Kleine Schlammschnecke

Radix sp.

Beschreibung

Die Gattung Radix spec., die zur Familie der Schlammschnecken oder Lymnaeidae gehört, ist wohl mit eine der bekanntesten einheimischen Wasserschneckengattungen. Die Lymnaeidae sind Wasserlungenschnecken, die in den Süßwassergewässern der nördlichen Halbkugel mit vielen Arten weit verbreitet sind. In der Aquaristik tummeln sich vermutlich neben heimischen Arten auch einige Radix sp. aus Asien. Die Gehäuse sind auch innerhalb der Arten sehr variabel, weshalb die Artunterscheidung rein nach Gehäuseform schwierig ist. Häufig muss man zur genauen Bestimmung auf eine Untersuchung der Weichteile zurückgreifen.

Schnecken aus der Gattung Radix, darunter häufig die heimische Art Radix balthica, werden relativ oft in Aquarien gepflegt und gelten als eine der anpassungsfähigsten Süßwasserschnecken. Insgesamt gibt es derzeit etwa 20 beschriebene Radix-Arten.

Wie die Spitzschlammschnecke (Lymnaea stagnalis) haben auch Radix sp. eher kurze dreieckige Fühler, die zur Basis hin breiter werden, die ihnen den Namen Yodaschnecke / Kleine Yodaschnecke eingebracht haben. Die Augen liegen an der Basis der beiden Fühler. Im Vergleich zur Spitzschlammschnecke ist Radix sp. deutlich gedrungener, meist ist ihr Gehäuse viel kürzer und stärker gewölbt. Vor allem die hinteren Windungen sind auffallend kleiner.
Im Bild: Oben Radix, unten Lymnaea.

Die Schlammschnecke ist ein Lungenatmer, und so taucht sie immer wieder an der Wasseroberfläche auf, um ihren Luftvorrat auszutauschen. In ihrer Mantelhöhle speichert sie den Luftvorrat in der Lunge, kann aber auch durch die Haut Sauerstoff aus dem Wasser absorbieren. Die kurzen, breiten Antennen vergrößern die Oberfläche der Haut, sodass die Schnecke mehr Sauerstoff aufnehmen kann. Durch Bewegung der Mantelmuskeln können Radix sp. ihre Dichte verändern und so schnell aufsteigen oder sinken - das Schweben, was man im Aquarium häufig beobachten kann. Geradezu schwerelos gleiten sie gemächlich sich drehend im Wasser dahin, fast, als würden sie tanzen.

Das kegelförmige Gehäuse der Radix ist rechtsgewunden (das heißt, die Öffnung weist nach rechts) und besitzt eine deutlich konvexe Seitenlinie. Es wird etwa 20-25mm hoch, je nach Art auch 35mm (z.B. Radix auricularia) und besteht aus 4,5 -5 Umgängen, die je nach Art sehr schnell im Umfang zunehmen. Radix sp. hat kein Operculum (Gehäusedeckel). Die Farbe des Gehäuses variiert von Art zu Art, von weiß, hornfarben, gelb, braun und leicht lila schimmernd. Vor allem die Gehäuse von Aquarienpopulationen sind oft eher durchsichtig, sodass man das gepunktete Mantelgewebe durchschimmern sieht - ähnlich wie bei einer Blasenschnecke, mit der die Schlammschnecke sehr häufig verwechselt wird. Blasenschnecken haben jedoch ihre Gehäuseöffnung auf der anderen Körperseite (sie sind linksgewunden) und besitzen fadenförmige Fühler.

Typisch für alle Arten der Familie der Schlammschnecken ist ein breit ovaler Fuß, der am Hinterende rund ausläuft. Der Körper von Radix sp. ist hellbeige bis dunkelbraun, zum Teil mit feinen Punkten gemustert, die wie Glitzer wirken. Die kleinen Yodaschnecken begeistern mit ihrer Vielseitigkeit. Schlammschnecken spielen allerdings auch eine Rolle als Überträger von Parasiten: Schlammschnecken dienen den Trematoden Trichobilharzia ocellata als Zwischenwirt. Sie geben Gabelschwanzzerkarien ab, die beim Menschen als Fehlwirt die sogenannte Badedermatitis auslösen. Der eigentliche Endwirt sind Wasservögel.

Wasserwerte
Gesamthärte 5-20 GH
Karbonathärte 0-15°dKH
pH-Wert 6,0-9,5
Temperatur 0-30 °C (optimal 10-25 °C)
Unsere Tipps
für Anfänger geeignet ja
Aquariumgröße ab 12 l
Verhalten friedlich
Schwierigkeit Haltung einfach
Schwierigkeit Zucht eher unproblematisch
Futter
Allgemein Schneckenfutter (Tabletten, Staub, Sticks, Paste), Mineralfutter, Frostfutter und gefriergetrocknetes Futter wie Artemia, Mückenlarven, Cyclops, Wasserflöhe, Grünfutter wie Brennnessel, Löwenzahn, Spinat (sparsam), Algenbeläge, braunes Herbstlaub, Detritus, Futterreste, Biofilm, Aas, Algenblätter, abgestorbene Pflanzen, Mulm, Sepiaschale
Nachwuchs Biofilme und Algenbeläge, Detritus

Radix sp. fressen mit Begeisterung alle möglichen organischen Reste und sind den ganzen Tag unterwegs auf Futtersuche. Auch kopfüber an der Kahmhaut sieht man sie oft im Becken. Hin und wieder fressen sie in sehr feine Wasserpflanzen, z.B. Tausendblatt, kleine Löcher. Wie die Spitzschlammschnecke soll auch Radix sp. Hydren fressen, wobei hier die Berichte durchaus gegensätzlich sind. Des weiteren frisst die Schlammschnecke Aufwuchs aller Art, Algen, alles was sie findet an Futterresten und gerne auch Laub und Holz. Da sie eher in kalkhaltigen Gewässern lebt, freut sie sich über Zugabe von Mineralien, wie z.B. Sepiaschale oder porösen Kalkstein.

Zahlen, Daten, Fakten
Größe bis ca. 2,5 cm, einige Arten bis zu 3,5cm
Alter ca.1-1,5 Jahre
Vergesellschaftung Mit friedlichen Zwerggarnelen und Fächergarnelen, friedlichen Fischen, anderen nicht zu dominanten, friedlichen Schnecken und mit Muscheln/td>
Haltungsempfehlung kleine Gruppe, mindestens 5 Tiere

Radix spec. sind ruhige, friedliche und doch sehr aktive und unterhaltsame Schnecken im Aquarium. Sie sind sehr hübsch und in ihrem Verhalten gibt es vieles zu beobachten. Zusammen mit Zwerggarnelen und nicht zu vielen großen anderen Schnecken, friedlichen Fischen hat man mit der Radix eine interessante Schnecke, die zudem gern Aufwuchs aller Art vertilgt. Sie mag keine starke Strömung im Aquarium. Insgesamt möchten vor allem heimische Schlammschnecken es wohl gern etwas kühler, sie passen sich aber den Bedingungen im Aquarium in einem gewissen Rahmen an. Gern gesehen ist die heimische Gemeine Schlammschnecke auch im Gartenteich (bitte frostfrei) oder sogar in Miniteichen auf dem Balkon. Raubschnecken, Zwergkrebse, Flusskrebse, Krabben und Großarmgarnelen sehen die Radix spec. durchaus als angenehmes Lebendfutter an - daher bitte nicht vergesellschaften.

Systematik
Familie Schnecken - Lymnaeidae
Gattung Radix spec.
Trivialname Kleine Schlammschnecke, Kleine Yoda, Schlammi, Yodaschnecke

Wissenschaftlicher Name
Radix Montfort, 1810

Herkunft (Wildform)
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Paläarktisch auf der gesamten Nordhalbkugel vertreten.

Radix spec. kommt paläarktisch auf der gesamten Nordhalbkugel in der Natur in langsam fließenden und stehenden Gewässern vor. Flüsse, Bäche, Gräben, Seen, Teiche, in dem es ruhiger zugeht, selbst vereinzelte alpine Gewässer sind ihr Zuhause.

Da sie gern abgestorbene Pflanzenteile frisst, darf das Biotop gerne gut zugewachsen und verkrautet sein.Da sie atmosphärische Luft atmen, können sie auch in relativ sauerstoffarmen, nährstoffreichen Gewässern gut überleben.

Nachzucht / Vermehrung
Voraussetzung ausreichend Futter muss immer zur Verfügung stehen, und die Kleine Schlammschnecke bevorzugt eher kühle Temperaturen
Fortpflanzung Zwitter, Eierleger, zur Selbstbefruchtung fähig
Dauer bis zum Schlupf ca. 1-2 Wochen (u.a. temperaturabhängig)
Gelege-/Wurfgröße variiert nach Art und Größe des Tieres, von 4-300 Eiern

Ist die Geschlechtsreife erreicht, verpaaren sich die zwittrig angelegten Radix sp. miteinander. Sie können sich aber auch selbst befruchten.

Der Laich wird unter Wasser in gallertartigen langen Schnüren auf harten Substraten, wie Steinen, Holz oder auch auf Pflanzenteilen abgelegt.

Die Jungschnecken schlüpfen je nach Temperatur nach 1-2 Wochen aus den Laichsträngen.

Man kann sehr schön verfolgen, wie die kleinen Schnecken in den gallertartigen Gelegen heranwachsen. Wenn sie eine entsprechende Größe erreicht haben, schlüpfen die Jungtiere und entwicklen sich innerhalb von vier Wochen zu geschlechtsreifen Schnecken, die im Laufe ihres Lebens langsam, aber stetig weiterwachsen.

Bei einer Massenvermehrung fühlen sich manchmal andere Schneckenarten durch die Radix spec. gestört.

Bei kühlen Temperaturen vermehren sich Radix sp. deutlich besser als in zu warmen Aquarien.

Einzelne Arten wie Radix auricularia sind etwas schwieriger zu züchten, die Ohrschlammschnecke braucht beispielsweise Aas, um in Paarungsstimmung zu kommen.

 

Autor: Simone Clement
Co-Autor: Ulli Bauer

Fotos: Simone Clement, Zeichnungen: Simone Clement

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