Filterung im Fischaquarium vs. Filterung im Pflanzenaquarium

1 Filterung im Standardaquarium mit Tierbesatz

Fragt man etwa einen Koi-Halter, wird er einem von High-Tech Filtersystemen in seinem Fischteich erzählen – je größer umso besser. Ähnlich verhält es sich auch bei „Fischaquarianern“, den Haltern von Garnelen und natürlich auch bei den Aquarianern, die Krebse pflegen: eine große Filteroberfläche sorgt für Raum zur Ansiedelung von Bakterien und gegebenenfalls auch für weitere (reduzierende) Prozesse wie die Denitrifikation.

1.1 Mineralisierung

Organische Verbindungen, Fischausscheidungen und abgestorbenes Material werden durch Bakterien mineralisiert und für die Beckenbewohner weniger schädlich gemacht, dies bezeichnet man auch als Nitrifikation. Außerdem können Phosphate und Eisen ausgefällt werden und als Schlamm im Filter landen.

1.2 Ergebnis der Filterung

Durch die Filterung erhält man schlussendlich trotz hohem Tierbesatz ein relativ nitratarmes Wasser, frei von etwaigen „Vorstufen“ wie Nitrit oder Ammonium/Ammoniak. Mit dem richtigen Filtervolumen und der richtigen Wahl von Filtermedien lässt sich so selbst ein praktisch pflanzenloses Aquarium erfolgreich pflegen.

Dies bedeutet nun ausdrücklich nicht, dass in einem Aquarium mit Tierbesatz keine Pflanzen gepflegt werden können - es gibt sehr viele Aquarienpflanzen, die robust und relativ pflegeleicht sind und die problemlos auch in relativ stark gefilterten Aquarien überleben können und sich dabei sogar wohl fühlen!

2 Filterung im Pflanzenaquarium

Sieht man sich die Bedürfnisse von Pflanzen im Aquarium an, erkennt man schnell, dass genau Stoffe wie Nitrat, Phosphat und Eisen essentielle Nährstoffe für das Wachstum der Aquarienpflanzen darstellen. Sie zu entfernen, kann bei Aquarien wie zum Beispiel Aquascapes, in denen die Pflanzen die Hauptrolle spielen, sicherlich nicht Sinn der Sache sein – ganz im Gegenteil sorgen Pflanzenaquarianer eher für die zusätzliche Zufuhr von diesen Nährstoffen in Form von Düngern wie Eisenvolldünger oder NPK-Dünger.

2.1 Wahl des Filters fürs Pflanzenaquarium

Eine Vielzahl an Pflanzenaquarianern greift gerne zum Außenfilter. Häufig sind die Gründe hierfür schlicht die Optik und die Handhabung:

Mit Filtereinläufen und Filterausläufen aus Glas wird die Filtertechnik so gut wie unsichtbar, was gerade in einem Aquascape von Vorteil ist. Auch die Filterreinigung gestaltet sich in einem dicht bepflanzten Aquarium mit einem Außenfilter viel einfacher.

Eine sanfte Strömung im Pflanzenbecken sorgt für eine gute Verteilung der Nährstoffe, die Umwälzungsleistung des Filters kann allerdings ruhig etwas höher gewählt werden. Etwa 3 bis 4 Mal pro Stunde sollte der Beckeninhalt durch den Filter fließen. Bei einem 100L fassenden Becken sollte der Filter daher etwa 300 bis 400 L/h betragen. Da allerdings durch Filtermedien oder etwaige Ablagerungen in den Schläuchen die Durchflussleistung sinkt, sollte man im Zweifelsfall einen leicht stärkeren Filter wählen.

Wählt man einen Außenfilter, gibt es zahlreiche Filtermedien zur Bestückung. Aber Achtung: viele sind für Fischaquarien konzipiert und bieten oft entweder eine extrem hohe Filteroberfläche (Hochleistungsfiltermedien wie Sinterglas, Keramik etc.), oder ihre Filterung ist chemischer oder physikalischer Natur (Ionentauscher wie Zeolith oder Aktivkohle, oder aber Adsorber / Harz). All diese Filtermedien entziehen dem Wasser für Pflanzen wertvolle Nährstoffe. Auch der dauerhafte Einsatz von Aktivkohle nimmt den Pflanzen wertvolle Nährstoffe wie z.B. Eisen und Spurenelemente weg.

Viele Pflanzenaquarianer tendieren daher in Richtung „Geringfilterung“: Dieser Begriff bezeichnet einen nur mit wenigen Schwämmen ausgerüsteten Außenfilter, bis hin zum mit Strömungspumpen betriebenen Pflanzenaquarium ohne größere Filtermaterialien. Vorteil: Zugegebene Nährstoffe „verschwinden“ nicht im Filter und man hat eine bessere Kontrolle über die Nährstoffsituation des Beckens.

Hier muss man dann allerdings eventuell beim Besatz Abstriche machen: Nicht alle Fische und Garnelen vertragen hohe Nitrat- und Phosphatwerte.

 

Autor: Ricardo Castellanos
Co-Autor: Ulli Bauer

Fotos: Ricardo Castellanos

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