Phosphat senken

Phosphor spielt für praktisch alle Lebensformen eine zentrale Rolle. Wie im Artikel „Phosphat als Pflanzennährstoff“ beschrieben, ist Phosphor ein häufig vorkommendes Element, es ist sogar in der DNA vorhanden. Daraus folgt, dass die Phosphorverbindung Phosphat (PO4) über unzählige Wege ins Aquarium gelangen kann.

1 Richtwerte für PO4

Im Trinkwasser sind Phosphat-Werte bis zu 6,7 mg/l erlaubt. Die Toleranz der meisten Tiere gegenüber Phosphat ist sehr hoch. Im Normalfall werden für die Tiere im Aquarium direkt giftige, also primär toxische Grenzwerte nicht erreicht.

Ein Phosphatgehalt bis 1,5 mg/l gilt im Aquarium als absolut ungefährlich. Dieser Wert wird (je nach Nährstoffkombination) für Pflanzenaquarien gleichzeitig als oberster Richtwert betrachtet.

1.1 Problematik

Sehr wohl kann sich ein hoher Phosphatgehalt im Aquarienwasser jedoch negativ auf das Wachstum der Aquarienbewohner auswirken. Eine absolute Wertangabe ist nicht möglich, da sich die Toleranz gegenüber Phosphat je nach Tierart unterscheidet. Oft werden besonders bei Jungtieren, die noch sehr schnell wachsen, Missbildungen beobachtet (besonders bei Fischen). Bei Garnelen kann es bei hohen Phosphatwerten vermehrt zu Häutungsproblemen und Missbildungen nach der Häutung kommen.

2 Ursachen für einen hohen Phosphatgehalt

Die Ursachen ähneln sehr denen eines zu hohen Nitratwerts, besonders, da viele Nitrateinträge auch gleich Phosphat mit sich bringen.

2.1 Nicht ausreichender Wasserwechsel

Die häufigste Ursache für einen zu hohen Phosphatwert im Aquarium ist wohl, dass zu selten oder zu wenig Wasser gewechselt wird. Alle Abbauprozesse organischen Materials setzen PO4 frei, welches in irgendeiner Form aus dem Aquarium ausgetragen oder verbraucht werden muss. Kommen natürliche Mechanismen wie der Verbrauch der Pflanzen dem freiwerdenden Phosphat nicht nach, reichert sich immer mehr Phosphat im Wasser an.

Typische organische Einträge sind z. B. sich zersetzende Pflanzenteile oder Futter.

2.2 Zu hoher Besatz / Überfütterung

Eine zu hohe Besatzdichte und / oder ein starker Futtereintrag kombiniert mit dem oben beschriebenen zu geringen Wasserwechsel kann ebenfalls zu einer Erhöhung des Phosphatgehaltes im Wasser führen.

2.3 Zu viel PO4 im Ausgangswasser

Auch können zu hohe PO4-Werte im Leitungswasser eine Ursache für einen hohen Phosphatgehalt im Aquarium sein. Oftmals ist der tatsächliche Phosphatgehalt in Leitungswasser nicht messbar, da dem Wasser teilweise Polyphosphate zugesetzt werden, die dem Verkalken und der Korrosion der Leitungen vorbeugen können. Polyphosphate sind mit aquaristischen Tests nicht messbar. Man kann sie erst nachweisen, wenn sie zu Oligophosphaten reduziert werden, was in der Regel erst im Aquarium geschieht. Aus diesem Grund können überraschend höhere Werte im Aquarienwasser als im Leitungswasser auftreten.

2.4 Dünger-Überdosierung

Die falsche Dosierung eines phosphathaltigen Düngers kann ebenfalls zu einem hohen Phosphatgehalt im Aquarium führen.

2.5 pH-Wert senkende Mittel

Um den pH-Wert zu senken, werden oftmals Mittel verwendet, die Phosphorsäure enthalten. So führt beispielsweise die Verwendung von phosphorsäurehaltigem Eichenextrakt zu erhöhten Phosphatwerten im Wasser.

2.6 Phosphatfalle

Als Eisenphosphat im Filterschlamm und Bodengrund gebundenes Phosphat kann rückgelöst werden und sich in einem erhöhten Phosphatwert bemerkbar machen, wie im Artikel „Die Phosphatfalle“ beschrieben. Auch nach dem Wasserwechsel steigt dann der Phosphatgehalt nach kurzer Zeit wieder auf den ursprünglichen Wert. Hier hilft dann nur:

  • Phosphatdepots reduzieren (mulmen und den Filter säubern)
  • Wasser wechseln, bis sich kein Phosphat mehr rücklöst

3 Phosphatwert senken

3.1 Ursachen beseitigen

Der erste Schritt ist die Suche nach den Ursachen für den erhöhten Phosphatgehalt des Aquarienwassers.

  • Schadstoffe austragen - wechsle ich ausreichend Wasser?
  • Fütterung – füttere ich zu viel?
  • Besatz – sind in meinem Aquarium zu viele oder zu große Tiere?
  • Zersetzungsprozesse – gibt es Gammelstellen im Aquarium, fault der Bodengrund (oder Nährboden)? Bleiben nach der Fütterung Reste liegen?

3.2 Phosphat entfernen

3.2.1 Pflanzen

Pflanzen nutzen Phosphat als Nährstoff. Verschiedene Pflanzen können erstaunlich große Mengen an PO4 binden bzw. speichern. Allen voran schnellwachsende Pflanzen wie etwa Hornkraut, Wasserpest, Cabomba, Hygrophila oder Rotala, aber auch Schwimmpflanzen wie z.B. Wasserlinsen.

Allerdings begrenzt sich die Wirksamkeit dieser Methode auf die Verfügbarkeit der anderen Nährstoffe. Ist etwa CO2 im Mangel, kann auch nicht so viel Phosphat aufgenommen werden als wenn CO2 in ausreichenden Mengen vorhanden wäre. Dies trifft auf alle Nährstoffe (Nitrat, KaliumEisenCO2 und auch auf Licht zu – wie im Liebigschen Minimumgesetz formuliert ist. Ist einer der Nährstoffe komplett verbraucht, stockt auch die Aufnahme des Phosphats.

Im Prinzip gelten dieselben Regeln wie auch bei der Reduktion von Nitrat beschrieben. Der Einsatz von emersen Starkzehrern wie Efeutute (Epipremnum aureum), die lediglich mit den Wurzeln ins Aquarium gehängt werden, hat sich auch zur Reduzierung von Phosphat bewährt. Achtung: frisch abgeschnittene Triebe der Efeutute bitte erst zwei oder drei Tage antrocknen lassen, damit kein Pflanzensaft ins Aquarienwasser geraten kann!

3.2.2 Wasserwechsel

Der regelmäßige (wöchentliche) Wasserwechsel sollte die erste Methode sein, um bei Problemen schnell Abhilfe zu schaffen. Er ahmt den in der Natur vorkommenden regelmäßigen Wasseraustausch / die Verdünnung nach und ist damit eine gute Methode, um den Phosphatwert rasch zu senken. Bei akuten Problemen kann auch mal öfter als nur einmal in der Woche Wasser gewechselt werden.

Bei hohen Phosphatwerten im frischen Wechselwasser (also im Leitungswasser, als Paradebeispiel) ist diese Methode allerdings nicht zielführend.

3.2.3 Osmoseanlage / Vollentsalzer

Hat schon das Leitungswasser einen hohen Phosphatwert, empfiehlt sich die Verwendung einer Umkehrosmoseanlage oder eines Vollentsalzers. Damit hat man die Möglichkeit, optimales Wasser herzustellen, das weitestgehend frei von Schadstoffen und damit auch von Phosphat ist. Allerdings müssen dem Wasser auch wieder Mineralien zugefügt werden, damit die passenden Wasserwerte für die Haltung der jeweiligen Tiere eingestellt werden können – wie das funktioniert, lest ihr in unserem Artikel "Das Einstellen der idealen Wasserhärte".

3.2.4 Ionentauscher für den Filter

Für den Einsatz im Filter des Aquariums gibt es Phosphatharze mit Ionentauscher-Funktion (z. B. PhosEx, Phosphatkiller). Sie sind gut geeignet, um das Problem kurzfristig zu beheben, eine langfristige Lösung bieten sie jedoch nicht – unbedingt und immer sollte nach der Ursache für den hohen Phosphatwert im Aquarienwasser gesucht werden, damit das Problem an der Wurzel behoben werden kann.

4 Phosphat als Nährstoff für die Pflanzen

Phosphat sollte dennoch nicht komplett entfernt werden, wieso, erfährst du im Artikel „Phosphat als Pflanzennährstoff“.

 

Autor: Ricardo Castellanos