Was ist Nitrat?

Nitrat (NO3) ist eine Stickstoffverbindung. Sie wird im Zuge des Stickstoffkreislaufes bzw. durch die Nitrifikation aus Ammonium gebildet. Pflanzen verwerten Nitrate als Nährstoffe, sie dienen ihnen im Laufe der Photosynthese vor allem für den eigenen Stoffwechsel und zur Bildung von Eiweißen. Nitrate werden von Pflanzen in vergleichsweise hohen Mengen gebraucht und können zudem von den Pflanzen gespeichert werden; die Menge jedoch unterscheidet sich von Art zu Art.

1 Auswirkungen hoher Nitratwerte

1.1 bei Fischen

Als Grenzwert für Fische wird oft 100mg/l NO3 angegeben, jedoch treten oftmals bei vielen Arten gesundheitliche Folgen wie Kleinwüchsigkeit und Verkümmerung bereits bei viel niedrigeren Werten ein.

1.2 bei Garnelen

Andere Tiere wie Garnelen weisen eine noch niedrigere Toleranz auf. Garnelen brauchen Jod, um das Häutungshormon Ecdyson ausschütten zu können. Nitrat hemmt jedoch die Aufnahme von Jod, weshalb ein zu hoher Nitratwert im Wasser zu Häutungsproblemen führen kann. Dies betrifft insbesondere die auf Verschmutzungen deutlich empfindlicher reagierenden Garnelen aus sehr sauberen Habitaten wie die aus schnell fließenden Bächen mit einem entsprechenden Wasserdurchsatz stammenden Bienengarnelen (Caridina logemanni), die Tigergarnelen (Caridina mariae), die Stardust-Garnele (Caridina serrata), Aura Blue und Tangerine Tiger (beide Varianten von Caridina cantonensis) und alle ihre Abkömmlinge, also die beliebten Hochzuchthybriden, aber auch die Sulawesigarnelen aus dem sehr nährstoffarmen Malili Seensystem. Hierzu gehören beispielsweise die Kardinalsgarnele (Caridina dennerli), die Blaufußgarnele (Caridina caerulea), die Harlekingarnele (Caridina woltereckae), die Red Line Garnele (Caridina striata), die Goldfleck-Garnele Caridina spinata und viele mehr. Für diese Garnelen werden Grenzwerte von 10 mg/l empfohlen. Dagegen sind Garnelen aus stehenden Gewässern (Neocaridina davidi zum Beispiel, oder Neocaridina palmata, aber auch die Amanogarnele Caridina multidentata) weniger empfindlich gegenüber Nitrat. Hier sollte man sich auf einen Wert von 25 mg/l beschränken.

1.3 bei Pflanzen

Des Weiteren stagniert das Pflanzenwachstum bei zu hohen Nitratwerten. Oft wird durch nitrathaltiges Leitungswasser ein Ungleichgewicht im Nährstoffverhältnis erzeugt, was den Algenwuchs im Aquarium begünstigt.

2 Nitratwert bestimmen

Der Nitratwert des Wassers kann durch Tröpfchentests oder Streifentests gemessen werden, wobei die Tröpfchentests für die genaue Bestimmung besser geeignet sind.

3 Leitungswasser und Nitrat

Nitrat gelangt auf viele Wege ins Aquarium, einer davon das Leitungswasser. Durch überdüngte Böden bzw. das Austragen von Gülle sickert viel davon ins Grundwasser und landet schließlich im Trinkwasser. Der gesetzliche Grenzwert für Nitrat im Trinkwasser liegt bei 50 mg/l, welcher jedoch in vielen Fällen (10-30 % der Messstellen) je nach Jahreszeit überschritten wird. Die Folgen für das Aquarium können unschöne Ausmaße annehmen, insbesondere durch die weitere Anhäufung des Nährstoffs durch fehlende Wasserhygiene.

4 Entstehung im Aquarium

Zusätzlich „produzieren“ die Aquarienbewohner durch ihren Stoffwechsel ebenfalls NO3. Wie zu Beginn erläutert benötigen Pflanzen den Stickstoff (N) aus den Nitraten für ihren eigenen Aufbau - Eiweiße enthalten Stickstoff. Über die Nahrungskette gelangt der Stickstoff als Eiweiß in das Futter unserer Aquarientiere. Durch die Verwertung der Proteine wird dieser als Harnstoff (Urea, chemische Formel: CH4N2O) wieder von den Tieren an das Wasser abgegeben und somit steht wieder Stickstoff für die Pflanzen bereit. Im Zuge der Nitrifikation durch Bakterien wird der ausgeschiedene Harnstoff über Ammonium (NH4) / Ammoniak (NH3) und Nitrit (NO2) in Nitrat (NO3) umgewandelt. Bei hohem Besatz und/oder starker Fütterung entsteht dementsprechend mehr Nitrat.

5 Wichtig: Woher stammt das Nitrat?

Der Ursprung des Nitrats hat seine Wichtigkeit im Aquarium. Nitrat organischen Ursprungs, d. h. NO3, das durch bakterielle Verwertung von zu lange im Becken verweilendem Futter, gammelnden Pflanzen(-resten), Ausscheidungen der Tiere oder toten Tieren entsteht, gilt es weitestgehend zu vermeiden, bzw. durch häufige Wasserwechsel zu reduzieren. Durch diverse Prozesse (z. B. Verwesung) können neben Nitrat hier nämlich zusätzliche belastende Faktoren für die Tiere entstehen, wie zum Beispiel eine hohe Keimdichte, Fäulnisgase, Ammoniak, Nitrit etc. Durch die erhöhte Bakterientätigkeit kann es zudem noch zu einem gefährlichen Sauerstoffmangel kommen. Wird der Nitratanteil im Wasser durch die Mineralform erhöht (wie sie in den Düngern verwendet wird), steht der höhere Nitratwert nicht mit einer Umwandlung durch Bakterien (wie bei Fäulnis, Verwesung oder „gammelnden“ Futter) in Verbindung, ist daher weniger problematisch und wird i. d. R. von den Tieren etwas besser vertragen.

6 Nitrat als Pflanzennährstoff

Nitrat wird gezielt als Pflanzennährstoff in bepflanzten Aquarien und Aquascapes eingesetzt, hierzu gibt es einen separaten Artikel.

 

Autor: Ricardo Castellanos
Co-Autor: Ulli Bauer

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Nitrat NO3