Bepflanzung im Garnelenaquarium

Bei der Gestaltung eines neuen Garnelenaquariums stellt sich gern die Frage, welche Pflanzen geeignet sind. Grundsätzlich lässt sich sagen: Jede Pflanze, die submers (also unter Wasser) kultiviert werden kann, ist auch garnelengeeignet. Feinfiedrige Arte und Moose bieten vor allem Jungtieren ausreichend Schutz und Abweideflächen, aber auch grosse Pflanzen freuen die Tierchen, obwohl die Habitate der Garnelen oft sehr karg und unbepflanzt sind. Vor allem in Gesellschaft von potentiellen Fressfeinden wie Fischen bieten sie natürliche Verstecke und werden gern angenommen. Gesunde Pflanzenteile werden nicht angefressen.

Allerdings gibt es trotzdem ein paar Dinge, die bedacht werden müssen.

1 Pestizide und Garnelen

Die Herkunft der Pflanzen ist der wesentliche Knackpunkt. Oft werden sie auf grossen, offenen Farmen in Asien gezogen. Dort kommen dann häufig Pestizide zum Einsatz, um die Zöglinge zu schützen - aber auch, damit zum Beispiel keine Libelleneier mit verkauft werden. Garnelen haben anatomisch nun aber viele Gemeinsamkeiten mit Insekten und fallen im wahrsten Sinne"um wie die Fliegen", sobald sie mit Insektengift in Berührung kommen. Außerdem muss vor dem Import der Aquarienpflanzen in die EU sichergestellt sein, dass die Pflanzen frei von Fremdorganismen sind, und das wird ebenfalls oft mit Pestiziden gemacht.

Um Probleme zu vermeiden, sollten alle Pflanzen, die möglicherweise von einer grossen Freiluftanlage kommen könnten, über 2 Wochen gewässert werden. Dazu werden sie aus ihrem Transportgefäss genommen und von Steinwolle etc. befreit. Dann gibt man sie in einen Eimer Wasser, insgesamt für 14 Tage. Jeden Tag wird das Wasser komplett getauscht.

Trotz diesem Vorgang sollten die Tiere nach dem Einsetzen der Pflanze engmaschig kontrolliert werden. Im schlimmsten Fall droht eine akute Vergiftung.

1.1 Der Mythos Anubias-Gift

Eine hartnäckige Mär hält sich bezüglich der Pflanzengattung Anubias. Demnach soll es beim Austritt von Oxalsäure, welche beim Schneiden von Pflanzenteilen austritt, zu Garnelensterben kommen.

In mehreren Versuchen konnte das aber widerlegt werden. Die Nadeln der Oxalsäure sind mikroskopisch klein und verursachen bei Garnelen offenbar doch keinen Schaden - die Garnelen lebten jedenfalls selbst in pürierten Anubias über Tage ohne sichtbare Beeinträchtigung. Wahrscheinlicher ist, dass es auch bei dieser Pflanze zu Problemen durch vorangegangener Pestizidbehandlung kam.

Wer dennoch auf Nummer sicher gehen möchte, kann die Anubias als Aufsitzerpflanze zum Schneiden je nach Unterlage ganz bequem aus dem Aquarium nehmen und danach kurz abspülen. Aus unserer Erfahrung heraus ist dies jedoch nicht notwendig.

1.2 Giftfreie Alternativen

Will man das Risiko von mit Pestiziden verseuchten Pflanzen umgehen, besteht zum einen die Möglichkeit, aus bereits laufenden Aquarien Pflanzen zu kaufen, zum Beispiel von anderen bekannten Hobbyisten oder auf Kleinanzeigenplattformen. Allerdings besteht da wiederum die Möglichkeit, unerwünschte Schnecken oder sogar Parasiten "einzuschleppen". Kleinlibellenlarven und Großlibellenlarven können sogar bis 6 Monate brauchen, um zu schlüpfen, und solange als Ei im Blattgewebe verbleiben.

Es gibt auch noch den Weg der In-vitro-Pflanzen. Hier bestehen beide Risiken nicht, diese Aquarienpflanzen kommen aus sterilen Laborbedingungen. Einmal das Nährmittel aus dem Topf abgespült, sind sie gleich einsatzbereit. Es sind aber oft Jungpflanzen, die eine Weile zum Anwachsen brauchen, und preislich etwas höher angesetzt.

2 Das Zuchtbecken

Wer neu im Thema Garnelenhaltung ist, kann sich bei dem einen oder anderem Züchter über die Beckengestaltung wundern, wirken sie doch oft sehr leer. Fakt ist: für das Wohlbefinden der Tiere im Artenbecken sind Pflanzen nicht notwendig, viele Arten kennen in ihren natürlichen Habitaten überhaupt keine höheren Wasserpflanzen.

Stark wurzelnde und schnell wachsende Arten können sogar den Bodengrundwechsel (der bei der Haltung von Weichwassergarnelen unweigerlich hin und wieder notwendig ist) und vor allem die Selektion der Tiere sehr erschweren. Ausserdem sorgt eine starke Bepflanzung auch für starke Konkurrenz für Algen - und einige Arten benötigen diese sogar, um genug Aufwuchsfutter zu finden.

Viele Garnelenhalter greifen für ihre Zuchtbecken auf Aufsitzerpflanzen zurück - Anubias, Bucephalandra, Farne, Moose und Co. wachsen auf Stein oder Holz und können bei Bedarf im Handumdrehen aus dem Becken entfernt werden, sogar ohne viel Mulm aufzuwirbeln.

3 Garnelen im Aquascape

Wer mehr Liebhaber als Züchter ist und seine Zwerggarnelen nicht regelmässig selektieren muss, kann die kleinen Wirbellosen natürlich auch im Aquascape halten. Durch starke Bepflanzung lassen sich nicht immer alle Tiere beobachten, was aber seinen eigenen Reiz hat.

Zu beachten ist aber, dass Scaping-Soils mit Blick auf die Aquarienpflanzen oft stark vorgedüngt sind und gerade in den ersten Wochen starke Wasserwertschwankungen machen können - je nach Bodengrund sollte man also mit dem Wirbellosenbesatz ausreichend lange warten.

3.1 Pflanzendüngung mit Kohlendioxid

Auch die Düngung mit einer CO2-Anlage kann pH-Schwankungen auslösen. Wichtig ist, an die Nachtabschaltung zu denken, ansonsten kann es zu schlimmen Häutungsschäden oder zu Sauerstoffmangel kommen.

Von sogenanntem Flüssig-CO2 oder CO2-Tabletten sollte man vor allem als Einsteiger eher Abstand halten, da die Dosierung deutlich schwieriger zu steuern ist als bei der Druckgasanlage und es bei unsachgemäßer Anwendung ebenfalls zu einem Sauerstoffmangel kommen kann.

3.2 Pflanzendüngung im Garnelenaquarium

Handelsübliche NPK-Dünger, Eisendünger und Eisenvolldünger für Pflanzenaquarien sind für Wirbellose geeignet. Die enthaltenen Kupferlegierungen sind bei diesen speziellen Aquariendüngern in einem tolerablen Bereich, solange man sich an die Dosierungsempfehlungen hält. So lassen sich auch Starkzehrer wie Vallisnerien im Garnelenaquarium halten.

 

Autor: Sarah Lang

Fotos: Sarah Lang

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