Die Keimdichte senken

Viele Aquarientiere wie etwa Fische aus Schwarzwasser-Flüssen und dem Malawisee und ganz besonders natürlich auch Garnelen wie die Bienengarnele oder Sulawesigarnelen aus dem Malili-Seensystem sind in der Natur einer sehr niedrigen Keimdichte ausgesetzt. Speziell Garnelen aus Fließ- bzw. Quellgewässern haben ständig frisches Wasser – eine Anreicherung von Schadstoffen und freischwimmenden Keimen ist somit unmöglich, da sie laufend fortgespült werden. Der Unterschied in der Keimdichte zwischen Gewässern in der Natur und einem Aquarium ist enorm.

1 Die Problematik einer hohen Keimzahl im Aquarium

Eine hohe Keimzahl kann im Garnelenaquarium zu Problemen führen - Zwerggarnelen werden dadurch anfällig für Infektionen durch Bakterien, aber auch durch Viren, Pilze oder Parasiten wie Saugwürmer oder parasitische Algen. Das Problem einer hohen Keimdichte ist weit verbreitet in der Aquaristik, und es gibt entsprechend viele Ansätze und Produkte zum Senken der Anzahl der Keime beziehungsweise zum Niedrighalten. Grundsätzlich sollte man immer präventiv arbeiten, also eine extreme Ausprägung der Keimdichte vermeiden - Stichwort: vorbeugen ist besser als heilen.

Wer genau wissen möchte, wie viele Keime und Bakterien sich im Aquarium tummeln, kann in unserer Aquarienwiki genauer nachlesen, wie man die Keimzahl im Aquarienwasser messen kann.

2 Prävention - die Keimdichte niedrig halten

2.1 Futter

Welches Futter man wählt und welche Futtermenge man in welchen Intervallen füttert, ist entscheidend für die Entwicklung von Bakterien und Keimen im Aquarium. Futter sollte niemals länger als wenige Stunden im Aquarium liegen bleiben; nicht gefressenes Futter füttert die Keime und Bakterien und führt so zu einer rasend schnellen Vermehrung derselben. Besonders „frisches“ Futter (frische Gurke, grüne Blätter, gekochte Karotte usw.) stellt durch den enthaltenen Zucker eine optimale Nahrungsquelle für diese dar – eine hohe Keimbelastung ist hier die Folge, wenn dieses Futter zu lang im Becken verweilt. Keinesfalls sollte man Frischfutter über Nacht im Aquarium lassen, um einen Sauerstoffmangel zu vermeiden.

Als Grundsatz gilt: nur so viel füttern, wie die Tiere innerhalb von zwei bis drei Stunden vollständig auffressen können. Reste entfernen!

Nicht selten resultiert aus einer übermäßigen Menge an Futter, das zu lange im Aquarium liegen bleibt, sogar eine Bakterienblüte, welche man an der milchig-trüben Einfärbung des Wassers erkennen kann. Die Bakterien verbrauchen sehr viel Sauerstoff. Der Sauerstoffmangel und der hohe Keimdruck kann sich tödlich auf die Tiere auswirken.

2.2 Wasserwechsel

Der Wasserwechsel soll den natürlichen (in der Natur oft) stetigen Wasseraustausch ersetzen, der Schadstoffe und Keime einfach wegspült. Dementsprechend sollte der Teilwasserwechsel im Aquarium auch mit Sorgfalt durchgeführt werden, denn dieser stellt die natürlichste Maßnahme dar, um die Anzahl der Keime (und Schadstoffe) zu reduzieren. In der Aquaristik hat sich ein wöchentlicher Wasserwechsel von ca. 10-50% etabliert – das stellt einen Kompromiss dar, mit dem die Tiere üblicherweise gut zurechtkommen und be dem der Zeitaufwand sich in Grenzen hält. Der Wasserwechsel kann jedoch durchaus je nach Notwendigkeit auch öfter vorgenommen werden und größer ausfallen.

Je größer der Teilwasserwechsel ausfällt, umso größer ist auch der Austrag von Keimen und belastenden Stoffen. Bei Problemen wechseln manche Aquarianer bis zu 90% des Aquarienwassers auf einmal, die übliche und empfohlene Menge liegt aber bei den meisten bei etwa 10-50%. Je nach Empfindlichkeit der gepflegten Arten sollte das Wechselwasser der Temperatur im Aquarium angepasst („temperiert“) sein, in etwa der Wasserhärte des Aquarienwassers entsprechen und eventuell auch langsam zugefügt werden.

2.3 Den Bodengrund sauberhalten

Viele kleinere Futterstücke werden besonders von Garnelen und Krebsen innerhalb des Aquariums verschleppt. Weil Krebstiere beim Fressen grundsätzlich stark krümeln und generell keine sauberen Esser sind, können sich die kleinen Futterpartikel, die sie in der Gegend verteilen, in grobkörnigem Bodengrund wie zum Beispiel Kies oder Soil absetzen und dort gammeln. Gerade an den Futterplätzen hat es sich deshalb bewährt, wenn man beim Wasserwechsel dort die Mulmglocke ansetzt und die Futterreste aus dem Boden holt.

Die immer beliebter werdenden Futterschalen aus Glas oder Ton verhindern von vornherein, dass sich Futterreste in den Bodengrund hinein verabschieden können.

Ist das Wasser von den Werten her für Schnecken geeignet, können auch Malaiische oder Genoppte Turmdeckelschnecken wahre Wunder wirken - sie graben den Boden um und verwerten auch das Futter, das sich abgesetzt hat.

3 Die Keimdichte reduzieren

3.1 Wasserwechsel

Ein Wasserwechsel von 80% senkt auch die Keimdichte um 80%. Zur Behandlung von akuten bakteriellen Infektionen bei Garnelen empfiehlt die Tierärztliche Hochschule Hannover schon seit vielen Jahren tägliche Wasserwechsel von 80% mit an die Wasserwerte im Aquarium angepasstem Wasser.

3.2 UV-C

Eine der bekanntesten Methoden zur Reduzierung der Keimdichte ist die Verwendung eines UV-C-Klärers. Diese Methode wird schon lange in den verschiedensten Bereichen zur Entkeimung von Wasser verwendet – die Wirkung und Effektivität ist unbestritten. Die Wirksamkeit der Keimreduzierung ist von der Bestrahlungsintensität und der Dauer der Bestrahlung abhängig. Für das Aquarium bedeutet das: Je langsamer das Wasser durch den Klärer fließt und je stärker die Bestrahlung, umso mehr Keime und Algensporen werden abgetötet.

3.3 Oxydator / H2O2

Auch H2O2 (Wasserstoffperoxid) wird bereits seit langem in verschiedenen Bereichen (z.B. der Medizin) zur Desinfektion genutzt. Im Aquarium ist eine direkte H2O2-Zugabe nachweislich keimsenkend, sie ist jedoch auch mit dem Risiko verbunden, durch ihre ätzende Wirkung dem Besatz zu schaden. Eine sichere Variante ist die Verwendung eines Oxydators, in dem kontrolliert das H2O2 aufgespalten wird. So gelangt das ätzende Wasserstoffperoxid nicht direkt ins Wasser. Die keimsenkende Wirkung ergibt sich durch die Entstehung von freien Sauerstoffradikalen, die sehr reaktionsfreudig sind und die auch Bakterien und Keime im freien Wasser oxidieren und damit vernichten.

3.4 Twinstar / Elektrolyse

Das Wirkprinzip der Elektrolyse ähnelt dem von Wasserstoffperoxid, die Methoden sind jedoch unterschiedlich. Die Elektrolyse wird oft in der Abwasserreinigung eingesetzt, wie auch zur Desinfektion von Poolanlagen.
Bei der Elektrolyse entstehen - wie auch beim Oxydator - Sauerstoffradikale, die mit Keimen und Algensporen reagieren und diese abtöten.

3.5 Huminstoffe

Huminstoffe, darunter vor allem die Fulvosäuren, sind in der Aquaristik schon so lange bekannt, dass sie bei vielen bereits wieder in Vergessenheit geraten sind. Huminsäuren gelten als das natürliche Mittel zur Senkung des Keimdrucks im Aquarium schlechthin. In den meisten natürlichen Habitaten findet man Huminstoffe in großer Menge vor. Eine direkte Zugabe kann mit Präparaten wie dem GlasGarten Liquid Humin+ oder Black Water Powder SE/Fulvin+ realisiert werden; diese Methode hat den Vorteil, dass keine weitere organische Masse mit eingebracht wird und dass man die Huminstoffe und damit auch die Wirkung exakt dosieren kann. In der Natur fügen torfige und humusreiche Böden sowie das in vielen Gewässern vorzufindende Laub dem Wasser Huminsäuren zu.

Huminsäuren wirken selektiv, also nur auf bestimmte Bakterien. Sie greifen direkt in den Stoffwechsel des Bakteriums ein und schaden diesem so. Zusätzlich behindern Huminsäuren das Eindringen des Bakteriums in das Gewebe des Wirts, sie haben also eine Sperrwirkung.

 

Autor: Ricardo Castellanos
Co-Autor: Ulli Bauer

Fotos: By CDC/ Janice Haney Carr (phil.cdc.gov (search for "Vibrio Vulnificus")) [Public domain], via Wikimedia Commons

Quelle: GlasGarten Liquid Humin+
Quelle: Link zur Lizenz Creative Commons Public Domain CC0

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