Die Immunabwehr bei Garnelen und anderen Krebstieren

Bakterielle Infektionen, sogenannte bakterielle Unverträglichkeiten und auch mysteriöses Garnelensterben treten zwar auch in der Aquaristik auf, jedoch sind sie in der Speisegarnelenzucht ebenfalls bekannt. Diese ist ein wichtiger Wirtschaftszweig, und dementsprechend gut sind die Speisegarnelen erforscht. Von dem Wissen über die Vermeidung von Ausfällen in der Speisegarnelenproduktion können wir Aquarianer und Garnelenfreaks durchaus profitieren.

1 Das Immunsystem der Crustaceen

Das Immunsystem der Krebstiere wird hin und wieder als angeborenes, unspezifisches, einfaches oder primitives Immunsystem bezeichnet. Allerdings ist es bis heute nicht vollständig erforscht, sodass hier noch durchaus Überraschungen zu erwarten sind. Kurz gesagt: Das Garnelenimmunsystem funktioniert - nach heutigem Erkenntnisstand - anders als unser menschliches.

1.1 Unspezifisches bzw. angeborenes Immunsystem

Das Immunsystem von Garnelen, Krebsen, Krabben und anderen Crustaceen ist weniger flexibel und weniger adaptiv als das der Säugetiere. Dieses nicht spezifische oder angeborene Immunsystem wird erst dann aktiv, wenn es durch Zucker- und Proteinstrukturen an der Oberfläche möglicher Erreger aktiviert wird.

1.1.1 Erregererkennung

Diese Erkennung übernehmen die sogenannten Lektine: Hier handelt es sich um antimikrobielle Substanzen, Gerinnungsstoffe und strukturerkennende Proteine. Sie lösen eine Immunreaktion zur Bekämpfung des Eindringlings aus - Fresszellen nehmen sich der eingedrungenen Feinde an. Die Erregererkennung funktioniert über eingelagerte Stoffe in der Hülle der Keime - wie zum Beispiel Beta Glucanen, was man sich bei der Garnelenzucht durchaus zunutze machen kann. Wird ein Erreger erkannt, werden die Fresszellen (Makrophagen) aktiv, die die Krankheitserreger umschließen und sie durch proteinspaltende Enzyme (sogenannte Proteasen), durch die Bildung von organischen Säuren und durch Oxidasen unschädlich machen.

1.1.2 Bilden Garnelen Antikörper?

Antikörper gegen zukünftige Infektionen mit dem Erreger und damit eine Immunität im strengen Sinne bildet eine Garnele nicht aus. Dennoch legt der aktuelle wissenschaftliche Stand nahe, dass das Zusammenspiel der Proteine, der Makrophagen (Fresszellen) und der Muster erkennenden Lektine unseren Krustentieren auch ohne ein Immungedächtnis ein höchst effektives Immunsystem gibt.

1.1.3 Immunantwort auf Hautläsionen

Einen Sonderfall bilden die Infektionen der Haut bzw. mögliche Eintrittsstellen für Erreger: Rund um Verletzungen seiner Cuticula lagert ein Krebstier den Farbstoff Melanin ein, um so eindringende Erreger möglichst schon abzukapseln, bevor sie das Körperinnere erreichen. Bei der sogenannten Rostfleckenkrankheit tritt dieses Phänomen sehr deutlich zutage, aber auch im Fall abgeworfener oder verlorener Gliedmaßen sieht man deutlich, dass die Trennstelle eine braune Färbung annimmt.

2 Infektionswege und Infektionen

Interessanterweise werden bakterielle Infektionen bei Garnelen und anderen Krebstieren in der Regel nicht durch tatsächlich pathogene Bakterien hervorgerufen, also nicht durch Krankheitserreger im strengen Wortsinn, sondern durch nicht spezialisierte Bakterien, die im Aquarium eben einfach vorhanden sind - die sogenannten ubiquitären Keime. Häufig sind dies Bakterien der Gattungen Vibrio, Aeromonas und Pseudomonas.

2.1 Ursache für eine Erkrankung bei Krebstieren

Die Ursache für eine bakterielle Erkrankung ist meist in den Umweltbedingungen zu suchen - einer hohen Keimzahl im Wasser, Stress, ungeeignetes Futter, unpassende Wasserwerte, ... all diese Faktoren eröffnen den Bakterien Möglichkeiten, aber all diese Faktoren hat ein Aquarianer auch selbst in der Hand. Wie man ein möglichst günstiges Umfeld für Garnelen schafft, erklären wir im Artikel "Krankheiten vorbeugen ist besser als heilen".

2.2 Wie gelangt der Keim in den Körper?

Bakterien gelangen häufig über die Kiemen, über den Verdauungstrakt und natürlich auch über eventuelle Verletzungen in die Garnele bzw. in den Krebs hinein. Spätestens jetzt ist offensichtlich, warum relativ keimarmes Wasser und eine ausgewogene Ernährung für eine erfolgreiche Garnelenhaltung und Garnelenzucht so wichtig sind. Dies trifft natürlich auch auf andere Krebstiere zu!

 

Autor: Ricardo Castellanos
Co-Autor: Ulli Bauer

Fotos: Garnelenhaus

Quelle: Garnelen & Immunabwehr, Ricardo Castellanos, caridina-Magazin 3/2018

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