Vermehren sich Amanogarnelen in Süßwasser?

Immer wieder liest man in Foren oder in Gruppen auf Facebook, dass sich angeblich Amanogarnelen im Süßwasser vermehrt haben sollen. Sofort werden dann Stimmen laut, dass die Larven sich eigentlich nur in Salzwasser entwickeln können, und oft entbrennt dann eine rege Diskussion. Was ist wirklich dran an der Theorie, dass Amanogarnelen sich auch im Süßwasseraquarium fortpflanzen können?

1 Fortpflanzungstypus der Amanogarnele

Amanogarnelen (Caridina multidentata, früher: Caridina japonica) gehören zum primitiven Fortpflanzungstypus (prolonged type) und können sich daher eigentlich nicht in Süßwasser vermehren. Die Weibchen von Garnelen des primitiven Typus tragen pro Wurf weit über tausend winzige Eier, aus denen Larven schlüpfen, die in der Natur in Flussmündungen oder gleich ganz ins Meer gespült werden, wo sie in Brackwasser bis Meerwasser groß werden. Im Süßwasser überleben bei der Amanogarnele die Larven nur ungefähr 72 Stunden. So lange haben sie Zeit, ins Brackwasser beziehungsweise ins Meer gespült zu werden.

Den Link zum Zuchtbericht der Logemänner findet ihr übrigens hier: Amanogarnele (Caridina multidentata) - Zuchtbericht.

2 Ausnahme

Vorab: Es gibt sie wirklich, die Amanogarnelen, die als Zufallsnachzuchten ganz vereinzelt im Süßwasser groß werden - allerdings müssen dazu ganz bestimmte Voraussetzungen im Aquarium herrschen, die nicht vollständig verstanden sind. Es gibt Hinweise, dass ein stark verschobenes Calcium-Magnesium-Verhältnis zugunsten von Magnesium das Überleben einzelner Larven der Amanogarnele im Süßwasser begünstigen könnte.

Wichtig: Hier muss man aber ganz klar sagen: Es handelt sich dabei wirklich um Ausnahmen und auf keinen Fall um ein Massenphänomen!

Viel öfter gibt es andere, sehr viel weniger sensationelle Gründe für das spontane Auftreten von "Amanogarnelen-Nachwuchs" im Aquarium.

3 Wie kommen Amanos sonst noch ins Aquarium?

Ganz unspektakulär kommen echte Amanos zum Teil mit Pflanzen aus der Zoohandlung oder dem Aquaristik-Onlineshop ins Aquarium. Die robusten Amanogarnelen sind phänomenale Algenfresser und werden daher sehr gerne in die Verkaufsbecken mit den Aquarienpflanzen gesetzt, um sie frei von Algen zu halten.

Sehr oft sind importierte Amanogarnelen noch recht jung und klein, und daher kann es schonmal vorkommen, dass man die transparenten, durch ihr Fleckmuster sehr gut getarnten Garnelen in der Pflanze schlicht nicht sieht und sie so ins Aquarium einschleppt.

Auch können Amanos sich extrem gut festhalten und reisen daher auch gerne mal am Netz des Keschers oder an bereits benutzten Dekoelementen durch die Gegend. Hast du mehr als ein Aquarium und nur einen Kescher, oder hast du eine Aquarienwurzel umgesetzt, ist es also gut möglich, dass du so versehentlich eine Amanogarnele aus dem einen ins andere Aquarium transportierst.

4 Achtung Verwechslungsgefahr!

Vermehren sich jedoch die vermeintlichen "Amanogarnelen" im Aquarium extrem gut, liegt praktisch immer eine Fehlbestimmung vor. Selbst wenn durch einen großen Zufall doch mal ein einzelnes Jungtier der Amanogarnele im Aquarium als Zufallsnachzucht durchkommt, so haben wir hier doch niemals eine Massenvermehrung!

Häufig werden in diesen Fällen Neocaridina oder Sulawesi-Inlandsgarnelen (Caridina parvidentata im Aquarium gehalten. Auch jede andere relativ farblose Garnelenart mit einem dunklen, dünn gestreuten Strich- oder Punktmuster kann auf den ersten flüchtigen Blick mit der Amanogarnele verwechselt werden.

Insbesondere bei bunt gemixten Neocaridina-Gruppen kommt es im Nachwuchs häufig zu wildfarbenen Jungtieren, die ihren Eltern nicht sonderlich ähnlich sehen und bei denen oft angenommen wird, sie seien Nachwuchs der Amanogarnelen im selben Aquarium - weil ihnen die kleinen wildfarbenen, teils transparenten, teils dunkel gemusterten Junggarnelen einfach viel ähnlicher sehen als ihren blauen, roten oder gelben Eltern.

Hier im Bild seht ihr eine weibliche wildfarbene Neocaridina-Garnele. Diese Garnelen können allerdings noch deutlich weniger pigmentiert daherkommen und sehen dann wirklich auf den ersten Blick aus wie eine Amano.

Es gab längere Zeit die sogenannte "Mini Japonica" zu kaufen, vermutlich eine Neocaridina-Art, deren Muster dem der Amanogarnele beim flüchtigen Hinschauen ein bisschen ähnlich sah. Diese Garnelen sind aber schon seit längerer Zeit aus der Aquaristik verschwunden.

 

4.1 Amanogarnelen sicher identifizieren

Anders als bei Neocaridina, Sulawesi-Inlandsgarnelen und anderen transparenten Garnelenarten haben Amanogarnelen ein sehr gut erkennbares, gleichmäßiges Muster.

Neben einem sehr dünnen, meist scharf abgegrenzten Rückenstrich haben die kleineren Amano-Männchen ein Muster aus dunkelbraunen bis schwarzen kleinen Punkten, die auf dem Hinterleib seitlich in Reihen angeordnet sind. Bei den Weibchen sind diese Punkte teils zu kurzen waagrechten Strichen verschmolzen, die ebenfalls in Reihen sitzen. Außerdem haben die Weibchen oft einen Eifleck.

So gleichmäßig und konsequent sind die Punkte und Streifen bei keiner anderen Garnelenart angeordnet, daher ist beim wirklich ganz genauen Hinschauen (zur Not mit einer Lupe) die Verwechslungsgefahr von Neocaridina oder Sulawesi-Inlandsgarnelen beziehungsweise anderen Rückenstrichgarnelen mit der echten Amanogarnele Caridina multidentata dann doch nicht mehr ganz so groß. Man muss nur wissen, wonach man suchen muss!

 

Autor(en)

Ulli Bauer

Fotos: Garnelenhaus, Jana Hesse

Quelle

Garnelen im Aquarium, Jose Requena Mora, 1. Auflage Juni 2020

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