Blaualgen

Die sogenannten „Blaualgen“ sind tatsächlich gar keine Algen, anders als etwa Pinselalgen oder Fadenalgen  – Blaualgen sind nicht einmal Pflanzen! Aber was sind sie dann?

1 Keine echte Alge

Blaualgen überziehen im Aquarium Gegenstände, Pflanzen und Bodengrund mit ihrem dunkelgrünen bis blaugrünen schleimigen Film. Interessanterweise wird dieser Blaualgen-Film von Bakterien gebildet, genauer gesagt: von Cyanobakterien. Zurzeit sind etwa 2000 Arten von Cyanobakterien bekannt, sie kommen sowohl in Meer- als auch in Süßwasser vor. Ein wohl bekannter Vertreter der Cyanobakterien ist das oft als „Superfood“ und Nahrungsergänzungsmittel erhältliche Spirulina.

1.1 Bakterien mit Farbstoffen

„Cyanos“ sind ganz spezielle Bakterien, denn sie haben – genau wie Pflanzen –  die Möglichkeit zur Photosynthese für die Energiegewinnung und wurden deshalb zuerst fälschlicherweise den Algen zugeordnet. Einige Cyanobakterien besitzen neben anderen Photosynthesefarbstoffen auch Phycocyanin, welches ihnen eine blau-grüne Färbung verleiht – daher kommt auch der Name „Blaualgen“. Allerdings besitzen nicht alle Blaualgen diesen Farbstoff.

2 Cyanobakterien in Biofilmen

Cyanobakterien kommen auch als natürlicher Teil des Biofilms vor. Findet man geringe Vorkommen, sehr häufig sichtbar zwischen Bodengrund und Frontscheibe, muss man sich keine Sorgen machen.

3 Blaualgen erkennen

Neben dem typisch gefärbten schleimigen Film, der Gegenstände und Oberflächen im Aquarium überzieht, kann man Blaualgen auch an ihrem Geruch erkennen. Dieser wird oft als unangenehm, faulig oder nach Fisch riechend beschrieben. Besonders bei einem starken Befall ist der Geruch ausgesprochen stark. Auch nach mehrmaligem Waschen mit Seife kann man ihn dann zum Beispiel an den Händen noch wahrnehmen.

4 Problematik

Vermehren sich Blaualgen massenhaft, kann sich das negativ auf die Wasserqualität auswirken. Manche Blaualgenarten produzieren Gifte, die Fische und Wirbellose im Aquarium schädigen können. Einige der von Cyanobakterien produzierten Toxine  können sogar beim Menschen die Gesundheit gefährden.

Wenn Blaualgen im Wasser massenhaft absterben, werden sie von Bakterien abgebaut, was einen Sauerstoffmangel zur Folge haben kann.

5 Blaualgen loswerden

Neben ihrer besonderen Fähigkeit der Photosynthese hat die Blaualge auch viele weitere Spezialitäten, welche eine „Ausrottung“ im Aquarium erschweren. Viele Arten sind extrem resistent gegen Austrocknen, Hitze oder Salz – Blaualgen kommen sogar in heißen Quellen bis etwa 75°C vor. Ein Herausnehmen und Trocknen und sogar das heiße Abspülen der befallenen Gegenstände kann unter Umständen daher nicht ausreichen.

Cyanobakterien sind allerdings typische Besiedler extremer Lebensräume – unter Normalbedingungen sind sie daher konkurrenzschwach und eine Massenvermehrung ist nicht möglich.

5.1 Ursachen für ein Massenaufkommen

Ob eine direkte Beziehung zwischen einzelnen Nährstoffen und einer Blaualgenplage herrscht ist bisher nicht geklärt. Es gibt Hinweise auf „zu wenig Nitrat“ und „zu viel Phosphat“ - fest steht allerdings, dass ein Extremum von Nöten ist, damit sich Blaualgen sprunghaft vermehren. Nicht immer ist dieses auch mit üblichen Wassertests erfassbar.

Dieses Extremum kann ein Ungleichgewicht im Nährstoffverhältnis sein, das den Pflanzenwuchs stocken lässt, es kann allerdings auch an extrem sauberem Wasser (d.h. nahezu nährstofffreiem Wasser) liegen. Ein anderes Extremum könnte eine schwach ausgeprägte Mikroflora darstellen, also das Fehlen von Bakterien, die in Konkurrenz zu den Cyanobakterien treten könnten.

6 Blaualgen entfernen und bekämpfen

6.1 Dunkelkur

Viele Aquarianer scheitern an den Blaualgen – doch das muss nicht sein! In der Folge beschreiben wir 8 Schritte, wie ihr Blaualgen erfolgreich bekämpfen könnt:

  1. Einen großen Wasserwechsel durchführen und alle sichtbaren Beläge absaugen
  2. Die CO2-Anlage ausschalten
  3. Das Aquarium 5-7 Tage komplett verdunkeln: Licht aus, Aquariumscheiben mit Pappe zukleben oder mit Decken abdecken – es darf kein Tageslicht einfallen!
  4. Während dieser Zeit nicht füttern (Ausnahme: Jungfische)!
  5. Am dritten Tag erfolgt ein großer Wasserwechsel.
  6. Am letzten Tag (also Tag 5, 6 oder 7): ein großer Wasserwechsel (90%).
  7. Am ersten Tag nach der Verdunkelung: noch ein großer Wasserwechsel (90%).
  8. Den Nährstoffhaushalt mit optimalen Werten einstellen, siehe hierzu den Punkt "Aquarium" im Artikel: "Pflanzen im Aquarium pflegen"


Optional: Vor und nach der Dunkelkur Bakterienpräparate zugeben. Dies schafft eine gute bakterielle Konkurrenz zu Blaualgen und hat sich in der Praxis gegen Cyanos als nützlich erwiesen. Besonders die Produkte von Microbe Lift – etwa das Special Blend – haben sich als effektiv erwiesen.

Eine ausführliche Anleitung für eine Dunkelkur findet ihr im Wiki-Artikel "Dunkelkur".

6.2 Einnebeln / Kur mit Wasserstoffperoxid (H2O2)

Die Wasserstoffperoxid-Kur haben wir hier detailliert beschrieben: "Pinselalgen und Bartalgen erfolgreich entfernen", Unterpunkt: "Chemische Entfernung"

Wasserstoffperoxid wird (neben der Verwendung für den Oxydator auch für die Desinfektion z.B. von Medizingegenständen verwendet (also zum Abtöten von Bakterien). Diese Eigenschaft kommt uns bei der Bekämpfung unserer Cyanobakterien daher entgegen.

6.3 Easy Life Blue Exit

Normale Anti-Algenmittel helfen bei Cyanobakterien nicht – Easy Life Blue Exit ist hingegen speziell gegen Blaualgen entwickelt worden. Bitte nur nach Packungsanweisung verwenden und Biozide immer mit besonderer Sorgfalt anwenden!

7 Blaualgen dauerhaft fernhalten

Eine Dunkelkur oder eine Kur mit Wasserstoffperoxid oder Blue Exit ist nur der Anfang. Wird die Ursache für den Blaualgenbefall nicht abgestellt, werden die Cyanos über kurz oder lang wiederkommen.

Hilfreich bei der Ursachenbekämpfung sind die oben bereits genannten Bakterienpräparate. Wenn eine starke Bakterienflora aus nützlichen Bakterien im Aquarium vorhanden ist, können Blaualgen weniger leicht Fuß fassen. Empfehlenswert sind hier beispielsweise die Produkte von Microbe Lift – insbesondere das Special Blend.

 

Autor: Ricardo Castellanos
Co-Autor: Ulli Bauer