Fortpflanzung bei Tylomelania

Wasserschnecken der Gattung Tylomelania leben auf der zu Indonesien gehörenden Insel Sulawesi in allen Gewässern des Süßwassers. Diese Schnecken, liebevoll auch einfach Tylos genannt, gehören zu der in Asien und Ozeanien verbreiteten Familie der Pachychilidae und sind damit zum Beispiel entfernt unter anderem mit der Gattung Brotia und Faunus verwandt.

1 Vermehrung im Aquarium

Im Süßwasser-Aquarium vermehren sich eigentlich alle Arten der Gattung Tylomelania recht gut, Nachzuchten wurden schon vielfach belegt, und auch die Jungtiere kommen in der Regel gut unter Aquarienbedingungen hoch. Allerdings findet - anders als bei manchen anderen Schneckenarten - auch bei hohem Futterangebot keine übermäßige Vermehrung statt, sodass es nicht zu einer Schneckenplage kommt.

2 Hybridisierung der Arten

Die verschiedenen Arten aus der Gattung Tylomelania leben in der Natur streng nach Untergrund getrennt - es gibt Arten, die nur auf Treibholz vorkommen, Arten, die ausschließlich auf steinigem Untergrund leben und so weiter. Im Aquarium geben die Schnecken diese Gewohnheiten jedoch auf und so kommt es hier zur Vermischung der verschiedenen Lebensräume und auch zur Hybridisierung. In der Natur begegnen sich die Tiere unterschiedlicher Arten aufgrund ihrer Lebensgewohnheiten und Futterpräferenzen schlicht niemals, im Aquarium schon. Hybriden von verschiedenen Tylomelania-Arten wurden schon mehrfach nachgewiesen, sie sind auch untereinander teilweise wieder fortpflanzungsfähig. Im Sinne der Arterhaltung sollte daher immer nur eine einzige Tylomelania-Art pro Aquarium gehalten werden.

3 Fortpflanzung

3.1 Größe der Zuchtgruppe

Die Wasserschnecken aus der Gattung Tylomelania sind getrenntgeschlechtlich, also keine Zwitter. Leider lassen sich die Geschlechter an der lebenden Schnecke nicht von außen unterscheiden. Für eine gezielte Zucht sollten also immer mehr als nur ein Pärchen Tylomelania gehalten werden, weil so die Wahrscheinlichkeit steigt, dass beide Geschlechter in der Zuchtgruppe vorhanden sind. 3-5 Tiere haben sich als Mindestbesatz bewährt, mehr gehen natürlich - abhängig von der Aquariengröße - immer.

3.2 Paarung

Die Schneckengattung Tylomelania gehört zu den lebend gebärenden Wasserschnecken. Bei der Begattung sitzt das Männchen auf dem Weibchen und führt seinen Penis in die Geschlechtsöffnung des Weibchens ein. Die Paarung findet überwiegend nachts statt.

3.3 Entwicklung der Jungtiere

Die Weibchen haben als Verlängerung ihres Eileiters einen Brutbeutel entwickelt, der in ihrem Gehäuse liegt. Hier entwickeln sich die Jungtiere. Im Brutbeutel findet man unterschiedlich alte Jungtiere in verschiedenen Entwicklungsstadien - es können also noch mehrere Monate nach der Paarung und sogar bei Einzelhaltung noch Jungschnecken zur Welt kommen. Sie sind von einer weißlich gefärbten Nährhülle umgeben, die sich auflöst, kurz bevor oder kurz nachdem die Jungschnecke das Licht der Welt erblickt.

3.4 Sturzgeburten und Fehlgeburten

Bei großem Stress kann es vorkommen, dass es zu einer sogenannten Sturzgeburt kommt. Dann bringt das Weibchen ein noch nicht voll entwickeltes Jungtier noch mitsamt der Hülle zur Welt. Die Hülle löst sich im Wasser nach und nach auf. Auch zu früh geborene Tylomelania-Schnecken sind normalerweise lebensfähig und holen das Größendefizit mit der Zeit auf. Selten kann es auch zu Fehlgeburten kommen, dann ist kein Schneckenhaus in der weißen Hülle zu finden. Die Eihülle hier auf dem Foto wurde im Aquarium von Giuliano und Max gefunden.

4 Jungtiere

Eine beim Entlassen voll entwickelte Tylomelania-Jungschnecke ist mit ca. 1,5-2 mm Gehäuselänge noch recht klein. Die Tiere sind sofort alleine lebensfähig und beginnen gleich nach der Geburt herumzukriechen und zu fressen. Bei guten Bedingungen bringen weibliche Tylomelania 1-3 Jungtiere ca. alle 6-8 Wochen zur Welt.

 

Autor: Ulli Bauer

Fotos: Luigi Lipari, Iris Gotowik, Nils Crößmann, Video: Nils Crößmann

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