Blasenschnecke

Physa sp,, Physella sp.

Beschreibung

Die Physidae oder Blasenschnecken bilden eine eigene Familie innerhalb der Wasserlungenschnecken (Basommatophora), die wiederum zu den Lungenschnecken (Pulmonata) gehören. Weltweit sind inzwischen über 80 Arten in der Familie der Physidae bekannt. Die Artentrennung fällt nicht leicht, oft nur sicher unter dem Mikroskop aufgrund von Merkmalen des Genitalsystems. In der Aquaristik finden wir hauptsächlich die Spitze Blasenschnecke (Physella acuta) und die Quellblasenschnecke (Physa fontinalis), es sind mit Sicherheit aber auch einige kryptische Arten unterwegs, die noch niemand sauber bestimmt hat. Der Einfachheit halber sprechen wir hier im Text nicht ganz korrekt jeweils von Physa sp., wobei alle anderen Arten jeweils mit gemeint sind.

Die Blasenschnecke trifft man auf der ganzen Welt in gemäßigtem Klima. Sie lebt gerne in langsam fließenden und stehenden Gewässern (Seen, Teiche, Tümpel aller Art, Kleinstgewässer, tote Arme von Gewässern). Häufig weisen die Gewässer eine hohe Sumpfpflanzendichte, Totholz, Falllaub und Schlamm am Gewässerboden auf, jedoch trifft man sie auch auf hartem Substrat in hohen Populationsdichten. Die Blasenschnecke stellt keine hohen Ansprüche an ihr Lebensumfeld und lebt häufig auch in stärker organisch belastetem Wasser.

Die aktiven kleinen Blasenschnecken sind selbst für eine Wasserschnecke sehr bewegliche und äußerst interessante, toll zu beobachtende Schnecken. Häufig machen Aquarienbesitzer den ersten Kontakt nach Einkauf von konventionell erzeugten Wasserpflanzen, wenn plötzlich kleine agile Schnecken im neuen Aquarium auftauchen. Blasenschnecken sind nicht nur nützlich, sondern auch durch ihr interessantes Verhalten eine liebenswerte Art in unseren Aquarien.

Blasenschnecken haben ein linksgewundenes Gehäuse in Braun- und Beigetönen, bis hin zu Gold-Bronzetönen, das meist schwach glänzt. Das Gehäuse ist bauchig und läuft je nach Art spitz oder auch stumpf zu. Das Haus der Blasenschnecke ist leicht durchsichtig, und das Punktmuster des Mantelgewebes schimmert durch, das der Blasi das typischen bubbelige Aussehen verleiht. Selten zeigen einzelne Exemplare auch Schwarzfärbungen. Bei nach einem Wasserwechsel stark abweichenden Wasserwerten kann es zu den sogenannten Wasserwechselstreifen kommen.

Blasenschnecken können als Wasserlungenschnecken in ihrer Mantelhöhle Luft transportieren, so dass ihnen der Sauerstoff unter Wasser zur Verfügung steht. Deshalb lassen sie sich immer wieder an die Wasseroberfläche treiben bzw. kriechen nach oben, um zu atmen. Der Lungensack ermöglicht ihnen auch das Überleben während Trockenperioden in ihren Gewässern. Außerdem haben Blasenschnecken je nach Art mehr oder wenig stark ausgeprägt Fransen des Mantels, die sie über ihr Gehäuse strecken oder einziehen können - zu sehen rechts im Bild, markiert mit den lila Pfeilen. Dieser Mantelsaum unterstützt die Tiere beim Atmen; sie können nämlich auch über die Haut Sauerstoff aus dem Wasser aufnehmen.

Körper und Fuß von Physa sp. sind meist hell mit unregelmäßigen sehr kleinen Sprenkeln. Die Augen sitzen wie bei allen Wasserschnecken an der Basis der Fühler. Das Gehäuse wächst zu in einer Länge von ca. 0,6-1,2 cm heran, wobei die Tiere im Aquarium meist deutlich kleiner bleiben. Bei gutem Futterzustand werden sie teils auch deutlich größer.

Häufig wird die Blasenschnecke aufgrund ihrer Gehäuseform mit Schlammschnecken, vor allem mit der Kleinen Schlammschnecke Radix sp. verwechselt. Schlammschnecken haben jedoch ein rechtsgewundenes Gehäuse, einen breiten Fuß mit stumpfem Ende und dreieckige kurze Fühler (weswegen sie auch Yodaschnecke genannt werden). Die Blasenschnecke hat dagegen immer ein linksgewundenes Gehäuse, sprich, ihre Gehäuseöffnung zeigt genau zur anderen Seite. Ihre Fühler sind immer relativ lang, schmal bzw. fadenförmig, ihr Hinterende läuft auffällig spitz zu.

Mit ihrer Raspelzunge ist die Blasenschnecke nicht in der Lage, gesunde Pflanzen zu verletzen. Physa sp. kann etwa ein Jahr alt werden.

Wasserwerte
Gesamthärte 5-25 GH
Karbonathärte 1-16 dKH
pH-Wert 5,5-8,5
Temperatur 0-25 °C (möglichst nicht dauerhaft über 25 °)
Unsere Tipps
für Anfänger geeignet ja
Aquariumgröße ab 5 l, besser größer
Verhalten sehr friedlich
Schwierigkeit Haltung sehr einfach
Schwierigkeit Zucht sehr einfach
Futter
Allgemein Futterreste wirklich aller Art, Detritus, Algenbeläge, Biofilme, sie braucht "eigentlich“ kein spezielles Futter, da sie gerne alles, was liegen bleibt, dankbar annimmt (alle Fischfuttersorten und Garnelenfuttersorten, Schneckenfutter, Gemüse, Blätter usw), abgestorbene Pflanzenteile, Fischexkremente, Garnelenkot, Aas und vieles mehr
Nachwuchs Auch die Nachwuchstiere der Blasenschnecke zeigen sich als ausgesprochene Allesfresser

Blasenschnecken gelten als die Gesundheitspolizei der Aquarien, da sie so viele Reste aufnehmen. An ihrem Dasein im Aquarium scheiden sich jedoch die Geister, manche lieben sie, manche hassen sie. Die Blasenschnecke ist nämlich ein Indikatororganismus und eigentlich sehr nützlich. Da Physa und Physella sehr vermehrungsfreudig sind, kommt es bei zu viel Futter zu einer explosionsartigen Vermehrung und einer Schneckenplage.

Durch eine entsprechende Drosselung der Futtermenge (Menge, Qualität und Aquarienhygiene) kann man gut die Population der Blasenschnecken beeinflussen. Physa sp. sorgt für Ordnung und Sauberkeit im Aquarium und ist dabei auch noch hübsch anzusehen, wenn sie sich rasant durchs Becken bewegt.

Oft sieht man sie auch kopfüber an der Oberfläche hängend durchs Wasser gleiten und die Kahmhaut abweiden. Alle Futterreste werden von der Blasenschnecke mit Begeisterung angenommen, die kleinen Schleimer sind sofort unterwegs, wenn sie Nahrung wahrnehmen.

Auch Algen mag sie, Kieselalgen und Blaualgen werden dabei bevorzugt an Scheiben, Gegenständen und Pflanzen abgeweidet. Gesunde Wasserpflanzen nehmen keinen Schaden durch die Blasenschnecke, absterbendes Pflanzengewebe wird jedoch gefressen.

Man sieht die Blasenschnecken überall im Aquarium eifrig suchen und fressen, dadurch helfen sie auch, potenzielle Fäulnisherde zu verhindern.

Zahlen, Daten, Fakten
Größe bis 1,2 cm, je nach Art auch mal bis zu 2cm, oft aber nur um die 0,6cm
Alter bis 1 Jahr
Vergesellschaftung Zwerggarnelen, Schnecken mit ähnlichen Ansprüchen, bitte nicht mit Raubschnecken, Zwergkrebsen, Krebsen, Schmerlen, Kugelfischen und anderen schneckenfressenden, räuberischen Tieren /td>
Haltungsempfehlung ab 5 , vermehren tun sie sich meist ja sehr schnell alleine

Quellblasenschnecken sind friedliche, witzige und charmante Kollegen in unseren Aquarien. Sie sind sehr schnell unterwegs, was unter anderem auch an ihren Schleimfäden liegt, die sie durch eine Drüse produziert und sich so im Wasser ganze Verbindungsnetze aufbauen kann.

Oft kann man mehrere Tiere zusammen beobachten wie sie zum nächsten Futter eilen.

Da Physa sp. absolut robust und anpassungsfähig sind, verzeihen sie auch manchen Fehler und kommen mit sehr unterschiedlichen Wasserwerten klar.

Fühlen sich Blasenschnecken angegriffen, lassen sie sich blitzschnell zu Boden fallen und versuchen sich zu verstecken. Bei Gefahr können sie aber auch über ihren Fuß heftig mit dem Gehäuse hin und her schlagen und Feinde (auch Parasiten z.B.) abwehren. Aufgrund ihrer geringen Größe und Friedfertigkeit sind Blasenschnecken nicht mit räuberischen Arten zu halten. Ihr dünnes Gehäuse ist schnell geknackt, Physa sp. wird deshalb gern von vielen als Futterschnecke genutzt.

Systematik
Klasse Schnecken - Gastropoda
Gattung Physa, Physella
Trivialname Blasenschnecke, Blasi

Wissenschaftlicher Name
z.B. Physa fontinalis, Physella acuta etc.

Herkunft (Wildform)
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holarktisch ursprünglich auf der gesamten Nordhalbkugel vertreten, mittlerweile praktisch weltweit verschleppt

Früher waren die Arten der Familie der Blasenschnecken fast nur holarktisch verbreitet, heute sind sie als eingeschleppte Organismen in vielen anderen Regionen der Welt zu finden, zum Beispiel in Indonesien, Neuseeland, Australien, Indien und Südafrika.

Hier in Mitteleuropa gibt es drei heimische Gattungen (Physa, Physella und Aplexa) mit vier Arten.

Zusätzlich wurde die Art Physella heterostropha aus Nordamerika eingeschleppt, die unserer heimischen Physella acuta allerdings zum Verwechseln ähnlich sieht. Die beiden Arten werden von manchen Autoren als Synonym behandelt.

Nachzucht / Vermehrung
Voraussetzung Hohes Futterangebot, ansonsten sehr anspruchslos
Fortpflanzung zwittrig, auch zur Selbstbefruchtung fähig, paart sich aber bevorzugt mit Artgenossen
Dauer bis zum Schlupf Unterschiedlich von 7 Tagen bis 3 Wochen, je nach Wassertemperatur
Gelegegröße 10 bis ca. 50 Eier

Die Blasenschnecke ist ein Zwitter und kann sich selbst befruchten, bevorzugt jedoch die Vermehrung mit Partner. Bei der Paarung kriecht ein Tier auf das Häuschen des anderen und stülpt an der linken Seite das männliche Glied aus, um es dann beim unteren Tier in die weibliche, ebenfalls links liegende Geschlechtsöffnung einzuführen. Häufig "verknoten" sich die Tiere förmlich bei der Paarung miteinander.

Das untere Tier nimmt den Samen auf und legt nach wenigen Tagen ein Gelege ab. Jedes Tier kann als männlicher oder weiblicher Part agieren.

Manche haben sich beim Blick ins Aquarium schon erschrocken, weil der Penis hinter dem linken Fühler offen sichtbar sehr groß heraus hing und auf den ersten Blick für eine Planarie gehalten wurde.

Der 1 cm lange, weiche, häufig etwas gebogene Laichballen wird auf hartem Substrat abgelegt: Scheibe, Filter, Steine, feste Blätter und was sich sonst findet. Das Gelege enthält 10 bis 50 Eier.

Der Laich der Blasenschnecke ist schwerer zu erkennen wie bei anderen Schneckenarten, weil er ungefähr denselben Brechungsindex besitzt wie das Wasser selbst.

Die kleinen Schneckchen schlüpfen als komplett entwickelte wenige Millimeter kleine Tiere. Bei 24 °C beträgt die Reifungsdauer 10 Tage, bei kühleren Temperaturen dauert es länger bis zum Schlupf, bei wärmeren schlüpfen die kleinen Blasenschnecken früher.

 

Autor: Simone Clement

Fotos: Simone Clement

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