Die Farben der Garnelen

Bunte und farbig gemusterte Garnelen sind in der Aquaristik total beliebt, egal, ob Neocaridina, Paracaridina oder Caridina. Wie kommen die Farben bei den Zwerggarnelen aber überhaupt zustande, und wie lassen sich Farbintensität und Farbverteilung beeinflussen? Gibt es Unterschiede bei den Pigmenten?

1 Deckfarbe

Von der Deckfarbe spricht man bei Zwerggarnelen, die Farbzellen oder Chromatophoren besitzen. Diese meist sternförmigen Zellen sitzen im Gewebe unter dem Panzer in der sogenannten Pigmentschicht. Die Farbzellen werden bei Zwerggarnelen - anders als zum Beispiel bei Krebsen oder Krabben - nicht mitgehäutet. Weil der Panzer von Süßwassergarnelen gänzlich transparent ist, sind die Farbzellen uneingeschränkt sichtbar.

Gut sichtbar: die sternförmigen Chromatophren am vorderen Ende des Carapax dieser Red Devil OE

Die Farbzellen der Garnele können sich - durch Hormone gesteuert - ausdehnen oder zusammenziehen. Wie dicht die Farbzellen sitzen, lässt sich durch Zuchtauswahl beeinflussen. Sitzen die Farbzellen nicht sehr eng zusammen, können die Garnelen nahezu durchsichtig werden - schön sieht man das zum Beispiel nach dem Versand. Manche Arten sind dann nahezu transparent und nehmen erst nach einigen Tagen im neuen Zuhause wieder ihre ursprüngliche, intensivere Farbe an.

1.1 Farbpigmente

Für die unterschiedlichen Farben in der Pigmentschicht der Garnelenhaut ist mit Ausnahme von Gelb- und Weißtönen der natürliche Farbstoff Astaxanthin zuständig. Obwohl Astaxanthin an sich rot ist, ergeben sich in Kombination mit verschiedenen Komplexproteinen in den Chromatophoren rote, gelbe und blaue Farbtöne. Die unterschiedlichen Garnelenfarben entstehen durch die Kombination dieser Grundfarben. Alle drei Farben zusammen ergeben ein schmutziges Schwarzbraun, wie wir es zum Beispiel von der wilden Bienengarnele kennen.

Schön zu erkennen: Die dunkle Farbe der wilden Bienengarnele ist kein reines Schwarz.

Astaxanthin nimmt die Garnele mit dem Futter auf, daher ist es möglich, die Intensität der Deckfarben durch ein geeignetes Farbfutter zu beeinflussen.

Stirbt die Garnele, zerfallen die komplexen Proteine, die die Farbpigmente mit Astaxanthin zusammen bilden, recht schnell, und nur noch die rote Farbe des Astaxanthins bleibt sichtbar. So kommt der "gekochte" Look bei toten Garnelen zustande, deren Pigmente auf Astaxanthin basieren. Weiße oder gelbe Garnelen verfärben sich nach dem Tod dagegen nicht so dramatisch, sie werden lediglich weißlich.

2 Körperfarbe oder Unterfarbe

Verschiedene Garnelen wie die Taiwan Bee / Shadow Bee (Caridina sp.) und andere Caridina-Hybriden, verschiedene Neocaridina-Varianten wie die Blue Jelly oder die Blue Dream, die Blue Carbon Rili und die Blue Red Rili, aber auch Wildformen wie die Tangerine Tiger, die Aura Blue (beides Varianten von Caridina cantonensis) und manche Tigergarnelen (Caridina mariae) besitzen (teils zusätzlich zur Deckfarbe bzw. zum Muster, das durch Farbzellen in der Pigmentschicht unter der Cuticula gebildet wird) noch eine Körperfarbe oder genauer eine Unterfarbe, die nicht in Farbzellen liegt, sondern "lose" in der Haut. Meist ist die Unterfarbe gelb bis orange oder aber hellblau bis dunkelblau.

Durch Zucht lässt sich auch die Farbintensität der Unterfarbe beeinflussen, jedoch nicht durch Hormone. Die Innenfarbe, Unterfarbe oder Körperfarbe bei Zwerggarnelen ist daher nicht stimmungsabhängig. Weil kein Astaxanthin bei ihrer Ausbildung beteiligt ist, lässt sie sich nicht durch Farbfutter intensivieren.

Eine Red Bolt mit orangegelber Unterfarbe.

 

Autor: Ulli Bauer

Fotos: Melanie Kirchbeck, Garnelenhaus

Quelle: Garnelen im Aquarium

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Deckfarbe und Unterfarbe