Zucht des Zwergblaubarsches Dario dario

1 Zuchtgruppe

Eine Zuchtgruppe der Dario dario besteht idealerweise aus 2-3 Männchen und 3-9 Weibchen. Da die Zwerg-Blaubarsche Dauerlaicher sind, werden die Weibchen sehr von den Männchen getrieben. Um einen zu starken Streß und damit eine zu kurze Lebenserwartung zu vermeiden, sollte das Geschlechterverhältnis 1 / 3 betragen.

1.1 Geschlechterunterscheidung

Die Männchen haben einen leicht nach innen gewölbten, konkaven Absatz dort, wo der Körper in den Kopf übergeht. Die "Mädchengesichter" der Weibchen sind dagegen an dieser Stelle nach außen gewölbt.

Unter seitlichem Licht (beispielsweise von einer Taschenlampe) zeigen sich bei den Männchen zwei seitliche blaue Linien, die den Weibchen fehlen.


Werden Zwerg-Blaubarsche gut mit Nährstoffen versorgt, weisen auch die Weibchen etwas Farbe auf, das Vorhandensein von Farbe ist also kein sicheres Erkennungsmerkmal.


Links: Weibchen, rechts: Männchen

2 Das Haltungsbecken

2.1 Einrichtung und Größe

Für eine Gruppe von 10 Dario dario genügt ein 25-Liter-Becken (40 x 25 x 25), ein größeres Aquarium von 54 Litern ist natürlich ebenfalls möglich. Das Aquarium sollte mit sehr viel Moos und mehr oder weniger dichten Pflanzen besetzt sein. Das bringt die Gruppe dazu, nicht zu ängstlich zu sein, das Moos dient zur Eiablage. Auch im Becken schlüpfende Jungtiere finden dort ausreichend Deckung und Futter.

Dario dario im Zuchtbecken mit Moosecke

2.2 Wasserwerte

Das Wasser sollte zur Zucht weich (dGH 0-6°) und kühl (18-22° C) sein, der pH-Wert sich um 7 bewegen. Eine HMF-Filterung ist sehr von Vorteil. Ich benutze nur Eck-HMF in meinen Zuchtbecken, mit einer Mattenstärke von 5 cm und einer mittleren Porenweite (20 ppi).

2.3 Wasserwechsel

Wasserwechsel sollte nie direkt im Aquarium stattfinden. Die Scarlets verteilen ihre Eier überall und viele davon befinden sich im Mulm. Beim Wasserwechsel ohne Schutz würde man sehr viele Eier und Larven mit absaugen, die dann achtlos in der Kanalisation landen. Aus diesem Grunde empfiehlt sich, das Wasser entweder hinter einer Filtermatte (bei einem HMF) abzusaugen oder aber einen Würfel aus sehr feinem Filterschwamm über den Absaugschluch zu ziehen und den Schlauch nicht zu dicht an den Bodengrund zu halten.

3 Fütterung

Die adulten Tiere sollten täglich 2mal gefüttert werden. Dabei sollte man nicht unterschätzen, was in so einen kleinen Fisch reinpasst. Ich füttere bevorzugt und täglich angereicherte Artemia, aber alle zwei Tage bekommen die Tiere auch weiße oder schwarze Mückenlarven, Tubifex, Mikrofex, ab und zu Grindal, Wasserflöhe und Copepoden.

Die Tiere sollten durchgängig gut rundlich sein. Keine Panik, die werden nicht zu dick, aber sie brauchen als Dauerlaicher ein gutes Polster.

4 Die Paarung

Paarungen finden permanent statt, sind aber nicht oft direkt zu beobachten. Die Männchen treiben die Weibchen ins Pflanzendickicht und umwerben sie dort bis zur Eiablage. Die Eier werden eigentlich in die fiedrigen Pflanzen gelegt, fallen aber meist herunter in den Bodengrund.

Die Männchen führen häufige Kommentkämpfe aus. Haben sie genügend Ausweichmöglichkeiten und Deckung, behalten sie trotzdem alle ihre intensive Farbe.

5 Zucht im Haltungsbecken

Wenn man keinen Platz für ein Extra-Aquarium hat, kann man Dario dario durchaus auch im Haltungsbecken züchten. Dort kommen dann nicht ganz so viele Jungtiere hoch, aber doch genug, um eine Erhaltungszucht zu betreiben.

Dazu ist es dann unabdingbar, eine komplette Ecke mit einem dicken Moospolster auszustatten und den Mulm im Becken zu belassen. Die Larven der Dario sind sehr winzig und benötigen sehr feines Futter. An Totfutter gehen sie nicht. Sie finden aber in einer dicken Mulmschicht immer genügend Kleinstlebewesen, von denen sie sich ernähren können.

6 Zucht im Aufzuchtbecken

Wenn man eine größere Menge Jungtiere ziehen möchte, sollte man auf ein Aufzuchtbecken ausweichen. Es genügt ein 12-Liter-Becken, welches ebenfalls mit weichem, kühlen, leicht saurem oder neutralem Wasser gefüllt wird.

6.1 Laichentnahme

Um an Zuchtmaterial zu kommen, sollte man den Mulm im Elternbecken absaugen, den Eimer stehen lassen, bis sich der Mulm abgesetzt hat, und das Wasser vorsichtig abschütten. Den Mulm gibt man in das Aufzuchtbecken.


Anschließend tauscht man das Moos im Elternbecken gegen ein neues Polster aus und legt das entnommene Moos ebenfalls in das Aufzuchtbecken.

Nun heißt es geduldig sein. Die ersten Jungtiere können nach ca. 10 Tagen auftauchen. Aber Vorsicht! Noch nicht das Moos entnehmen und auch nicht den Mulm entfernen! Es tauchen bis zu 12 Wochen nach der Entnahme immer noch Frischlinge auf! Warum die so lange zum Schlüpfen brauchen, habe ich bis heute noch nicht heraus gefunden, aber ist bisher noch jedesmal so gewesen, dass nach einer gefühlten Ewigkeit immer noch ganz frisch geschlüpfte Jungtiere vorhanden waren.

6.2 Entwicklung und Schlupf

Die ganz frisch geschlüpften Larven sieht man ausgesprochen selten. Manchmal kleben sie sehr unbeweglich an der Scheibe. Sie sind ca. 2,5 bis 3 mm lang. Erst, wenn sie beginnen, Artemia zu fressen, was erst nach dem Freischwimmen der Fall ist, kann man sie an den orange leuchtenden Bäuchen erkennen.

4 Tage alte Larve von Dario dario

Man sollte dennoch auch schon, bevor man erste Larven sieht, täglich eine winzige Portion angereicherte Artemia ins Wasser geben, damit die Nährtiere im Mulm durch die sich zersetzenden Futtertiere hochwertige Nahrung erhalten.

6.3 Aufzucht

Sobald die ersten Jungtiere über dem Mulm stehen (das kann man herausfinden, indem man einmal kurz gegen die Scheibe klopft, man sieht dann die Jungtiere wegsprinten), sollte man mit der Fütterung mit angereicherten Artemia beginnen.

Mulmbecken mit Dario dario-Jungtieren

6.4 Beckenpflege

Natürlich muss man auch bei den Jungtieren regelmässig Wasser wechseln. Auch hier empfiehlt es sich, entweder einen HMF zu installieren, oder aber über das Schlauchende einen Würfel aus Filtermatte mit sehr feinen Poren zu ziehen. Dann entnimmt man max. 50% des Wassers und füllt dies vorsichtig wieder auf, ohne große Wellen im Becken zu erzeugen.

6.5 Futterqualität

Ich habe mich im Text schon dreimal auf angereicherte Artemia bezogen. Warum? Auch Dario dario schlüpfen als unentwickelte Larven mit umlaufender Flossenform. Das bedeutet, dass sie nach ca. 10 – 15 Tagen eine Metamorphose durchlaufen, um ihre endgültige Form anzunehmen. Dies kostet sehr viel Energie.


Werden die Elterntiere bereits mit hochwertigem Futter ernährt, sind die Larven schon in sehr viel kräftigerem Zustand. Sind die Nährtiere im Mulm mit angereicherten Artemia gefüttert, enthalten diese ebenfalls ausreichend Nährstoffe, um der Larve den Umwandlungsprozess zu erleichtern. Dies führt zu einer höheren Überlebensrate, als wenn man ohne Anreicherung füttert. Außerdem sind die daraus erwachsenden Tiere besser gefärbt, weniger anfällig und haben eine höhere Lebenserwartung.


Als Anreicherungspräparat benutze ich Selco S. presso, welches allerdings nur im Kilo zu erhalten ist und dann außerordentlich teuer. Es gibt aber Ersatzpräparate bei diversen Meerwasserhändlern. Oder man nutzt grünes Wasser zur Anreicherung, auch das enthält sehr viel HUFA.

6.6 Fertige Entwicklung und Umsetzung

Die Jungtiere sind nach ca. 3 Monaten soweit, wieder umgesetzt zu werden. Es ist tatsächlich nicht so ganz leicht, sie aus dem Mulm zu pellen, denn sie verschwinden gern sofort in seinen Tiefen, wenn man die Wasseroberfläche bewegt.


Ich entnehme das Moos aus dem Becken, indem ich es kräftig ausschüttle und ich einen Eimer mit einem fingerbreit Wasser lege. Die Tiere, die dann noch in dem Moos sitzen, lassen sich nach unten fallen und man kann sie zum Schluss dort entnehmen.


Dario dario umtopfen - Jungtierumsetzung nach 4 Monaten

Dann sauge ich mit einem dünnen Schlauch den Mulm aus dem Becken. Die Jungtiere gehen dem Schlauch aus dem Weg, keine Sorge. Sobald das Wasser einigermaßen geklärt ist und die Mulmschicht nicht mehr so dick, dass die Jungen sich dort verstecken können, kann man sie mit einem kleinen Kescher fangen.


Meiner Erfahrung nach funktioniert das am besten mit einem weißen Kescher. Den betrachten sie als Deckung und schwimmen ganz oft freiwillig hinein.

 

Autor: Jutta Bauer

Fotos: Jutta Bauer