Kriterien beim Kauf von Garnelen

Wenn das Aquarium passend eingerichtet ist und das Ökosystem stabil ist, geht es an den Besatz. Doch beim Kauf von Garnelen gibt es eine Menge zu beachten.

Hier folgt ein kleiner Leitfaden, was beim Einkauf wichtig ist und woran ihr einen guten Händler erkennt. Überwiegend treffen die folgenden Kriterien natürlich auf Garnelen zu, die ihr zum Beispiel in einer Zoohandlung, beim Hobbyzüchter oder beim gewerblichen Züchter, an einem Messestand oder bei einer Börse direkt anschauen könnt, aber auch Fotos von Zuchtaquarien und Bilder von Garnelen bei Onlineshops können euch entscheidende Hinweise liefern.

In einem weiteren Artikel in dieser Wiki stelle ich euch die verschiedenen Bezugsquellen noch genauer vor, bei denen ihr Garnelen kaufen könnt: "Wo kauft man Garnelen am besten?"

1 Das Verkaufsbecken

1.1 Was ist ok?

Natürlich ist ein Verkaufsbecken meist kein schönes Biotop. Der Käufer soll die Tiere sehen können, die ja auch nur ein paar Wochen dort unterkommen. Deshalb sind eine üppige Bepflanzung und liebevoll eingerichtete Naturdekoration kein Muss. Kahle Becken mit nackigem Kies sind völlig in Ordnung, ein wenig Algenaufwuchs ist toll (das beste Garnelenfutter).

Bräunliches Wasser ist kein schlechtes Zeichen - oft sind Huminstoffe für diese Farbe verantwortlich, und die wirken sogar leicht desinfizierend. Auch ein wenig Mulm ist in einem biologisch aktivem Aquarium ganz normal und spricht für funktionierende Bakterienkulturen, ist also sogar gut.

Ein ganz neu eingerichtetes, klares Becken ist aber ebenfalls okay. Es sagt zwar aus, dass die Verkaufstiere noch nicht lange gehalten werden, das ist aber kein Problem, wohnen sollen sie ja bei uns.

1.2 Was ist nicht ok?

Ein paar Sachen solltet ihr im Verkaufsbecken aber nicht vorfinden. Im Aquarium stimmt ganz grundsätzlich etwas nicht, wenn:

1.2.1 Kriterium Beifische

Beifische sind besonders in Aquarien in Geschäften oft zu finden. Das ist in erster Linie das Problem des Händlers, da kleine Garnelen von den meisten Fischen gern mal gefressen werden, solange sie ins Maul passen. Der Zustand der schuppigen Mitbewohner kann allerdings als Indikator für die Beckenfürsorge der Verkaufsstelle mit bewertet werden:

  • Haben die Fische eindeutige Krankheitssymptome, z.B. Weißpünktchen oder Oodinium?
  • Wirken die Bäuche seltsam aufgebläht? (Auch Fische sind nicht immer alle trächtig.)
  • Stehen die Fische in Farbe oder wirken sie matt, haben ggf. sogar Stresszeichnung?
  • Liegen oder treiben tote Tiere im Becken?

1.3 Wie geht der Händler mit Problemen um?

Findet ihr eines der aufgelisteten Anzeichen im Aquarium mit euren Wunschgarnelen, sprecht den Händler darauf an. Weicht er aus oder verharmlost die Situation, müsst ihr leider davon ausgehen, dass es sich um eine nicht ganz ehrliche Verkaufsstelle handelt, die mehr Wert auf Umsatz als auf die Tiere legt, oder wo die Verkäufer selber keine Ahnung haben. Achtung: Oft überspielen Verkäufer die (teils unbeabsichtigte, bitte keine Verurteilungen an dieser Stelle) Unwissenheit mit Empfehlungen von Produkten zur Behandlung oder Überredungskünsten. Trotzdem gilt es zu erwägen, ob man hier wirklich Tiere kaufen möchte.

Seriöse Händler können präzise Auskünfte geben und verschleiern eventuelle Probleme nicht.

Wenn ihr Begleitfauna seht, aber nicht sicher seid, ob sie zu den “Guten“ gehört, könnt ihr auch fragen - kann der Verkäufer die Untermieter benennen? Wenn nicht, dann solltet ihr ebenfalls tendenziell eher die Finger vom Kauf lassen!

2 Die angebotenen Garnelen

Ist das Becken in Ordnung, schauen wir uns die Garnelen an.

2.1 Wie verhalten sich die Tiere?

Piddeln sie fleißig die Körner des Bodengrunds ab und wandern oder schwimmen sie von Zeit zu Zeit?
Gut.  

Oder sitzen sie apathisch auf einer Stelle?
Schlecht.

Schwimmen alle angestrengt in einer Ecke an die Oberfläche?
Schlecht. Dass Garnelen gegen die Filterströmung hochschwimmen, ist allerdings normal und kein Alarmzeichen.

Zucken die Tiere seltsam, liegen manche seitlich oder sogar auf dem Rücken?
Auch schlecht.

Dass sich Garnelen verstecken, ist übrigens normal, vor allem, wenn Fische mit im Becken sind.

2.2 Wie sehen die Tiere in ihrer Gesamtheit aus?

Sind alle gleichmäßig gefärbt?
Gut. Eine gewisse Streuung in Farbintensität und Zeichnung ist allerdings normal.

Oder seht ihr Mischformen?
Gut - die Garnelen vermehren sich im Aquarium, und
schlecht - der Genpool ist nicht mehr “sauber“, es könnten auch in Zukunft Mischer fallen, selbst wenn ihr nur Tiere in der Farbe nehmt, die ihr wünscht.

Sind alle Tiere gleich alt und groß?
Nicht optimal. Es handelt sich vermutlich um einen frisch importierten Stamm. Gefahr besteht hierbei, dass der Transportstress noch nicht lange her ist, die Tiere sind möglicherweise immunschwach. Außerdem kommt es vor, dass überwiegend ein Geschlecht im Becken sitzt, mit Pech kann man dann lange auf Nachwuchs warten.

Tragende Tiere sollten nicht unbedingt als gutes Zeichen bewertet werden, oft kommen sie schon mit Eiern unterm Bauch aus der Zuchtanlage. Wenn ihr aber sehr kleine Jungtiere im Becken seht, ist das wiederum gut - das bedeutet, dass die Garnelen so gehalten werden, dass die Jungtiere überleben.

2.3 Wie sehen die Garnelen im Einzelnen aus?

Mögliche häufig vorkommende Parasiten sind:


Sprecht auch hier die Verkäufer gerne an und weist sie darauf hin. Kaufen solltet ihr die Garnelen so eher nicht, aber die Reaktionen sagen viel über den Händler.

Weitere schlechte Zeichen sind:


Vorsichtig sein und nachfragen solltet ihr bei:

  • deutlich blasser Farbe (kann aber auch am - dann oftmals hellen - Bodengrund oder am kürzlichen Transport liegen)
  • sehr unterschiedlich gefärbten Tieren im Becken (kann “schlechtes“ Zuchtmaterial sein)
  • leichten Deformationen (auch hier besser die Finger von lassen, sie sind aber nicht immer leicht zu erkennen)

3 Wie erkenne ich einen guten Onlinehändler?

Online kann man die Aquarien natürlich nur sehr eingeschränkt betrachten. In Onlineshops oder in Verkaufsanzeigen in Online-Portalen oder auf Facebook seht ihr ausschließlich das, was der Händler möchte, dass ihr es seht. Aber auch hier könnt ihr die oben erwähnten Kriterien anwenden, ein paar Dinge lassen sich oftmals auch auf den Fotos beurteilen. Woran man noch einen guten Onlineshop erkennt, habe ich hier zusammengefasst. Außerdem gibt es noch weitere Kriterien, die speziell für Online-Bestellungen von Garnelen fürs Aquarium zutreffen:

3.1 Versand

Zu Versandunternehmen, mit denen Garnelen versendet werden können oder eben auch nicht, habe ich einen eigenen Artikel verfasst. Einen guten Händler erkennt ihr übrigens auch daran, dass er für Tiertransporte nicht die billigste Versandvariante anbietet, sondern eine möglichst tierfreundliche. Bietet er Expressversand oder zumindest versicherten Versand mit Sendungsverfolgung an? Liefert er über ein Transportunternehmen, bei dem der Versand von Wirbellosen erlaubt ist?

3.2 Verpackung

Auch die Verpackung ist wichtig: Sind die Tiere fachgerecht verpackt? Verwendet der Verkäufer zum Beispiel Styroboxen für den Versand und legt er bei kalten Temperaturen eine Wärmequelle (beispielsweise ein Heatpack oder einen Extrabehälter mit warmem Wasser) bei? Haben die Tiere etwas im Beutel, woran sie sich festhalten können - grüne Filterfasern, Filterschwamm oder etwas vergleichbares? Da Pflanzen in der Dunkelheit Sauerstoff verbrauchen, sollten sie keinesfalls mit in den Transportbeutel zu den Tieren kommen!

Sind Garnelen, Krebse, Krabben und Schnecken ordentlich verpackt, sind mehrere Tage Laufzeit bei Normaltemperaturen kein Problem. In der Regel verpacken informierte Verkäufer ihre Tiere so gut, dass ihnen ein Versand von 24-48 Stunden (bei niedrigen Temperaturen sogar noch deutlich länger) nichts ausmacht. Habt also keine Angst vor dem Versand.

4 Welche Garnelen kaufen wir jetzt also?

Entsprechen die auserwählten Tiere und natürlich auch der Anbieter euren Anforderungen, achtet auf eine ausgewogene Mischung.
Kauft Tiere verschiedener Größe, selbst wenn kleinere Garnelen oft noch nicht gut gefärbt sind.
Weicht nicht zu sehr von eurer ursprünglichen Vorstellung an Tieren ab, auch wenn der Verkäufer euch tolle Sachen verspricht. Im Zweifel noch mal nach Hause fahren und nachlesen, ob die Informationen stimmen.
Schaut euch die Verkaufsbezeichnung an. Noch nie gehört? Dann sind es möglicherweise ausselektierte Tiere eines etablierten Stammes, die man mit einem Fantasienamen unter die Leute bringen will.
Zu günstige Preise sollten euch auch stutzig machen. Überlegt euch: Wer wird von diesem Geld satt oder eben auch nicht? Tierrecht und Menschenrecht dürfen beide nicht auf der Strecke bleiben. Das sollte sich in einem angemessenen Preis widerspiegeln.

 

Autor: Sarah Lang

Fotos: Garnelenhaus

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