Aufsitzer, Epibionten, Kommensalen - eine Übersicht

Auf Garnelen, Krebsen und Schnecken im Aquarium leben erstaunlich viele unterschiedliche Tierarten, die meist nicht parasitisch sind und die Wirbellosen einfach nur als "Unterlage" und Taxi verwenden. Hier findet ihr eine grobe Übersicht und eine kleine Bestimmungshilfe. Die grün unterlegten Wörter bringen euch dann zum ausführlichen Wiki-Eintrag zum jeweiligen Tier, wo ihr gegebenenfalls auch Bekämpfungsmaßnahmen findet.

Diese Übersicht ist keineswegs umfassend - wir stellen hier nur die häufigsten Aufsitzer oder Epibionten im Aquarium vor und erheben damit keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Wenn ihr ein interessantes Tierchen der Begleitfauna bei euch entdeckt, das noch nicht in der Wiki steht, bitte meldet euch!

Aufsitzer, auch Epibionten oder Kommensalen genannt, sind keine einheitliche Tierklasse. Hier gibt es Ringelwürmer, Plattwürmer und noch ganz andere Tierchen, zum Beispiel die koloniebildenden Mikroorganismen. Während die Würmer teilweise sehr hoch auf eine bestimmte Wirtsart spezialisiert sind, sind die Mikroorganismen überhaupt nicht wählerisch - sie sitzen nicht einmal ausschließlich auf den Wirbellosen auf, sondern sind teilweise auch auf Pflanzen und manche von ihnen sogar auf Deko oder den Aquarienscheiben zu sichten.

Epibionten im Aquarium sind nicht alle schädlich, einige von ihnen erfüllen einen Zweck und sind sogar nützlich - deshalb sollte man hier ganz genau hinschauen, ehe man Maßnahmen gegen die Tiere ergreift.

1 Aufsitzer auf Garnelen

1.1 Saugwürmer

Weiße Punkte in der Kiemenkammer, sichtbar bei durchsichtigen Garnelen wie White Pearls, Blue Dreams, Yellows oder Blue Jellys, oder bis 2 mm lange weiße Zotteln an der "Nase" der Garnelen, also am Rostrum, sind in der Regel Scutariella oder Saugwürmer. Normalerweise handelt es sich hier nicht um Parasiten, sondern um Aufsitzer, die sich von Detritus im Wasser ernähren und es ausnutzen, dass Garnelen nicht die reinlichsten Fresser sind. Es gibt allerdings auch wenige parasitische Arten, die an den Kiemen Blut saugen. Man geht davon aus, dass ein geringgradiger Saugwurm-Befall der Garnele nicht unbedingt schadet. Saugwürmer gehören zu den Plattwürmern.

 

1.2 Holtodrilus

Ein noch recht neuer Aufsitzer bei Garnelen ist Holtodrilus, ein relativ unauffälliger Ringelwurm. Ihre transparente beige bis rosane Farbe und die Tatsache, dass diese Würmer sehr gerne zwischen den Schreitbeinen oder den Schwimmbeinen von Garnelen sitzen, machen sie trotz ihrer recht beachtlichen Länge von ca. 2 cm relativ unauffällig. Um Holtodrilus zu entdecken, muss man schon sehr genau hinschauen. Der Ektosymbiont schadet den Garnelen nicht, er ernährt sich von Futterresten, die die Garnelen beim Fressen "verlieren", und von Kleinstorganismen auf dem Garnelenpanzer. Genau genommen halten diese Würmer damit den Panzer sogar sauber und erfüllen so eine sinnvolle Funktion.

 

1.3 Garnelenalge

Lange wurde die parasitische Alge für eine systemische Mykose oder für Ellobiopsidae gehalten, teilweise bezeichnen sie manche Seiten immer noch so. Hier handelt es sich nach neueren Untersuchungen jedoch um Cladogonium ogishimae, eine Alge ohne Chlorophyll, die mit ihrem Rhizoid in den Abdominalmuskel der Garnele eindringt und sich parasitisch von Körpersäften ernährt. Nur ihre Sporen enthalten noch Chloroplasten, weshalb sie grün erscheinen. Die transparente Alge selber sieht man nicht, weil sie zwischen den Schwimmbeinen ins Körperinnere der Garnele wächst, ihre Sporen sieht man als gelblichen bis grünlichen zotteligen Bewuchs zwischen den Schwimmbeinen, der auf den ersten Blick ein bisschen nach Eiern aussieht.

 

2 Würmer auf Krebsen

2.1 Temnocephaliden

Auf der Natur entnommenen Krebsen aus der Gattung Cherax kann man hin und wieder die weißlichen Temnocephaliden finden - sie gehören nicht zu den Egeln (auch wenn sie manchmal mit Krebsegeln verwechselt werden), sondern zu den Plattwürmern. Es handelt sich hier um reine Aufsitzer, die sich von Kleinstorganismen auf dem Krebspanzer und von Detritus ernähren, den der Krebs beim Herumlaufen oder beim Fressen aufwirbelt. Bei älteren Krebsen (die sich nicht mehr so häufig häuten wie Jungtiere) erfüllen sie eine wichtige Aufgabe: Sie halten den Krebspanzer sauber. Es gibt sogar Hinweise, dass diese Tätigkeit lebensverlängernd für den Krebs ist. Temnocephaliden sind also definitiv nicht schädlich, eher im Gegenteil.

 

2.2 Krebsegel

Die weißlichen Krebsegel gehören zu den Ringelwürmern. Sie findet man auf Krebsen der Nordhalbkugel, aus den Familien Astacidae und Cambarellidae. Überwiegend fressen diese Würmer Mikroaufwuchs, kleinen Würmern und Bakterien auf dem Krebspanzer und von Detritus, den der Krebs aufwirbelt. hin und wieder. In Europa ist nur eine einzige Art bekannt, die parasitisch lebt. Sie siedelt mehr oder weniger unsichtbar in der Kiemenkammer der Krebse. Bei aufsitzenden Krebsegeln kann man davon ausgehen, dass sie in der Regel harmlos bis nützlich für den Krebs sind und bei den Astacidae und Cambarellidae dieselbe Funktion erfüllen wie die Temnocephaliden bei Cherax.

 

3 Würmer auf Schnecken

3.1 Bauchborstenwurm

Die 3 mm langen, weißlichen Bauchborstenwürmer leben auf Spitzschlammschnecken, Posthornschnecken, Blasenschnecken, Stufen-Posthornschnecken und anderen, sogar auf Muscheln. Meist sieht man sie auf Naturentnamen. Häufig sitzen sie auf dem Vorderende der Schnecken, fast wie ein Bart aus sehr borstigen weißen dicken Haaren. Diese Aufsitzer schaden den Schnecken nicht, im Gegenteil, man geht davon aus, dass sie sogar schädliche Trematodenlarven fressen, die die Schnecken sonst infizieren können.

 

 

3.2 Tylomelania-"Egel"

Die rötlichen bis bräunlichen Tylo-"Egel" gehören eigentlich zu den Temnocephaliden und damit zu den Plattwürmern, nicht zu den Egeln. Es handelt sich hier um reine Aufsitzer, die kein Blut saugen. Ein sehr starker Befall kann die Tylomelania-Schnecke jedoch stark stressen, was zur Folge haben kann, dass sie nicht mehr frisst und verhungert. Diese Aufsitzer sieht man vor allem an Import-Schnecken. Auf andere Gattungen gehen sie nach bisherigen Beobachtungen nicht über. Die Tylo-"Egel" fressen Detritus aus dem Wasser und benutzen die Schnecke lediglich als Transportmittel.

 

 

3.3 Caobangia

Bei diesen Würmern aus der Gattung Caobangia handelt es sich um Vielborster. Man sieht sie eher selten im Aquarium, und auch nur auf Wildfangschnecken aus Südostasien. Sie bohren oberflächliche, flache Löcher in Schneckengehäuse, aus denen ein federartiges Gebilde herausragt - mit diesen Strukturen fangen die Würmer Detritus aus dem Wasser, von dem sie sich ernähren. Daneben fressen sie auch Mikroorganismen und Wurmlarven, die die Schnecke ansonsten schädigen könnten. Die Löcher gehen nicht durch bis zum Schneckenkörper, die Schnecke wird durch diese Aufsitzer also nicht wirklich geschädigt. Es handelt sich hier nicht um Parasiten.

 

4 Mikroorganismen

4.1 Zoothamnium

Diese koloniebildenden Wimperntierchen formen filigrane, korallenartige oder schirmartige Gebilde.  Zoothamnium sitzen unspezifisch auf allen möglichen Oberflächen und auch auf Garnelenpanzern oder Krebspanzern, auf Pflanzen, den Aquarienscheiben oder Schneckenhäusern. Sie fressen Kleinstlebewesen wie Bakterien im Aquarienwasser. Sie sind an sich für Wirbellose im Aquarium harmlos, aber können ein Anzeichen für eine hohe Keimdichte im Freiwasser sein.

 

 

4.2 Glockentierchen

Bei Glockentierchen handelt es sich um einen unspezifischen Aufsitzer. Vorticellidae kann man im Aquarium nicht nur auf dem Panzer von Krebstieren und auf Schneckenhäusern finden, sondern auch auf Pflanzen und auf der Dekoration. Selbst auf Würmern und auf Fischen können sie sich ansiedeln. Glockentierchen sehen wie ein feiner Flaum aus - auf den ersten Blick könnte man sie für Schimmelbefall halten. In den feinen weißlichen Wolken sieht man weiße Pünktchen, wenn man sehr genau hinschaut..

 

 

4.3 Trompetentierchen

Die mit den Glockentierchen verwandten Trompetentierchen wirken insgesamt etwas "massiver" als die deutlich zarter wirkenden Vorticellidae. Sie gehören zu der Familie der Stentoridae. Wie Glockentierchen sind auch Trompetentierchen unspezifische Aufsitzer, die auf allen möglichen Oberflächen und eben auch auf Wirbellosen und Fischen im Aquarium vorkommen können.

 

 

4.4 Hydra

Hydren oder Süßwasserpolypen sitzen eher selten auf Garnelen oder Krebsen auf, aber auf Schneckenhäusern kann man sie hin und wieder beobachten. Sie sehen ein bisschen aus wie ein Regenschirm ohne Stoff. Ihre zarten Tentakelarme sitzen auf einem etwas dickeren Stiel. Hydra ernährt sich räuberisch, in der Regel von Kleinstkrebsen wie Cyclops oder Muschelkrebsen. In seltenen Fällen werden auch sehr kleine Junggarnelen gefressen.

 

Autor: Ulli Bauer

Fotos: Ricardo Castellanos, Nicole Hofstädter, Chris Lukhaup, Christian Baltrusch, Roger Tabor (USFWS) über Wikimedia Commons, Public Domain, Tamara Stamm, Silke Freier-Schneider, Jana Hesse, Sandra Fischer, Christiane Kienesberger, Kirsten Cordes

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