Idiopathische Muskelnekrose

Eigentlich sind alle Garnelen soweit fit, sie fressen, schwimmen und scheinen munter, und dennoch sitzt da ein Tier, das nicht ist wie alle anderen - es hat einen innerlich weiß verfärbten Hinterleib. Besonders gut sieht man dieses Phänomen bei den eher durchsichtigen Arten wie beispielsweise Red Fire, White Pearl, Blue Jelly und natürlich bei den ganzen Rili-Varianten mit transparenten Stellen am Körper. Diese - nicht nur leichte - Verfärbung ist das Symptom einer idiopathischen Muskelnekrose.

1 Symptom

Bei der idiopathischen, also durch unterschiedliche Ursachen hervorgerufenen Muskelnekrose verfärben sich Teile des Muskelgewebes im Hinterleib der Garnele milchig bis undurchsichtig weiß. Hier ist nicht der Panzer betroffen, sondern das darunter liegende Gewebe. In schweren Fällen ist der gesamte Hinterleib betroffen. Eine ganz schwache milchige Trübung muss kein Krankheitszeichen sein - nur wenn das Muskelgewebe deutlich trübe wird, spricht man von einer Muskelnekrose.

Auch kurz vor einer Häutung wird eine Garnele leicht milchig, jedoch ist hier das Gewebe nicht sichtbar betroffen. Die Trübung wird in diesem Fall durch die sich ablösende Haut (Apolyse) hervorgerufen beziehungsweise durch einen leichten Sauerstoffmangel, da die Kiemen mitgehäutet werden. Nach der erfolgreichen Häutung ist die Trübung dann wieder weg - das unterschiedet sie von der krankhaften Nekrose.

Garnelen mit einer idiopathischen Muskelnekrose zeigen oft lange Zeit kein abweichendes Verhalten, sie laufen und fressen ganz normal und wirken nicht sichtbar krank.

2 Ursachen

"Nekrose" nennt man das krankhafte Absterben von Zellen oder Geweben in einem lebenden Organismus, bei der idiopathischen Muskelnekrose sterben Muskelzellen im Hinterleib der Garnele ab. Verantwortlich dafür kann eine Unterversorgung der Muskelzellen mit Sauerstoff sein. Ein Grund für eine Muskelnekrose kann daher eine bakterielle Infektion der Kiemen sein, die in der Folge zu Sauerstoffknappheit und dadurch zu einer Trübung des Muskelgewebes führt.

Aber auch ein Fehlen von Nährstoffen kann eine Rolle spielen, ebenso wie Gifte, Bakterien oder Säuren. Zunächst entzündet sich das betroffene Gewebe. Dauern die Schädigungen an beziehungsweise wird der Auslöser nicht entfernt, sterben die Muskelzellen ab, was letzten Endes früher oder später zum Tod der Garnele führt.

2.1 Stressfaktoren

Mögliche Stressfaktoren (ohne Anspruch auf Vollständigkeit), die eine idiopathische Muskelnekrose auslösen können, sind:

  • ausbleibende, zu geringe oder zu seltene Wasserwechsel, dadurch eine Anreicherung von Schadstoffen im Aquarium
  • ein Überangebot an Nährstoffen und ein damit einhergehendes Ungleichgewicht in der Biofauna
  • Sauerstoffmangel durch zu hohe Bakteriendichte
  • unpassende Wasserwerte
  • zu hohe oder zu niedrige Temperaturen
  • Stress durch Transport
  • Stress durch Mitbewohner (sehr neugierige Fische, Raubfische)

3 Behandlung

Die Bedingungen im Aquarium müssen beim Auftreten einer Muskelnekrose bei einem oder mehreren Tieren dringend überprüft und optimiert werden. Besteht der Verdacht, dass das erkrankte Tier an einer bakteriellen Infektion leidet, sollte es unbedingt separiert und in ein Quarantäneaquarium überführt werden, wo man es weiter behandelt.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Krankheitserreger deutlich weniger Angriffspunkte haben, wenn die Tiere im Aquarium optimal gehalten werden. Die meisten Keime sind ubiquitär, kommen also überall vor. Daher ist es besser, die Tiere von vornherein so zu halten, dass sie eine gute Kondition besitzen und gesund und vital sind. Wie man das macht, darauf gehen wir in unserem Artikel "Krankheiten vorbeugen ist besser als heilen" ein, in dem ihr viele wichtige Tipps für die Optimierung eures Garnelenaquariums findet.

 

Autor: Ulli Bauer

Fotos: Tamara Stamm, anonym (Autor der Redaktion bekannt)