Die Häutung von Garnelen

1 Aufbau des Panzers

Garnelen besitzen wie alle Krebstiere ein sogenanntes Exoskelett (Außenskelett, aka Panzer), das hauptsächlich aus dem Polysaccharid Chitin, das für eine gewisse Zähigkeit und Elastizität sorgt, und aus Athropodin bzw. Sklerotin, das Stabilität bringt. Eingelagerte Mineralanteile, hauptsächlich Calcium, geben dem Panzer zusätzliche Festigkeit und machen ihn hart. Diese feste Haut umgibt den Körper der Garnele und gibt dem Gewebe Halt. Sie wächst nicht mit. Details über den Panzeraufbau bei Garnelen findet ihr im entsprechenden Artikel.

2 Häutung ermöglicht Wachstum

Garnelen müssen sich daher ihr Leben lang häuten, damit sie wachsen können. Dazu wird die alte Haut abgeworfen. Wird der alte Panzer zu eng, werden Hormondrüsen aktiv, die den Häutungsvorgang einleiten. Das Häutungshormon Ecdyson ist für den Ablauf der Häutung bei Zwerggarnelen verantworlich.

Zur Ausschüttung von Ecdyson braucht die Garnele Jod. Nitrat hemmt die Aufnahme von Jod, ein zu hoher Nitratwert im Aquarienwasser kann daher wie einige anderen Faktoren bei Zwerggarnelen zu Häutungsproblemen führen.

Vor der Häutung verhält sich die Garnele ruhiger und zieht sich zurück, denn ein für das Tier physisch sehr anstrengender Prozess beginnt.

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3 Der Häutungsvorgang

Zunächst werden dem alten Panzer die eingelagerten Mineralien entzogen, wodurch dieser weicher wird. Hierbei kann sich die Farbe vor allem bei weißen Garnelen verändern, sie können sich ins gelbliche oder rötliche verfärben. Dies ist dann kein Zeichen einer Krankheit!

Unter der alten Haut bildet sich der neue Panzer. Die Mineralien werden später in den neuen Panzer eingebaut. Die Garnele häutet alle Körperanhänge wie Beine, Scheren, Fühler, aber auch die Kiemen und sogar die Mundwerkzeuge und Teile ihres Kaumagens mit. Es kann vorkommen, dass sich Garnelen, die sich auf die Häutung vorbereiten, leicht milchig-trüb verfärben. Dies ist in der dann eingeschränken Funktion der Kiemen begründet und deutet auf einen leichten Sauerstoffmangel hin, das Phänomen ist im Rahmen einer Häutung jedoch kein Grund zur Besorgnis.

Die Häutung teilt sich in zwei Phasen. Die erste Phase nennt sich Apolyse. Hier trennt sich die Oberhaut (Cuticula) von dem darunter liegenden Gewebe, der Epidermis. Die Epidermis produziert dabei zunächst die neue Oberhaut und sondern dann die Exuvialflüssigkeit ab, ein Sekret, das die alte Cuticula ablöst, sowie ein Verdauungsenzym, das sie auflöst. Dabei werden der alten Haut die Mineralstoffe entzogen, und sie wird weicher und elastischer. Der dabei zwischen alter und neuer Haut entstehende Spalt nennt sich Exuvialraum oder Exuvialspalt. Auch hierdurch kann sich die alte Haut leicht eintrüben.

Ecdysis heißt die zweite Häutungsphase. Zu Beginn der eigentlichen Häutung platzt der Panzer der Garnele an der Naht zwischen Carapax (Kopf-Brustpanzer) und dem Pleon (dem Hinterleib) auf. Dies nennt man auch Häutungsspalt oder Häutungsfuge. Bei einigen Garnelen öffnet sich diese Fuge bereits einige Stunden bis Tage vor der Häutung. Dann zieht die Garnele zunächst langsam ihren Kopf-Brustbereich mit den Fühlern und den Beinen aus der alten Haut. Ist der vordere Teil von der alten Hülle befreit, springt die Zwerggarnele mit einem kräftigen Zucken aus der hinteren Hälfte der Haut und krabbelt in Deckung.

 

Die abgeworfene Haut nennt man Exuvie. Diese Exuvien sollten im Aquarium gelassen werden, die Garnelen fressen sie und versorgen sich so mit Nährstoffen für ihren Panzer.

4 Wie wachsen Garnelen trotz ihrer festen Haut?

Unmittelbar nach der Häutung ist der Panzer der Krebstiere noch weich. Nun pumpt sich die Garnele mit Wasser auf und dehnt so ihre neue Haut auf, damit sie Platz für das weitere Wachstum hat. Danach ist sie um ca. 10% größer. Im Lauf der Zeit wird dieses Wasser im Gewebe durch Eiweiß ersetzt, solange, bis es Zeit für die nächste Häutung ist.

5 Häutung/Paarung: Die Häutung ermöglicht die Paarung

Direkt nach einer Häutung sind paarungsbereite weibliche Garnelen weich genug, sodass sie ihre Eier aus dem Panzer pressen können. Daher schütten sie dann Paarungshormone aus und es kommt zur Paarung.

6 Regeneration von Gließmaßen

Im Zuge der Häutung, die im jungen Alter öfters stattfindet und im Alter immer größeren Intervallen unterworfen ist, können fehlende Gliedmaßen ersetzt werden.

7 Die Häutung anregen

Es gibt neben dem natürlichen Wachstum noch den ein oder anderen Faktor, der Garnelen zur Häutung anregt.

Das wären zum Beispiel:

  • höhere Temperaturen im Aquarium, da diese das Wachstum beschleunigen und so ein kürzeres Häutungsintervall notwendig machen
  • zu kaltes Wasser, das beim Teilwasserwechsel zugeführt wird. Es kann eine sogenannte Schockhäutung auslösen, die dann oft zum Tod des Tieres führt.


Bei der Häutung der Tiere kann es zu Häutungsproblemen kommen, die zum Tod führen können.

 

Autor: Philipp Well, Ulli Bauer

Fotos: Ulli Bauer, Chris Lukhaup Video Häutung: Martina Huber, Video Exuvie: Ricardo Castellanos

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