Aufwuchs

Biofilme auf Oberflächen im Aquarium werden oft auch Aufwuchs genannt. Viele Aquarientiere, darunter natürlich vor allem Zwerggarnelen, aber auch viele Fische wie Antennenwelse, Ohrgitterharnischwelse (Otocinclus) und manche Schmerlen wie zum Beispiel der Flossensauger ernähren sich unter anderem von Aufwuchs. Für Garnelen stellt Aufwuchs in der Natur eine der Hauptnahrungsquellen dar.

Biofilme im Aquarium dienen jedoch nicht nur als wertvolles Futter, sie sind auch maßgeblich an der Nitrifikation beteiligt. Biofilme stehen außerdem in Konkurrenz zu pathogenen Keimen und stellen somit einen wichtigen Faktor zur Vorbeugung von Krankheiten dar.

1 Aufwuchs fördern

Den Aufwuchs zu fördern sollte daher der Grundsatz in jedem Aquarium sein. Dies gilt insbesondere, wenn sogenannte Aufwuchsfresser im Aquarium gehalten werden. Bemerkst du, dass deine Aufwuchsfresser wie Welse oder Rennschnecken, Geweihschnecken oder Napfschnecken deutlich dünner werden oder gar hungern, kannst du als Sofortmaßnahme Algensteine ansetzen.

1.1 Laub

Ein großer Teil der Bakterien im Biofilm ernährt sich von organischem Material und ist daher besonders dort vorhanden, wo zersetzende, oxidierende bzw. abbauende Prozesse stattfinden.

Braunes Laub, Rinde und Holz im Aquarium ist daher ein optimales Substrat für Aufwuchs, gleichzeitig aber wirkt es durch die ans Wasser abgegebenen Huminsäuren LINK keimhemmend. Huminsäuren hemmen unerwünschte pathogene Keime im Aquarium, vor allem im Freiwasser, während die erwünschten Bakterien, die in den Biofilmen sitzen, davon nicht beeinträchtig werden.

1.2 Mineralzugabe

Eine besondere Bedeutung kommt im Aquarium der Mineralstoffzufuhr zu. Im begrenzten Lebensraum des Aquariums ist der Vorrat von Mineralstoffen und Spurenelementen begrenzt, zudem werden sie laufend verbraucht. Eine Zufuhr findet oft nur durch das Futter und das Wechselwasser statt. Unter Umständen kann dieses jedoch arm an Spurenelementen sein – eine Ausbildung von ausreichend Aufwuchs wird durch diesen Mangel begrenzt.

Mineralien werden in jeder Zelle benötigt, also brauchen auch Bakterien Mineralstoffe und Spurenelemente. Neben Phosphor benötigen Mikroorganismen besonders Kalium, Calcium, Magnesium und Natrium – diese sind essentiell und müssen daher von außen zugeführt werden. Einerseits geschieht dies durch die richtige Wahl des Futters - Algen sind z. B. reich an Spurenelementen und einige durch ihre geringe Größe von Bakterien leicht verwertbar -, andererseits durch das Zuführen von Mineralprodukten oder das Aufbereiten von Osmosewasser mit Aufhärtesalzen wie etwa SaltyShrimp Mineral.

Kalium ist für einen funktionierenden Stoffwechsel der Bakterien wichtig, ebenso ist es an der Regulation des Wasserhaushalts der Zellen beteiligt. Viele Strukturen in den Zellen werden durch Magnesium zusammengehalten und stabilisiert, wie etwa auch die Ribosome (Erbinformation) der Bakterien.
Neben Kalium, Calcium, Magnesium und Natrium sind auch viele weitere, mengenmäßig geringer vorkommende Spurenelemente essentiell für die Bildung von Aufwuchs: Cobalt, Mangan, Kupfer, Zink, Molybdän, Chrom, Nickel, Vanadium, Bor, Selen, Silicium, Wolfram, Chlor, Jod.

Diese Elemente sind Bestandteil des Enzymsystems und somit für den Stoffwechsel – von der Spaltung der Nahrung bis zur Zellteilung (Vermehrung) – von Bakterien zuständig.

1.3 Bakterienpräparate

Besonders ausgezeichnet in der Förderung des Aufwuchs haben sich Produkte wie Genchem Biozyme & Polytase oder Bacter AE von GlasGarten. Sie unterscheiden sich drastisch von sogenannten Filterstartern oder Filterbakterien, die als „Lebendkultur“ in flüssiger Form angeboten werden, vor allem deswegen, da sie aus Zysten bzw. Sporen bestimmter Bakterienkulturen bestehen und in Pulverform erhältlich sind.

Bakterien sind in der Lage, bei lebenswidrigen Umständen Sporen zu bilden, welche eine Überdauerungsform darstellen und aus welchen bei passenden Bedingungen wieder aktive Bakterien hervorgehen. Bakterienprodukte wie Genchem Biozyme & Polytase oder Bacter AE enthalten Sporen des Lactobacillus oder des Bacillus subtilis.

Die Zugabe von Bakterienkulturen hat sich nicht umsonst in der professionellen (Speise-) Tierzucht als Futtermittel und Krankheitsprävention durchgesetzt. Einerseits bieten solche Produkte bei der Verwendung im Aquarium den Tieren eine natürliche Futterquelle – Pulver, das ungefressen vom Filter angesaugt wird oder im Bodengrund versickert, wirkt sich nicht wasserbelastend aus, ganz im Gegenteil. Daraus entwickelt sich zusammen mit anderen Bakterien ein nützlicher schadstoffabbauender Biofilm. Dieser vermehrt sich bei ausreichend Nahrungsangebot in der Folge selbstständig weiter und dient besonders jungen Garnelen dauerhaft als Futter. Bei Genchem Polytase sind außerdem noch extrem fein vermahlene Heilkräuter enthalten, welche nicht nur den Garnelen zugutekommen, sondern auch direkt den Bakterien als Nahrung dienen und somit den Aufwuchs nachhaltig fördern.

1.3.1 Direkter Nutzen für die Aquarientiere

Gelangen diese Bakterienkulturen in den Darm der Tiere, bilden sie eine starke Konkurrenz zu pathogenen Keimen. Der häufigste Infektionsweg ist bei Fischen, Garnelen und Krebsen der Darm, die bakterielle Infektion erfolgt also durch ein Überhandnehmen von schädlichen Bakterien im Verdauungstrakt. Versuche belegen, dass durch gezieltes Verfüttern dieser Bakterienkulturen sogar die vielgefürchtete Bakterienunverträglichkeit bzw. die empfindliche Reaktion von Tieren gegenüber nicht bekannten Bakterienstämmen verhindert werden kann.

 

Autor: Ricardo Castellanos

Quelle: GlasGarten: Bacter AE

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