüte oder Garnelenflasche stehen. Er wird über 50 Grad heiß und würde die Garnelen einfach kochen.

Wer einem Heatpack wegen der damit verbundenen Risiken nicht so recht traut, kann einfach auf mehrere große, ganz gefüllte Flaschen oder Tüten mit sehr warmem Wasser zurückgreifen, die einen guten Temperaturspeicher in einem ordentlich gedämmten und verpackten Paket darstellen und deutlich weniger risikobehaftet sind als ein Heatpack. Auch die Warmwasserbehälter dürfen natürlich nicht direkt neben den Garnelenbehältern geparkt werden!

Wirken die Garnelen nach dem Versand trotz aller Vorsichtsmaßnahmen wie leblos, ist es gut möglich, dass sie lediglich in Kältestarre sind. Den Behälter mit den Garnelen lässt man in diesem Fall langsam auf Zimmertemperatur kommen. Wie Garnelen nach einem Versand am besten in ihr neues Aquarium eingewöhnt werden, beschreiben wir in unserem Artikel "Eingewöhnung von Wirbellosen und Fischen" im Unterkapitel "Garnelen".

3.2 Sommerversand

Bei warmem Wetter isoliert eine Styrobox die Garnelen gegen zu hohe Außentemperaturen. Hier gibt man gegebenenfalls Beutel oder Flaschen mit kaltem Wasser als Temperaturpuffer in die Transportbox. Gehen die Temperaturen dauerhaft über 25 °C, sollten keine Garnelen mehr versendet werden - in warmem Wasser löst sich deutlich weniger Sauerstoff, sodass den Tieren auf dem Transport buchstäblich die Luft wegbleiben kann.

4 Wer transportiert Garnelen?

Nicht jeder Transportdienstleister nimmt lebende Tiere mit, auch Wirbellose bilden hier bei einigen keine Ausnahme mehr. In unserem Wiki-Artikel "Geeignete Versandunternehmen für den Versand von Wirbellosen" gehen wir genau auf die Vorteile und die Nachteile der jeweiligen Versanddienste ein.

 

Autor: Ulli Bauer

Fotos: Garnelenhaus

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