Bakterienblüte

„Bakterienblüte“ ist ein häufig vorkommender Begriff in der Aquaristik. Damit beschreibt man gemeinhin eine milchig trübe Verfärbung des Aquarienwassers.

1 Bakterienblüte oder Algenblüte?

Nicht zu verwechseln ist die Bakterienblüte mit der sogenannten Algenblüte, die im Anfangsstadium ebenfalls als leicht milchig-trübes Wasser wahrzunehmen ist. Als wichtige Unterscheidung färbt eine Algenblüte das Wasser jedoch grünlich, anfangs nur leicht, jedoch wird die grüne Farbe bei Fortschreiten immer stärker  wahrnehmbar. Bei der Bakterienblüte bleibt die Verfärbung weißlich.

2 Auftreten der Bakterienblüte

Häufig tritt eine Bakterienblüte in der ersten Zeit nach dem Aufsetzen eines Aquariums, in der sogenannten Einlaufzeit, auf, aber sie kann unter bestimmten Umständen nach längerer Zeit und auch wiederholt auftreten.

3 Was ist eine Bakterienblüte eigentlich?

Die Bakterienblüte stellt im weiteren Sinne einen Zustand im Lebenszyklus eines Biofilms dar. Es kommt also nur unter bestimmten Bedingungen zum Ausschwärmen der Bakterien und zu einem Ansteigen der Bakterienzahl im Freiwasser.

4 Ursachen

Die Ursachen für eine Bakterienblüte können verschieden sein, in der Regel kann das Phänomen einer stark erhöhten Keimdichte im Wasser in den meisten Fällen allerdings auf zwei Faktoren zurückgeführt werden: die Temperatur und das Nährstoffangebot.

4.1 Die Temperatur

Je wärmer das Aquarienwasser ist, umso schneller teilen sich auch die Bakterien. Bei einem ausreichenden Nährstoffangebot tritt die Bakterienblüte deshalb oft an besonders warmen Tagen auf.

4.2 Das Nährstoffangebot

Das Nährstoffangebot, allem voran die Kohlenhydrate (Zucker), ist hauptverantwortlich für Bakterienblüten - ohne Nährstoffe keine Vermehrung. Neue, nicht oder nicht ausreichend gewässerte Wurzeln beinhalten noch relativ viele Zuckerstoffe. Auf ihnen macht sich oft zuerst ein Bakterienrasen bemerkbar. Ein hohes Nährstoffangebot kann jedoch auch zu einer starken Vermehrung der Bakterien im freien Wasser führen bzw. zum Ausschwärmen der Bakterien aus dem Biofilm. In frisch eingerichteten Becken ist eine hohe Nährstoffdichte im Wasser die häufigste Ursache für Bakterienblüten.

4.3 Weitere Auslöser

Es gibt noch weitere, ebenfalls vermeidbare Auslöser, die zu einer Bakterienblüte bei bereits länger laufenden Aquarien führen können:

  • Größere Mengen an im Aquarium verbleibendem Futter. Hier kann man oft schon nach wenigen Stunden einen weißen Flaum um das Futter erkennen. Oft wird er für Schimmel gehalten, es handelt sich hier aber in den allermeisten Fällen um Bakterien.
  • Größere Mengen von frischem Futter wie zum Beispiel Gemüse wie Gurke, Paprika, Erbsen, Karotte etc., aber auch Brennnessel, Spinat & grünes Laub enthalten viele Kohlenhydrate, die sich sehr nachteilig auf die Wasserqualität auswirken können.
  • Zu geringe Besiedlungsfläche für Bakterien – ein unterdimensionierter Filter bzw. eine zu geringe Oberfläche des Filtermaterials wie etwa großporige Schwämme fördern ebenfalls die Keimdichte im Freiwasser.

5 Problematik

Eine bakteriell bedingte Trübung kann unschöne Ausmaße annehmen und dann auch zu Problemen führen. Eine hohe Keimbelastung im Wasser ist insbesondere für Garnelen und andere Aquarientiere aus sehr sauberen und nährstoffarmen Biotopen problematisch.

5.1 Sauerstoffknappheit

Sauerstoffmangel ist wohl das häufigste Problem in Verbindung mit einer Bakterienblüte im Aquarium. Eine große Anzahl an Organismen veratmet dementsprechend auch mehr Sauerstoff. Besonders nachts, wenn die Pflanzen keinen Sauerstoff produzieren, sondern ebenfalls nur „Sauerstoffveratmer“ sind, kommt es dann zu Tiefpunkten beim Sauerstoffgehalt des Aquarienwassers, die für Aquarientiere gefährlich werden können.

Daher gilt: Bei einer Bakterienblüte besonders auf eine ausreichende Sauerstoffversorgung achten! Die lässt sich durch einen Luftsprudler, einen Oxydator oder einfach durch das Höherstellen des Filters erreichen. Nähere Infos zum Sauerstoffmangel und wie man ihn behebt, findet ihr in unserem Artikel "Sauerstoffmangel erkennen und beheben".

5.2 Keimdichte

Ein weiteres Problem kann sich durch die wegen der Bakterienblüte erhöhte Keimdichte ergeben. Sie wird allerdings oft erst in Kombination mit anderen Problemen kritisch (z.B. der Anwesenheit von Nitrit oder einem hohen Nitratwert), die aus der gleichen Ursache entstehen. Wassertiere aus sauberen Habitaten wie die Caridina-Arten aus den Alten Seen (Malili-System) auf Sulawesi oder Bäche bewohnende Garnelen wie die Bienengarnele Caridina logemanni, aber auch Fische wie z.B. Diskus sind auch in der Natur nur einer sehr geringen Keimdichte ausgesetzt. Sie vertragen hohe Keimdichten im Aquarium eher schlecht; zusammen mit nur einem weiteren Stressfaktor kann eine hohe Keimdichte ihr Immunsystem bereits zum Kippen bringen.


6 Bakterienblüte entfernen

Oft lässt sich eine Bakterienblüte nicht durch einen einmaligen Wasserwechsel eindämmen, kaum einen Tag später ist das Wasser wieder milchig-trüb wie zuvor. Hier ist es nötig, das Problem an der Wurzel zu packen. Wird die Ursache nicht behoben, kommt meist auch die Bakterienblüte früher oder später wieder.

6.1 Ursachen finden

  • Mögliche Ursachen abchecken (zu kleiner Filter? Futter? Temperatur?)
  • Ursache beseitigen (z.B. nicht gefressenes Futter sofort entfernen)
  • Bakterienanzahl im Freiwasser durch häufige Wasserwechsel reduzieren

6.2 Lösungsansatz

  • Sauerstoffversorgung sicherstellen
  • Abwarten und Tee trinken – oft verschwindet die Trübung wieder, sobald sich das Nährstoffangebot wieder eingependelt hat (besonders bei neuen Aquarien)

6.3 Weitere Ansätze

 

Beide Geräte haben ihre Vorteile - bereits nach wenigen Tagen ist das Wasser kristallklar, und beide haben keinen negativen Einfluss auf die „guten“ nitrifizierenden Bakterien im Filter. Genaueres zu den Vor- und Nachteilen könnt ihr in den oben in der Aufzählung verlinkten Artikeln nachlesen. Es kommt vor, dass keine Ursache gefunden werden kann. Manchmal wurde auch die (vermeintliche) Ursache längst behoben, die Bakterienblüte aber verschwindet nicht: Hier kommen diese technischen Hilfsmittel gerade recht.

 

Autor: Ricardo Castellanos

Fotos: Roland Emmenlauer

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