Pilzinfektionen bei Garnelen

Achlya, Saprolegnia

1 Wasserschimmel bei Garnelen

Infektionen mit den Eipilzen oder Algenpilzen Achlya und Saprolegnia treten im Aquarium eher selten auf, kommen aber durchaus vor. Die Ordnung Saprolegniaceae wird auch Wasserschimmel genannt. Wasserschimmel sind sogenannte ubiquitäre Pilze, die überall in der Umwelt vorkommen können. Gesunde Tiere werden in der Regel nicht befallen, erst, wenn das Immunsystem geschwächt ist, kommt die Mykose als Sekundärinfektion zum Ausbruch.

1.1 Weitere Infektionen, die für Mykosen gehalten werden können

Oft liegt bei einem Verdacht auf eine Pilzinfektion eigentlich eine Besiedelung mit Glockentierchen vor, die andere Maßnahmen erfordert - hier solltet ihr also genau hinschauen! Auch wurde lange Zeit die sogenannte systemische Mykose für eine Pilzerkrankung gehalten, mittlerweile hat sich jedoch herausgestellt, dass es sich hier um eine parasitäre Alge handelt. An der Rostfleckenkrankheit oder Brandfleckenkrankheit, die den Panzer der Garnele befällt, können neben chitinolytischen Bakterien allerdings auch Pilze (die Fadenpilze Cephalosporium leptodactyli, Ramularia astaci oder auch Didymaria cambari) beteiligt sein. Auch die sogenannte Schwarzkiemenkrankheit, die die Kiemen bei Garnelen befällt, kann von Pilzen hervorgerufen werden.

2 Verlauf

Infektionen mit Achlya oder Saprolegnia können schleichend oder sehr rasch verlaufen. Bei schweren Pilzinfektionen kann das befallene Tier binnen Stunden sterben, wenn die inneren Organe angegriffen werden. Schleichende Verläufe lassen sich eventuell behandeln.

2.1 Laichverpilzung

Ist nur der (meist unbefruchtete, zu spät aussortierte) Laich der Garnele infiziert und der Panzer intakt, wird das Muttertier die verpilzten Eier aussortieren oder spätestens bei der nächsten Häutung abwerfen. In der Regel hat sich das Thema damit erledigt. Unterstützend kannst du in einem solchen Fall mit Erlenzapfen, Seemandelbaumblättern oder alternativ mit einem Huminpräparat wie Liquid Humin+ behandeln.

Um zu verhindern, dass die Infektion von den Eiern auf die Garnele oder auf andere Garnelen im Aquarium übergreift, sollte bei starkem Befall und spätestens bei Anzeichen von einem Übergreifen des Pilzes auf gesundes Gewebe zügig wie unten unter dem Punkt 6 "Vorgehensweise bei Infektionen" beschrieben gehandelt werden.

 

3 Symptome einer Infektion mit Wasserschimmel bei Garnelen

Eine Infektion mit Achlya oder Saprolegnia äußert sich in der Regel durch wattebauschähnliche, meist weiße bis gelbliche fädige Wucherungen, die wie ein weißer Schimmelpilzbefall aussehen. Diese Wucherungen können flächig auf dem Panzer oder an einzelnen Stellen auftreten. Die Garnele versucht, die Infektion durch Einlagern von Melanin abzuwehren, deshalb verfärbt sich der Panzer an den infizierten Stellen orange bis braun.

Bei Laichverpilzungen sind nur die an den Schwimmbeinen unter dem Hinterleib getragenen Eier der Garnele betroffen, zwischen denen dann ebenfalls ein helles, fädiges Pilzgeflecht sichtbar ist.

4 Ursachen einer Pilzinfektion bei Garnelen

Häufig setzen sich die Pilze in kleine Läsionen der Haut, befallen also verletzte Teile des Panzers. Grundsätzlich gilt: Pilze sind ebenso wie parasitäre Algen Sekundärparasiten, die sich zunutze machen, wenn das Immunsystem der Garnelen durch Stress beeinträchtigt ist, zum Beispiel durch Transportstress oder durch häufiges Umsetzen und damit verbundene Schwankungen bei den Wasserwerten und natürlich auch durch ungeeignete Haltungsbedingungen wie unpassende Wasserwerte, eine einseitige Ernährung, ungenügende Wasserwechsel, hoher Keimdruck im Aquarium, aber auch eine unsachgemäße Eingewöhnung kann Infektionen mit Sekundärparasiten begünstigen.

5 Pilzinfektionen vorbeugen

Da Pilze ein Sekundärparasit sind, dient der Vorbeugung alles, was die Haltungsbedingungen der Garnelen verbessert. Hierzu haben wir einen eigenen Artikel in der Garnelenhaus-Wiki: "Krankheiten vorbeugen ist besser als heilen". Hier nur ein paar Stichworte:

  • Huminstoffe und Gerbstoffe gelten als immunstärkend und pilzhemmend. Enthalten sind sie unter anderem in braunem Laub, und Seemandelbaumblättern, Erlenzapfen, aber auch z.B. in Huminpräparaten wie Liquid Humin+.
  • Gute Wasserqualität mit einer niedrigen organischem Belastung, ein Nitratwert von unter 10 mg/l sollte angestrebt werden.
  • Mit regelmäßigen Wasserwechseln mit angepasstem Wasser werden Schadstoffe ausgetragen.
  • Aquarienhygiene ist ebenfalls wichtig: Der Futterplatz sollte regelmäßig gemulmt werden und tote Pflanzen(teile) und Tiere werden schnellstmöglich aus dem Aquarium genommen.
  • Eine angepasste und ausgewogene Fütterung unterstützt die Gesundheit der Tiere.

6 Vorgehensweise bei Pilzinfektionen

6.1 Quarantäne für erkrankte Garnelen

Verstorbene Garnelen und auch Garnelen mit sichtbaren Symptomen eines Pilzbefalls werden aus dem Aquarium genommen, damit sich die augenscheinlich noch gesunden Tiere nicht anstecken. Garnelen mit sichtbarem Pilzflaum werden in ein Quarantänebecken gesetzt und dort behandelt.

Im Aquarium, aus dem das erkrankte Tier stammt, sollten vorsorglich Seemandelbaumblätter, Erlenzapfen oder ein Huminpräparat wie Liquid Humin+ nach Dosierungsanleitung zum Einsatz kommen.

6.2 Medikamentöse Behandlung

Pilzinfektionen mit Achlya oder Saprolegnia lassen sich mit Fungol von JBL behandeln, oder mit anderen Präparaten, die Malachitgrünoxalat enthalten. Die Medikamente werden nach Herstelleranweisung verwendet. Achtung: Das neue Fungol Plus 250 ist laut Packungsbeilage des Herstellers nicht für die Behandlung von Garnelen und Krebsen geeignet!

 

Autor: Ulli Bauer

Fotos: Stev Kolditz