Amanogarnele (Caridina multidentata) - Zuchtbericht

Viel hört man über die Amanogarnelenzucht - kompliziert sei sie, schwierig, für Anfänger kaum zu schaffen ... Wir haben es schon mehrfach hinbekommen, Amanogarnelen in größeren Mengen großzuziehen und möchten unsere Erfahrungen hier mit euch teilen, damit sich noch mehr Leute an die Aufzucht wagen - gar so kompliziert ist es nämlich gar nicht ...

Aber lasst uns ganz am Anfang anfangen: Wie allgemein bekannt - spätestens aus dem Biologieunterricht wissen wir das noch -  braucht es zu einer erfolgreichen Fortpflanzung je nach Art meist mindestens je ein Männchen und ein Weibchen ... so ist das auch bei Amanogarnelen (Caridina multidentata, vormals Caridina japonica).

1 Geschlechterunterscheidung bei Amanogarnelen

Will man Amanos züchten, stellt sich also erst einmal die alles entscheidende Frage: Gibt es in meiner Zuchtgruppe überhaupt Männchen und Weibchen? Wie kann ich das erkennen?

Wie bei den allermeisten Zwerggarnelen, die in der Aquaristik unterwegs sind, wirken auch bei Amanogarnelen die Weibchen massiver, sie sind stämmiger und haben durch die vergrößerten Bauchtaschen auch einen rundlicher wirkenden Hinterleib. Adulte Weibchen wachsen außerdem zu einer deutlich größeren Größe heran als die Männchen, und sie haben einen - dank ihrer transparenten Färbung - gut zu erkennenden Laichfleck im Nacken, den sogenannten Eifleck, der beachtlich groß werden kann.

Auch die Zeichnung der Amanogarnele macht uns die Geschlechterunterscheidung recht einfach: Die Männchen  weisen auf dem Körper ein gut zu erkennendes ein Punktmuster auf. Bei den Weibchen verschmelzen die Punkte an den Flanken zu einer Strichzeichnung,

Auf dem Bild links könnt ihr beide Geschlechter im Vergleich sehen. Je älter die Garnelen sind, desto deutlicher kann man die Geschlechter unterschieden.

 

2 Vermehrung in der Natur

Amanogarnelen gehören dem primitiven Fortpflanzungstypus an. Die Weibchen tragen ihre Eier in Abhängigkeit von der Temperatur für ca. 4 Wochen an den Schwimmbeinen unter dem Hinterleib angeheftet. Nach dieser Zeit schlüpfen keine fertig entwickelten Junggarnelen (wie es beim spezialisierten Typus der Fall wäre), sondern 1000-2000 ca. 1,5 mm große sogenannte pelagische (also im Freiwasser treibende) durchsichtige Larven, die die Strömung der Flüsse nach dem Entlassen in Richtung Flussmündung und schlussendlich weiter ins Meer trägt. Aus diesem Grund sind Amanogarnelen in der Natur auch recht weit verbreitet - über das Larvenstadium im Meer schaffen sie den Sprung von Flusshabitat zu Flusshabitat ganz mühelos.

Die Larven der Amanogarnele Caridina multidentata würden im Süßwasser nach einer bestimmten Zeit absterben, sie brauchen für ihre Entwicklung Brackwasser bis Meerwasser. Sie durchlaufen in den kommenden 4 - 5 Wochen mehrere Larvenstadien und häuten sich mehrfach, bis sie die Metamorphose zu fertigen Garnelenbabys durchlaufen.

Während dieser Zeit fressen sie pflanzliches und tierisches Mikroplankton. Nach der Metamorphose zur fertig entwickelten Junggarnele wandern die juvenilen Amanos dann wieder in die Flussmündungen ein und weiter ins Süßwasser, wo sie leben und sich paaren. So beginnt der Kreislauf von vorn ...

3 Paarung und Fortpflanzung

3.1 Paarung

Im Nackenbereich in den Eierstöcken (dem sogenannten Eifleck, der bei weiblichen Amanogarnelen sehr gut zu erkennen ist) wird bei der weiblichen Garnele der Laich ausgebildet und reift dort in ungefähr 4 - 6 Wochen (temperaturabhängig) heran.

Sind die winzigen Eier reif, häutet sich das Weibchen und stößt Sexuallockstoffe oder Pheromone aus. Hierauf kommt es zum Paarungsschwimmen - die Männchen suchen das Weibchen. Wie genau die Begattung und die Befruchtung vor sich gehen, könnt ihr in unserem Wiki-Artikel "Fortpflanzung und Paarung bei Garnelen" nachlesen, in dem wir in Wort und Bild genau aufgedröselt haben, was da vor sich geht.

3.2 Befruchtete Eier erkennen

Ob nach der Paarung alles so verläuft, wie es soll, sieht man daran, dass die zunächst dunkel gefärbten Eier unter dem Hinterleib der Garnelenmama nach ungefähr einer Woche zunehmend heller werden. Einige Tage vor dem Schlupf kann man in den winzigen Eiern deutlich die Augen der kleinen Garnelenlarven erkennen.

Verändert sich die Eifarbe nach 2 Wochen immer noch nicht, wird es dieses Mal nichts mit dem Nachwuchs. Das Weibchen wirft die unbefruchteten Eier im Lauf der Zeit ab und frisst sie auf. Es kann vorkommen, dass einige Eier beim Auspressen "danebengehen" und dass das Weibchen sie verliert. Das ist nicht ungewöhnlich und kein Grund zur Sorge.

3.3 Larvalentwicklung

In der Natur werden die Larven ins Brackwasser oder gleich ganz ins Meer verdriftet, im Aquarium müssen wir sie in ein entsprechendes Aufzuchtaquarium umsetzen, weil sie in Süßwasser binnen ca. 4-5 Tagen absterben. Dort entwickeln sich die Larven über mehrere Stadien von der Zoea-Larve zur fertigen Amanogarnele.

4 Allgemeines zur Nachzucht von Amanogarnelen

Die Aufzucht von Amanolarven ist eine recht undurchsichtige Geschichte. Selbst völlig identisch aufgesetzte Becken, bei derselben Fütterung und Beleuchtung und vergleichbarer Besatzstärke kann es vorkommen, dass sich ein Wurf sensationell entwickelt und bei einem anderen kaum eine Garnele hochkommt. Entscheidend ist nach unserer Erfahrung zum einen die Wasserqualität, zum anderen das Nahrungsangebot, das sich im Aufzuchtbecken entwickelt. Auch spielt die vorherige Versorgung der Mamagarnele offenbar eine sehr wichtige Rolle - wenn die Eiqualität hoch ist, kommen später vitalere Larven heraus, die schon einen besseren Start ins Leben haben und die sich auch entsprechend besser entwickeln.

Ganz wichtig: Die Aufzucht funktioniert nur mit "richtigem" Meersalz - Meersalz aus dem Speisebereich ist oft mit Rieselhilfen versehen, die die Kiemen der Larven verkleben, und Salz aus dem Toten Meer hat eine völlig falsche Mineralstoffzusammensetzung. Am besten besorgt ihr euch eine kleine Packung Meersalz aus dem Zoofachhandel. Das kostet nicht viel und ist auf jeden Fall geeignet.

5 Das Aufzuchtbecken

5.1 Aufzuchtbecken mit Süßwasser

Erwachsene Amanogarnelen dürfen nicht in Brackwasser gehalten werden, sie würden dort sterben. Das Aufzuchtbecken muss daher (wenn du das Weibchen zum Entlassen umsetzen möchtest) erstmal mit Süßwasser laufen, damit die Garnelenmama hier auch ihre Eier erfolgreich austragen kann.

Am besten eignet sich hier ein 30-Liter- bis 54-Liter-Becken (eingefahrene größere Becken laufen unserer Erfahrung nach einfach stabiler, in Kleinstbecken mit 5-10 Litern Inhalt hatten wir überhaupt keinen Erfolg) mit Abdeckung, in der eine herkömmliche Beleuchtung angebracht ist. Wir haben verschiedene Leuchtstoffröhren versucht: Flora Glow, Dennerle Amazon Day, Marine Glow, Sun Glow und Sylvania Aquastar. Einen Unterschied konnten wir nicht feststellen.

Dieses Becken wird an eine Stelle ohne Sonneneinstrahlung gestellt und mit 50% Aquarienwasser und 50% Frischwasser befüllt. In Becken auf der Fensterbank vermehren sich die Algen rasend schnell (zu schnell), und man kämpft bei Sonneneinstrahlung auch mit ziemlichen Temperaturschwankungen.

Das Aufzuchtaquarium wird 12 Stunden lang beleuchtet, damit die Algen ordentlich, aber nicht übermäßig wachsen, die Scheiben werden nicht abgeklebt. Steht das Aquarium in einem beheizten Raum, benötigt man keinen Heizstab, 20-25 °C sind ausreichend, eine Temperatur von ca. 22 °C ist ideal. In dieses Becken geben wir noch ein bis zwei echte oder Plastikdekopflanzen und einen halben kleinen Blumentopf oder eine andere Höhle, damit das Weibchen sind zur Not verstecken kann.

Sodann nimmst du einen Saugnapf und befestigst einen Luftschlauch daran, den du danach an die hintere Scheibe ploppst. Stell die Luftpumpe so ein, dass du die Luftblasen gerade noch zählen kannst. Mit Sprudelstein hat es bei uns weniger gut geklappt, ganz ohne Wasserbewegung war auch schwierig. Mit dem blubbernden Luftschlauch waren bei uns die Ergebnisse am besten.

Dieses Setup sollte 2-3 Wochen einlaufen, bevor du das tragende Weibchen hineinsetzt. Nach der Einfahrzeit kannst du sicherlich die ersten grünen und braunen Algenbeläge erspähen.

5.2 Tragende Weibchen umsetzen oder nicht?

Die Weibchen der Amanogarnele verstecken sich nicht, du kannst also in Ruhe alles vorbereiten, während sie die Eier austragen. Sind keine oder nur wenige Fressfeinde (zu denen übrigens nicht nur Fische, sondern auch andere Amanogarnelen und Fächergarnelen gehören können) im Aquarium, muss man theoretisch das Weibchen gar nicht aus dem Elternbecken herausfangen. Sitzt es im Artbecken oder in Gesellschaft von anderen Zwerggarnelen, kannst du es dort seine Larven entlassen lassen.

Der Filter sollte nicht auf höchster Stufe laufen, sodass die Larven nicht gleich eingesaugt werden. Wer das Weibchen trotzdem umsetzen möchte, um so die Ausbeute an Larven zu maximieren, sollte dies in den ersten Wochen der Tragezeit tun. Später umgesetzte Weibchen können durch den Stress ihr Gelege fressen oder die Eier abstoßen.

5.3 Das Weibchen im Aufzuchtbecken

Hast du ein Amanogarnelenweibchen gefunden, das offensichtlich erst seit kurzer Zeit Eier unter dem Rock hat - das erkennst du daran, dass die Eier noch dunkel gefärbt sind -, setzt du es in das Aufzuchtbecken mit Süßwasser. Zuvor hast du hier ca. 30% Wasser gewechselt.

Nun wartest du die 3-5 Wochen ab, die das Weibchen braucht, um die Eier bis zum Schlupf heranreifen zu lassen. Gefüttert wird das Weibchen während der Tragezeit mit 2-3 Stückchen Granulatfutter ca. alle 3-4 Tage. Zusätzlich kannst du ein braunes Herbstblatt ins Aquarium legen. Wasser wechselst du hier 1x wöchentlich, als ideal haben sich ca. 30% herausgestellt.

5.4 Aufzuchtbecken mit Salzwasser

Planst du, das Weibchen im Elternbecken seine Larven entlassen zu lassen, kannst du das Aufzuchtbecken von Anfang an mit Brackwasser laufen lassen. Dabei kommt es auf die Salzkonzentration gar nicht so sehr an - wir haben schon Larven in Meerwasser, aber auch in Brackwasser mit unterschiedlichem Salzgehalt groß bekommen.

5.4.1 Salzgehalt

Als optimal hat sich bei uns ein Salzgehalt von ungefähr 25 Gramm Meersalz pro Liter herausgestellt. Wir hatten sowohl bei einem vollen Salzgehalt von 34 g/l wie auch in leichterem Brackwasser mit 17 g/l Salz Erfolge, der Salzgehalt scheint tatsächlich nicht allzu wichtig zu sein.

Bitte verwende kein Speisesalz und auch kein Meersalz aus dem Supermarkt: Sie enthalten Rieselmittel, die das Verklumpen des Salzes verhindern, die aber die Kiemen der Larven schädigen können. Auch Salz aus dem Toten Meer ist wegen seiner völlig anderen Mineralstoffzusammensetzung nicht geeignet. Am besten holst du dir Meersalz für Meerwasseraquarien aus der Zoohandlung. Wir haben keinen Unterschied zwischen aufgesalzenem Leitungswasser und Osmosewasser festgestellt - das kann aber natürlich je nach Region unterschiedlich sein. Probier's aus, womit es bei dir besser klappt!

6 Die Larven schlüpfen

Yeah, die Larven sind geschlüpft! Frisch geschlüpfte Amanogarnelenlarven überleben in Süßwasser für ca. 2-5 Tage. In der Natur müssen sie ja auch erstmal mit der Strömung ins Meer gespült werden - du hast also ein bisschen Zeit.

6.1 Die Larven sind im Entlassbecken geschlüpft

Sobald das Weibchen seine Larven mehr oder weniger vollständig entlassen hat (das kann durchaus schubweise geschehen und ein paar Tage dauern), fängst du es vorsichtig aus dem Aufzuchtaquarium heraus. Entferne auch die echten oder künstlichen Pflanzen und die Höhle. Hat das Weibchen sich nach dem Entlassen der Larven gehäutet, nimmst du auch die Exuvie, also die alte Haut der Garnele, heraus.

Dann wird aufgesalzen: Gib nun 25 g Meersalz pro Liter Wasser ins Becken - einfach so. Das Salz löst sich nach und nach, den Larven schadet dies nicht. Wir hatten mit der Hauruck-Methode keinerlei Verluste zu verzeichnen.

6.2 Die Larven sind im Elternbecken geschlüpft

Sind die Larven im Aquarium mit deinen adulten Amanogarnelen geschlüpft, so ist nun erst einmal die wichtigste Aufgabe, die lieben Kleinen möglichst vollständig aus dem Becken mit Süßwasser abzusaugen und ins Aufzuchtbecken zu überführen. Zum Absaugen nimmst du am besten einen etwas dickeren Schlauch - mit einem dünnen Luftschlauch geht es aber auch.

Zum Glück sind Amanolarven positiv phototaktisch - das bedeutet, sie schwimmen immer aktiv zum Licht, was diese zunächst knifflig wirkende Aufgabe für uns deutlich vereinfacht. Am besten gehst du so vor: Mach das Licht aus, stecke den Filter und andere Störmungspumpen aus und leg eine Taschenlampe oder eine ähnliche punktuell strahlende Lichtquelle einfach in einer Ecke auf die Abdeckscheibe, sodass sie mehr oder weniger senkrecht nach unten strahlt.

Nun wartest du ungefähr eine Viertelstunde. Du wirst sehen, die Larven schwimmen aktiv zum Licht! Sind sie dann im Lichtstrahl versammelt, kannst du sie ganz einfach mit einem Schlauch absaugen und sie dann ins Aufzuchtbecken umsetzen.

Du brauchst die Larven nicht einzugewöhnen, sondern kannst sie einfach direkt ins Salzwasser setzen.

7 Logemann'scher Zuchtbericht

Die Nachzucht von Caridina multidentata (japonica) ist mittlerweile schon vielen gelungen. Hier folgt ein detaillierter Zuchtbericht nach unserer Methode - der Logemannschen Methode. Hier beschreiben wir nur, wie wir das gemacht haben - es gibt noch einige andere Methoden und wir haben hier sicherlich nicht den einzigen Weg gefunden. Hier steht daher nur, wie es bei uns funktioniert hat. Tüftelt gern selber weiter und findet heraus, wie es bei euch am besten funktioniert!

Logemannscher Zuchtbericht
Tag 1 Juhuu, der Tag X ist angebrochen, endlich sind die Larven geschlüpft! Meist entlässt die Amanomama sie in der Nacht. Auf jeden Fall offenbart der Kontrollblick heute früh bis zu 2000 wimmelnde Kommas im Becken. Die Larven sind ca. 1,5 mm groß und durchsichtig. Sie treiben im Wasser, hin und wieder schwimmen sie zuckend. Meist liegt irgendwo im Becken die alte Haut (Exuvie) des Weibchens. Sie nehmen wir zusammen mit der Amano-Mama heraus, wir entfernen sämtliche Deko und die Pflanzen und checken den Algenbelag auf den Scheiben.
  Der Belag sollte verhältnismäßig dicht und grün oder / und braun sein.
  Nun wird's ein wenig brutal ... wir schütten das Meersalz einfach direkt ins Becken und vermischen es vorsichtig durch Umrühren mit einem Stab mit dem Wasser.
  Das Wasser wird ziemlich milchig, wenn sich nach einigen Minuten das Salz aufgelöst hat. Man könnte glauben, mit dieser Aktion die Larven alle um die Ecke gebracht zu haben, aber nein - nach einiger Beruhigungszeit wirst du die Larven wieder entdecken, wie sie sich im mittleren Bereich sammeln. Wir arbeiten mit einem Salzgehalt von 25 Gramm per Liter Aquarieninhalt.
  Wir geben dann in unser 54-Liter-Aufzuchtbecken noch 15 Tropfen Liquizell. Wir hatten auch Hefe, Phytoplankton, zerriebenes Flockenfutter, Protogen und Mikrozell als Futter ausprobiert, aber mit Liquizell und in Wasser verrührtem Spirulinapulver im Wechsel hatten wir bisher die besten Erfolge. Die Larven haben zwar am Anfang einen Dottersack, von dem sie leben können, aber so finden sie direkt etwas Futter, wenn dieser Vorrat aufgebraucht ist. Wir lassen das Licht über Nacht nicht brennen, weil dann die Algen überhand nehmen würden, ein schwaches Nachtlicht hat sich jedoch bewährt. Das Aquarium sollte nicht komplett dunkel stehen.
Tag 2 Gespannt hüpfst du aus dem Bettchen und schaust gleich als erstes nach dem Aufzuchtbecken ... aber - och nööö, das Licht ist noch gar nicht an ... Selbstverständlich kannst du es auch schon früher anmachen, um nachzugucken, das schadet den Larven nicht. Ist alles in Ordnung, sammeln sie sich nach kurzer Zeit wieder im mittleren Bereich. Du wirst nun vereinzelt Larven sehen, die merkwürdig geknickt schwimmen - das ist ein gutes Zeichen, es bedeutet, dass diese Larven gerade fressen. Regloses Treiben im Wasser oder an der Wasseroberfläche oder zuckend am Boden liegen ist kein gutes Zeichen, eine gewisse Ausfallrate ist jedoch normal, vor allem in den ersten Tagen. Wichtig ist das Verhalten der überwiegenden Mehrheit der Larven. Wenn diese schön in der leichten Strömung des blubbernden Wasserschlauches stehen und manche von ihnen im 90°-Winkel geknickt durchs Wasser treiben, ist alles gut. Eventuell ist das Wasser noch leicht milchig, es sollte aber nicht mehr so trüb sein wie am Vortag. Gefüttert wird am zweiten Tag nicht.
Tag 3 Das Wasser sollte weiter aufgeklart haben. Wir füttern nach Beginn der Beleuchtungszeit 10 Tropfen Liquizell.
Tag 4 Heute wird wieder eine Futterpause eingelegt. Die Larven sollten von der Größe her schon etwas zugelegt haben. Wenn nicht - hey, sie sind erst vier Tage alt, das kommt noch.
Tag 5 Heute füttern wir mit fein vermahlenem Spirulinapulver. Dazu rühren wir einen Viertelteelöffel reines Spirulinapulver in etwas Wasser ein, schütteln gut durch und geben 30 Tropfen von dieser dunkelgrünen Suspension ins Aufzuchtbecken.
Tag 6 Heute ist wieder Futterpause angesagt. Einzelne Larven sitzen nun eventuell schon an den Scheiben und grasen den Algenbelag ab.
Tag 7 Eine Woche ist vergangen, Zeit für eine Bestandsaufnahme. Die Kleinen sollten nun schon deutlich gewachsen sein. Außerdem ist nochmals Futterpause.
Tag 8 Heute füttern wir 20 Tropfen Liquizell.
Tag 9 Futterpause
Tag 10 Heute gibt es 15 Tropfen Liquizell.
Tag 11 Heute ist wieder Futterpause. Schaut man genau (mit einer Lupe o.ä.), kann man erkennen, dass einige Larven Kot absetzen: bei ihnen hängt ein kleiner Faden am Darmausgang. Keine Sorge, das ist ein gutes Zeichen! Die Verdauung funktioniert offenbar ...
Tag 12 Das Wasser hat einen grünlichen Schimmer angenommen, die Larven schwimmen kräftig, viele sind im Futterknick. Heute ist nochmal Futterpause.
Tag 13 Heute füttern wir nochmals 30 Tropfen Spirulinasuspension.
Tag 14 Futterpause. Die Amanogarnelenlarven sind jetzt rötlichbraun gefärbt.
Tag 15 Heute werden ca. 30% Wasser gewechselt. Im 54-l-Aquarium macht das ungefähr 18 Liter. Den Wasserwechsel nehmen wir mit einem Schlauch vor, dessen Ende im Becken wir mit einem Artemiasieb schützen, damit wir keine Larven absaugen. Der Schlauchdurchmesser sollte maximal 8 mm betragen, sodass der Sog die Larven nicht am Artemiasieb festsaugt. In das Frischwasser (auch 18 Liter) geben wir ein halbes Kilo Meersalz und rühren gut um. Es sollte möglichst dieselbe Temperatur haben wie das Aquariumwasser. Den Eimer schütten wir dann einfach ins Becken und füttern zum Abschluss noch 20 Tropfen Liquizell.
Auch ganz ohne Wasserwechsel haben wir schon mehrere Würfe groß gezogen, aber sicher ist sicher, daher wechseln wir. Tägliche Wasserwechsel waren eher kontraproduktiv.
Tag 16 Futterpause.
Tag 17 Futterpause. Viele der Larven sitzen nun öfter in Bodennähe oder auch auf den Scheiben, wo sie Algen futtern.
Tag 18 Heute füttern wir nochmals mit Spirulinasuspension - aber nur, wenn das Wasser nicht grünlich ist. Ist es grünlich, wird nicht gefüttert. Die grünliche Trübung des Wassers kann stark schwanken. Es entwickelt sich eine Algenflora im Wasser, die von den Larven gern gefressen wird. Wenn die grüne Trübung zu dick wird, solltest du die Beleuchtungszeit reduzieren. In undurchsichtig grüner Brühe haben wir nicht eine Larve groß bekommen.
Tag 19 Futterpause.
Tag 20 Futterpause. Die Larven sind nun schon ziemlich groß, und manchmal sieht man die eine oder andere, die sich schon wie eine richtige Garnele bewegt. Das geht aber nur ganz kurz so, normalerweise schwimmen sie einfach so wie immer.
Tag 21 Heute werden nur dann 20 Tropfen Liquizell gefüttert, wenn das Wasser klar ist.
Tag 22 Futterpause.
Tag 23 Futterpause.
Tag 24 Nur wenn das Wasser relativ klar ist, füttern wir heute Spirulina.
Tag 25 Futterpause. Nun kann man eventuell schon die ersten fertigen Amanogarnelen im Aquarium sitzen sehen, man muss da allerdings genau hinschauen, um sie zu entdecken. Sie sitzen gerne an den Silikonfugen oder grasen die Algenbeläge an der Seitenscheibe ab. Die fertigen Garnelen sind vollkommen durchsichtig, nicht mehr rötlichbraun. Im Aufzuchtbecken sollten sie nun ausreichend Nahrung finden, sodass man nicht gesondert zufüttern muss. Die fertigen Garnelen schwimmen sehr schnell, gezielt und geschickt, so wie wir das von den adulten Amanogarnelen im Aquarium auch kennen.
Tag 26 Wenn das Wasser nicht grünlich ist, geben wir nochmals 15 Tropfen Liquizell. Danach wird nicht mehr gefüttert.
Tag 27 Futterpause.
Tag 28 Futterpause. Wir wechseln nochmals 30% Wasser wie oben beschreiben.
Tag 29-32 Futterpause.
Tag 33 Mittlerweile sollten fast alle Larven die Metamorphose zur fertigen Amanogarnele geschafft haben. Ein paar Nachzügler sind aber normal.
Tag 35-43 Futterpause.
Tag 44

Nun können die jungen Garnelen ins Süßwasser umgesetzt werden. Dass sie "fertig" sind, erkennt man an der vollkommen transparenten Farbe, der rötliche Streifen fehlt nun komplett.

Wir keschern sie ganz einfach aus dem Aufzuchtbecken und setzen sie um. Hierbei kam es bei uns zu keinerlei Verlusten. Sofort fingen die Kleinen an, die neue Umgebung zu erkunden und zu futtern. Wer schonender vorgehen möchte, kann natürlich auch einfach einen 50%igen Wasserwechsel mit Frischwasser machen und die Amanos nach ca. einer Stunde dann umsetzen.

 

Autor: Frank und Carsten Logemann

Fotos: Garnelenhaus (zuerst veröffentlicht auf caridinajaponica.de)