Einsteiger-FAQ

Weil bei Einsteigern in die Garnelenhaltung häufig dieselben Fragen auftreten, haben wir hier einmal die wichtigsten Grundlagen für einen guten Start mit der Garnelenhaltung gesammelt. Worauf kommt es an, wenn man Garnelen zum ersten Mal im Aquarium halten möchte?

Natürlich geht Garnelenhaltung auch anders als hier in der Wiki beschrieben - hier haben wir die unserer Ansicht nach für Anfänger bei der Garnelenaquaristik besten Lösungen aufgeschrieben. Viele andere Ansätze und Setups funktionieren ebenso, wir haben hier keinen Absolutheitsanspruch!

Die grün unterlegten Wörter im Text führen euch auf weiterführende Artikel, in denen wir zum jeweiligen Thema noch mehr Infos geben und weiter ins Detail gehen. Klickt drauf, es lohnt sich :) .

1 Das Aquarium

Im Fachhandel werden Komplettsets häufig sehr günstig angeboten - gängig ist die Größe von 60 cm Kantenlänge mit 54 Litern Fassungsvermögen, aber auch in kleineren Becken, den sogenannten Nanoaquarien, ist die Garnelenhaltung ab ca. 20 Litern Volumen sehr gut möglich.

Gerade bei größeren Komplettsets ist der Filter häufig nicht garnelensicher und muss daher entweder aufwändig gesichert oder gleich ausgetauscht werden. Auf das Thema "Filter" gehen wir weiter unten aber noch genauer ein.

Viele Aquaristikfirmen haben mittlerweile auch Nano-Komplettsets im Angebot, die speziell auf die Garnelenhaltung ausgelegt sind und alles notwendige an Technik enthalten. Damit habt ihr einen relativ sorgenfreien Start, weil ihr vieles nicht mehr mühsam zusammensuchen müsst.

Zwar puffern kleinere Wassermengen Schadstoffe nicht so gut weg wie größere Volumen, und sehr kleine "Pfützen" sind manchmal etwas schwerer stabil zu halten als größere Aquarien. Wenn man jedoch bei der Garnelenfütterung nicht übertreibt, hochwertiges Futter verwendet und beim Wasserwechsel nicht nachlässig wird, ist es auch für Einsteiger gut möglich, entspannt mit einem kleineren Becken zu beginnen - zumal die Aquarientechnik heute deutlich besser auf Miniaturaquarien und Nanos ausgelegt ist als vor - sagen wir - 20 Jahren.

2 Das Wasser

Wichtig ist zu wissen, aus welchen Wasserwerten eure neuen Garnelen kommen werden. Garnelen tun sich schwer mit abrupten Änderungen in den Wasserwerte, deshalb ist es durchaus interessant zu wissen, wie die Tiere vorher gehalten wurden.

Dabei zeigen Garnelen, die in weichem Wasser gezüchtet wurden, deutlich mehr Anpassungsschwierigkeiten als solche, die aus Hartwasser in weicheres Wasser umgesetzt werden - vorausgesetzt, die Unterschiede sind nicht zu krass. Bis zu fünf Härtegrade Unterschied nach unten werden in der Regel relativ gut weggesteckt.

2.1 Leitungswasser

Das gute alte Kraneberger kommt nicht für alle Garnelenarten passend aus dem Wasserhahn. Welche Werte bei euch aus dem Hahn sprudeln, findet ihr bei eurem Wasserwerk auf der Homepage, meist unter dem Stichwort "Trinkwasseranalyse". Für Garnelen sind zunächst einmal die Werte der Gesamthärte (GH), der Karbonathärte (KH), und der Nitratwert (NO3) interessant. In den jeweiligen Artendatenblättern in unserer Artendatenbank für Garnelen findet ihr die Angaben für die jeweiligen Arten.

Ganz ausführlich erklären wir in unserem Wiki-Artikel "Garnelen in Leitungswasser halten", worauf es dabei ankommt.

Dort gehen wir auch im Detail darauf ein, was man tun kann, wenn im Leitungswasser für Garnelen schädliche Stoffe wie zum Beispiel Chlor oder Kupfer enthalten sind und welche Alternativen es gibt.

2.1.1 Wasseraufbereiter

Wer mit Leitungswasser im Garnelenaquarium arbeiten möchte, sollte sich überlegen, mögliche Risiken mit einem Wasseraufbereiter zu mildern. Wir empfehlen Aufbereiter, die auf der Basis von fein vermahlenem Zeolith arbeiten, zu erkennen am milchig-trüben Aussehen, zum Beispiel unser Easy Filter Powder. Diese Art von Wasseraufbereiter bindet Schadstoffe auf physikalischem Weg, was zuverlässiger und stabiler ist als eine chemische Bindung.

Ebenfalls sehr wichtig finden wir die Anwesenheit von Huminstoffen im Garnelenaquarium - diese Stoffe eliminieren gefährliche Bakterien aus dem Freiwasser, helfen Garnelen bei der Häutung und tragen zu ihrem allgemeinen Wohlbefinden bei. Was Huminstoffe alles bewirken können, erklären wir in unserem Wiki-Artikel "Huminstoffe im Aquarium". Unserer Ansicht nach gehören sowohl ein Wasseraufbereiter als auch ein Huminstoffpräparat in jeden Unterschrank, auf dem ein Garnelenaquarium steht - um Problemen frühzeitig begegnen zu können oder ihnen gleich von vornherein aus dem Weg zu gehen!

2.2 Wasser für Garnelen

Wenn euer Leitungswasser nun aber so gar nicht zu eurem geplanten Besatz passen will, solltet ihr euch mit dem Gedanken an eine Wasseraufbereitung vertraut machen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Weichwasser fürs Aquarium herzustellen. Eine Osmoseanlage ist in der Aquaristik häufig der Weg zu weichem Wasser, aber auch destilliertes Wasser aus dem Supermarkt oder aus einem Vollentsalzer sind praktikable Wege. Häufig verkaufen auch Zoohandlungen Osmosewasser kanisterweise, sodass man sich für ein kleines Nanobecken nicht zwingend eine Anlage zur Wasseraufbereitung ins Haus holen muss.

Dieses Weichwasser muss für die Haltung von Garnelen im Aquarium wieder etwas mit Mineralstoffen versehen werden. Das geht am besten mit einem guten Aufhärtesalz, zum Beispiel mit unserer Hausmarke Salty Shrimp. Hier bei uns im Onlineshop findet ihr eine passende Mischung für alle gängigen Garnelen in der Aquaristik.

2.2.1 Was können Aufhärtesalze?

Mit Mineralsalzen bringst du die Mineralstoffe ins Wasser, die deine Garnelen brauchen, und zwar exakt in der Zusammensetzung, wie sie sie von Natur aus gewohnt sind.

Übersicht Mineralsalze
Bee Shrimp Mineral GH+ Mit dieser Mischung aus verschiedenen Mineralsalzen hebst du gezielt nur die Gesamthärte an. Dieses Aufhärtesalz ist ideal für Garnelen aus Weichwasserbiotopen: zum Beispiel Bienengarnelen, Tigergarnelen, Taiwangarnelen und andere Hochzucht-Caridina, Hummelgarnelen und alle weiteren Weichwassergarnelen.
Shrimp Mineral GH/KH+ Diese Mineralsalzmischung hebt sowohl die Karbonathärte als auch die Gesamthärte an, und zwar in einem optimalen Verhältnis für Garnelen, die aus Biotopen mit härterem Wasser kommen. Sehr typische Vertreter sind hier die hübschen bunten Neocaridina-Arten Neocaridina davidi oder Neocaridina palmata, auch einfach Rückenstrichgarnelen genannt. Sie sind eigentlich DIE klassischen Einsteigergarnelen, weil sie sehr viel mehr Fehler verzeihen als die empfindlicheren Weichwassergarnelen.

Dann gibt es noch die Salze für Sulawesigarnelen - diese Garnelen sind jedoch überwiegend sehr speziell und nur für sehr ambitionierte Einstiger geeignet, weshalb wir in dieser Einsteiger-FAQ nicht weiter auf sie eingehen - das würde zu stark ins Detail gehen.

2.3 Wassertests

Grundsätzlich gelten Tröpfchentests als etwas genauer als Teststäbchen. Eine Basisausrüstung für die Haltung von Garnelen im Aquarium sollte folgende Tests beinhalten: Gesamthärte, Karbonathärte, pH-Wert, Nitrit, Nitrat und eventuell Kupfer. Wenn dich grundsätzlich die Wasserchemie im Aquarium interessiert, empfehlen wir dir unsere Rubrik "Wasserpflege" in unserer Aquaristik-Wiki zum Stöbern.

3 Die Aquarientemperatur

Braucht das neue Garnelenaquarium einen Heizer? Ist vielleicht schon einer im Komplettset dabei? Bei den meisten Zwerggarnelen in der Aquaristik kann man sich diese Energiekosten schlicht sparen, sie kommen perfekt mit Wassertemperaturn von 18 bis 24 °C zurecht - was ziemlich genau unseren gängigen Zimmertemperaturen entspricht. Einen Heizstab braucht man daher nur dann im Garnelenbecken, wenn man Arten aus deutlich wärmeren Gewässern halten will (womit wir zum Beispiel wieder bei den Sulawesigarnelen wären) - oder wenn die Temperatur auf Dauer deutlich unter dem Mindestwert von 14 °C liegen würde.

Spannender ist bei der Garnelenhaltung aber tatsächlich der Maximalwert. Ab ca. 25 °C können empfindlichere Garnelen schon Probleme mit dem geringeren Sauerstoffgehalt bekommen, weshalb eine Kühlung im Sommer für ein Garnelenaquarium in der Regel viel wichtiger wäre als eine Heizung im Winter. Die lässt sich übrigens mit einem speziellen Aquarienkühler ganz gut bewerkstelligen, im verlinkten Artikel findet ihr aber noch mehr Alternativen.

4 Der Filter

Grundsätzlich kann man Garnelenaquarien auch ohne Filter betreiben, gerade für Einsteiger empfehlen wir jedoch die Verwendung eines guten Wasserfilters - das Aquarium läuft einfach stabiler, und grade als Anfänger bist du ohnehin schon damit beschäftigt, auf viele Dinge zu achten. Ein guter Filter kann dir da eine ganze Menge Sorgen abnehmen.

Grundsätzlich arbeitet ein Filter im Aquarium auf zweierlei Weise: zum einen entfernt er mechanisch Schwebstoffe und kleine Partikel aus dem Wasser, zum anderen leben hier eine ganze Menge Bakterien, die sich Schadstoffe schmecken lassen und sie abbauen. Die Schadstoffe wie zum Beispiel Nitrit entstehen im Aquarium, wenn Tiere Dinge verdauen oder Reste liegenbleiben (sei es Futter, abgestorbene Pflanzenteile oder - was wir nicht hoffen wollen - tote Tiere). Sie können Garnelen, Schnecken, Krebsen, Krabben und Fischen im Aquarium das Leben ganz schön schwer machen und sogar ihr Leben in Gefahr bringen, von daher ist es sehr gut, dass es Filterbakterien gibt, die sich um diese schädlichen Stoffe kümmern!

Um es den Filterbakterien möglichst schön zu machen, gibt es verschiedene Filterarten im Aquarium.

Der Innenfilter mit Motor sitzt im Inneren des Aquariums. Es gibt spezielle Innenfilter für Garnelen, die so gebaut sind, dass die Jungtiere nicht gefährdet sind - sie können zwar teilweise in den Filter wandern, aber sie kommen nicht bis zum Antrieb, der sie schreddern würde. Garnelensichere Innenfilter sind oft bei Nano-Komplettsets schon dabei.

Herkömmliche Motor-Innenfilter, die nicht garnelensicher sind, solltest du entschärfen, indem du die Schlitze mit einem Nylonstrumpf oder etwas vergleichbarem abdeckst. Auf Dauer ist aber eine garnelenfreundlichere Lösung besser.

Schwammfilter werden ebenfalls im Inneren des Aquariums betrieben. Sie eignen sich super für Garnelenaquarien. Hier gibt es auf dem Markt wirklich viele gute Modelle, wie den AquaEl Pat Mini. Schwammfilter werden entweder mit einem Luftheber (braucht eine externe Luftpumpe, ist etwas lauter, aber definitiv sehr garnelenfreundlich) oder mit einem kleinen Motoraufsatz betrieben.

Außenfilter oder Rucksackfilter sitzen außerhalb des Aquariums und ziehen das Wasser durch einen Wassereinzug aus dem Aquarium. Dieser Wassereinlass lässt sich mit einem Stück feinem Filterschwamm am Ansaugkorb oder einem Filter Guard, einem feinen Geflecht aus Edelstahl, recht einfach "entschärfen".

Ein Hamburger Mattenfilter ist für Garnelenaquarien geradezu prädestiniert. Man kann ihn mit etwas Geschick aus Filtermatte und einem Luftheber oder einem Motorfilter sowie einigen Kabelkanälen und etwas Silikon selbst bauen. Hier im Shop findest du fertige HMF-Lösungen ohne Basteln, die du auch in ein schon laufendes Aquarium integrieren kannst.

4.1 Grundsätze zur Filterung

Egal, für welchen Aquarienfilter du dich schlussendlich entscheidest - er muss auf jeden Fall Tag und Nacht durchlaufen, damit das Aquarienwasser nicht nur mechanisch, sondern auch biologisch gereinigt wird.

Wird der Filter nicht permanent von sauerstoffhaltigem Wasser durchströmt, können die Filterbakterien sich nicht richtig entwickeln und nicht gut arbeiten. Im schlimmsten Fall sterben sie ab, Schadstoffe werden nicht mehr abgebaut, und der Filter mutiert zur Keimschleuder.

Aus diesem Grund solltest du dich immer für eine Filterlösung entscheiden, die zu dem Raum passt, in dem das Aquarium aufgestellt wird. Mit einem eher lauten Luftheber wirst du eher nicht so glücklich, wenn das Aquarium im Schlafzimmer stehen soll.

4.2 Die Filterreinigung

Die Bakterien im Filter produzieren Mulm - feine braune Flocken, die mit der Zeit das Filtermaterial durchziehen. Grundsätzlich muss man den Filter aber immer erst dann reinigen, wenn sichtbar weniger Wasser durchkommt, im Mulm leben die Filterbakterien sehr gut.

Die Filterbakterien sind temperaturempfindlich, deshalb dürfen Filtermedien und Filtermatten nur mit kaltem Wasser ausgewaschen werden. Wer sie aus hygienischen Gründen kocht oder auch nur heiß auswäscht, tötet die Filterbakterien - dann muss das Aquarium von Grund auf neu eingefahren werden. Bitte nicht tun!

Dasselbe gilt natürlich auch für alle Reinigungsmittel und Desinfektionsmittel - die haben an den Filtermedien natürlich ebenfalls nichts verloren. Grob ausspülen genügt.

Weil man auch mit dem Ausspülen wichtige Bakterien entfernt, sollte am Tag nach der Filterreinigung nicht oder nur ganz sparsam gefüttert werden, damit das biologische System im Aquarium nicht zu stark belastet wird.

Vor allem in der Einfahrzeit sollte man tunlichst die Hände vom Filter lassen und ihn wirklich nur dann reinigen, wenn die Wasserströmung sehr spürbar nachgelassen hat.

5 Die Sauerstoffversorgung

Viele Garnelen kommen aus Gewässern mit einem sehr hohen natürlichen Sauerstoffgehalt. Auch im Aquarium sind sie auf ausreichend O2 im Wasser angewiesen. Prozesse wie die Tätigkeit der Filterbakterien verbrauchen im Aquarium ganz schön viel Sauerstoff, und natürlich atmen auch Tiere und Pflanzen ordentlich O2 weg. Wenn das Aquarienwasser wärmer wird (besonders im Sommer), löst sich nicht mehr so viel Sauerstoff darin, dann kann es im Garnelenbecken manchmal etwas eng werden. Ein Alarmzeichen ist, wenn die Garnelen geschlossen in den oberen Bereichen des Aquariums sitzen, dann versuchen sie, sich in das sauerstoffreichere Wasser direkt unter der Oberfläche zu retten.

Vor allem, wenn man keinen Aquarienkühler am Start hat, sollte man daher im Sommer auf jeden Fall die Sauerstoffversorgung im Garnelenaquarium optimieren. Über die Ursachen von Sauerstoffmangel im Aquarium und die Wege zur Abhilfe findet ihr hier einen entsprechenden Wiki-Artikel: "Sauerstoffmangel im Aquarium erkennen und beheben".

Die klassische Methode ist die Belüftung des Aquariums mit einem Luftsprudler. Der besteht aus einem Sprudelstein, einem Luftschlauch und einer Luftpumpe, die außerhalb des Aquariums steht und auf gar keinen Fall nass werden darf.

Weil es vor allem nachts gern zu Sauerstoffmangel im Aquarium kommt, ist vielen eine Luftpumpe zu laut - die Bläschen machen Platzgeräusche, und die Membranpumpe ist meist auch nicht vollkommen geräuschlos. In solchen Fällen ist ein Oxydator eine gute Alternative. Er produziert stromlos Sauerstoff durch natürliche Katalyse und wird vor allem in kleinen Nanoaquarien gerne eingesetzt, in denen eine Luftpumpe für einen "Sturm im Wasserglas" sorgen würde.

6 Der Bodengrund

Welcher Bodengrund sich für ein Garnelenaquarium am besten eignet und ob man überhaupt welchen braucht (Spoiler: es kommt drauf an), haben wir in der Wiki bereits ausführlich behandelt.

6.1 Aktiver Soil

Gerne wird in Pflanzenaquarien und Garnelenaquarien aktiver Soil verwendet, der die Wasserwerte verändert - die gängigen Soils machen das Wasser weich und leicht sauer. Ideal für die meisten Aquarienpflanzen und auch für alle Garnelen aus weichem Wasser (Bienengarnelen, Taiwangarnelen und Co.).

Der Nachteil: Wenn hartes Wasser aus der Leitung tröpfelt, ergeben sich beim Wasserwechsel teils sehr krasse Schwankungen, bis der Soil das Wasser wieder auf weich und leicht sauer gebracht hat. Die Aquarienpflanzen stört das nicht, die Garnelen dagegen sehr. Sie können dadurch krank werden und sogar sterben.

In einem Garnelenaquarium mit Soil sollte man deshalb unbedingt mit weichem Wasser arbeiten, das man gegebenenfalls wie oben schon erklärt aufbereitet. Das ist ja zum Glück mit modernen Mitteln nicht mehr weiter schwierig!

6.2 Sand und Kies

Die Vorteile und Nachteile von wasserneutralem Sand oder Kies liegen kurz gesagt darin, dass das Wasser im Gegensatz zum aktiven Soil nicht beeinflusst wird. Will man mit hartem Leitungswasser arbeiten und Arten wie die bunten Neocaridina davidi halten, ist ein solcher Kies oder Sand deutlich besser geeignet als Soil, der das Wasser ja weich machen würde.

Bunter kunststoffummantelter Kies ist in der Aquaristik teils zu Unrecht stark verschrien. Natürlich liegt in den Biotopen kein blaues, gelbes oder leuchtend rotes und nur selten rabenschwarzes Material am Bodengrund, den Tieren im Aquarium ist die Farbe des Bodens jedoch ziemlich egal.

Wichtig ist, dass keinerlei Stoffe ans Wasser abgegeben werden, und das kann bei mit billigem Plastik ummanteltem Kies leider durchaus passieren. Ein mit Epoxidharz beschichteter und mit Lebensmittelfarben eingefärbter Kies ist deutlich besser geeignet. Wichtig: ein ummantelter Kies darf niemals heiß ausgewaschen werden, damit die schützende Harzschicht nicht beschädigt wird und doch Stoffe ins Wasser gelangen.

6.3 Düngebodengrund

Ein Düngebodengrund, der bei Kies oder Sand oft empfohlen wird, ist im Garnelenaquarium nicht unbedingt nötig, es gibt einige Berichte, wonach es hier zu Gammel und Faulgasen kommen kann. Wurzelzehrer, die viele Nährstoffe brauchen (zum Beispiel Cryptocorynen oder Echinodorus) könnt ihr mit gezielt platzierten Düngekugeln oder Düngestäbchen düngen.

7 Die Aquarienpflanzen

Auch beim Bepflanzen eines Garnelenaquariums gibt es einiges zu beachten - die kleinen Krabbler sind doch eine ganze Ecke empfindlicher als Fische.

7.1 Konventionell gezüchtete Aquarienpflanzen

In einer Wasserpflanzengärtnerei gezüchtete Aquarienpflanzen werden beim Export häufig mit Pestiziden behandelt, damit keine fremden Organismen ihren Weg in die Importländer finden. Diese Substanzen sind für Fische recht harmlos, aber für Garnelen und andere Krebstiere tödlich giftig - sie zielen auf dieselbe Tiergruppe, die Arthropoden. Konventionell erzeugte Aquarienpflanzen (zu erkennen an der Verkaufsform im Topf oder als Bund) sollten daher niemals direkt ins Garnelenaquarium gepflanzt werden.

Das Risiko, dass der Besatz schlagartig verstirbt, ist recht hoch, vor allem, wenn der Händler, bei dem die Pflanzen gekauft wurden, sie nicht lange genug in seiner Anlage gewässert hatte. Die Symptome, Ursachen und Maßnahmen bei einer akuten Vergiftung schildern wir in diesem Artikel: Akute Vergiftung bei Garnelen.

Neue Pflanzen werden daher eine oder besser zwei Wochen separat gewässert. Das Wasser wird täglich 1 – 2 x komplett gewechselt, damit Pestizide ausgetragen werden, die noch im Pflanzengewebe sitzen könnten. Bitte achtet darauf, dass die Pflanzen ausreichend Licht bekommen, solange sie in Quarantäne stehen. Vor dem Wässern wird die Steinwolle entfernt, die an den Wurzeln der Pflanzen sitzt

Um mit den Pflanzen keine Parasiten wie räuberische Planarien oder andere unerwünschte Gäste ins Aquarium einzuschleppen, taucht man die Pflanzen vor und nach dem separaten Wässern ca. 30 Sekunden lang vollständig in stark kohlensäurehaltiges Sprudelwasser. Das CO2 im Wasser betäubt oder tötet Parasiten zuverlässig. Leider hilft diese Methode nicht gegen Eier, die eventuell schon abgelegt wurden. Aus diesem Grund wiederholt man die Mineralwasserbehandlung nach der Wässerungszeit von zwei Wochen nochmals, um geschlüpfte Lästlinge auch zu erwischen.

7.2 In Vitro gezüchtete Aquarienpflanzen

Invitro-Pflanzen fürs Aquarium sind ein sehr eleganter Weg um dieses ganze Prozedere herum. Weil diese Pflanzen steril im Labor aus Gewebestücken gezogen werden, sind sie frei von Parasiten und Pestiziden. In ihren Töpfchen bringen sie sozusagen nur sich selbst und etwas Nährsubstrat mit. Das Gel oder die Nährflüssigkeit an den Wurzeln wird abgewaschen, und damit sind die Pflänzchen auch schon fertig für den Einsatz im Garnelenaquarium.

8 Deko im Aquarium

Natürliche Dekorationsmaterialien im Aquarium sehen zum einen prima aus, zum anderen kann Deko aus Kunststoff unter Umständen schädliche Stoffe für Garnelen abgeben, oder die Farbe kann sich lösen. Dem kann man entgegenwirken, indem man Kunststoffdeko fürs Aquarium vorsichtshalber mit Kunstharz überzieht - oder direkt auf natürliche Aquariendekorationen ausweicht.

8.1 Holz im Aquarium

Echte Holzwurzeln fürs Aquarium erfreuen sich im Garnelenbecken starker Beliebtheit. Hier bilden sich prima Biofilme, die die Tiere abgrasen können, und leckerer Aufwuchs, der eine sehr gute Proteinquelle für Garnelen darstellt. Außerdem enthält Holz wertvolle Tannine und teilweise sogar Huminstoffe, die für die Garnelen ein echtes Plus an Wasserqualität herstellen und sehr positive Wirkungen auf die kleinen Krabbler haben können. Eine leichte Braunfärbung des Wassers ist daher im Garnelenaquarium sogar eher erwünscht.

Einige Halter berichteten jedoch vor allem in der Vergangenheit von starken Problemen beim Einsatz von Mopaniholz. Dieses Holz ist eigentlich in der Aquaristik sehr beliebt, weil es zweifarbig und schön knubbelig strukturiert ist und vor allem direkt untergeht, ohne lange vorgewässert werden zu müssen.

Es ist nicht ganz klar, woran die Giftigkeit von Mopani liegt - es gibt die Theorie, dass das Holz selbst giftige Stoffe aus dem Boden aufnimmt, auf dem der Baum wuchs, aber auch, dass schlicht ein falsches, für Garnelen giftiges Strahlmittel beim Sandstrahlen der Wurzeln benutzt wurde.

Was wir wissen: Bei vielen Haltern endete das langsame Sterben ihrer Garnelen, nachdem sie die Mopaniwurzel entfernt hatten.

Auf der relativ sicheren Seite seid ihr im Garnelenaquarium, wenn ihr zu Moorkienwurzeln, rotem Moorholz oder Mangrovenholz greift - hier gibt es nur sehr wenige negative Berichte.

Alle diese Wurzelarten treiben allerdings leider zu Beginn nach oben. Sie müssen daher vorgewässert werden oder alternativ im Aquarium mit einem dicken Kieselstein oder ähnlichem beschwert werden, damit sie sich mit Wasser vollsaugen können. Geduld, bisher ist noch jede Wurzel untergegangen - irgendwann!

Kurz nach dem Einsetzen der Wurzeln ins Aquarium können sich weißliche Beläge auf dem Holz bilden - ein sogenannter Bakterienrasen. Keine Sorge, er wird von Schnecken und Garnelen sehr gern gefressen oder lässt sich einfach abschrubben.

8.2 Steine im Aquarium

Auch mit Steinen kann man Garnelenaquarien wunderschön und sehr naturnah dekorieren. Bei Weichwassergarnelen wie den schönen rot-weißen oder schwarz-weißen Bienengarnelen sollte man darauf achten, dass die Steine keinen Kalk enthalten, der das Wasser aufhärten würde. Um das zu überprüfen, träufelt man einfach etwas Essigessenz oder Zitronensäure auf den Stein. Beginnt er zu schäumen, enthält er Kalk. Dann sollte er nur in einem Aquarium verwendet werden, in dem der pH-Wert über 7 liegt und in dem Hartwassergarnelen wie zum Beispiel Neocaridina davidi oder Neocaridina palmata gehalten werden.

9 Laub

Trockenes braunes Herbstlaub ist ein gutes Dauerfutter für Garnelen, alle anderen Krebstiere und auch Aquarienschnecken (selbst Rennschnecken, die nicht an Kunstfutter gehen, lutschen gerne an braunem Laub). Herbstlaub gibt außerdem wichtige Gerbstoffe und Huminstoffe ans Wasser ab, die Krebstieren bei der Häutung helfen können, sogar Schadstoffe eliminieren können und noch weitere günstige Einflüsse im Aquarium haben. Braunes Laub sollte also in keinem Wirbellosenbecken fehlen! Ausführliche Infos zum Thema Huminstoffe im Aquarium gibt es hier: Huminstoffe im Aquarium.

Klassisch wird Eiche oder Buche verwendet, es gibt aber noch viele andere geeignete Bäume. Manche Blätter gibt man auch grün getrocknet, zum Beispiel Walnusslaub. Eine ausführliche Laubliste findet ihr in diesem Artikel: "Geeignetes Laub für Garnelen, Krebse, Schnecken und Krabben im Aquarium".

Am besten sammelt ihr das Laub im Herbst, wenn es vollkommen braun ist. Gänzlich trockenes Laub lässt sich in Kartons, Papiertüten oder Stofftaschen praktisch zeitlich unbegrenzt aufbewahren.

Gibt man die Blätter einfach trocken ins Aquarium treiben sie noch eine Weile an der Wasseroberfläche und gehen dann unter. Überbrüht man sie kurz mit kochendem Wasser, gehen sie sofort unter, verlieren allerdings ein paar ihrer positiven Inhaltsstoffe.

Erlenzäpfchen erfüllen einen ähnlichen Zweck wie braunes Laub, sie enthalten sogar noch mehr Huminstoffe und wirken zusätzlich milde desinfizierend: antibakteriell und fungizid.

10 Das Aquarium einfahren

Bis die biologische Stabilität im Aquarium etabliert ist, muss einiges passieren. Während der Einfahrzeit vermehren sich Bakterien, die Schadstoffe abbauen. Sie verstoffwechseln giftiges Ammoniak und Nitrit zu dem auch für Wirbellose relativ harmlosem Nitrat, das zudem im Aquarium als Pflanzennährstoff gebraucht wird. Viele Aquarianer geben in der Einfahrzeit wenig (!) Fischfutter oder Garnelenfutter ins Becken, damit die sogenannten Filterbakterien etwas zu tun haben und sich gut vermehren, sodass sie später mit der Belastung durch die Ausscheidungen der Aquarientiere und eventuell übrig bleibender Futterreste gut zurechtkommen.

Was genau in der Einfahrzeit passiert und wie man möglichen Problemen aus dem Weg gehen kann, haben wir in unserem Artikel Einrichten eines Aquariums - die Einlaufphase genau erklärt.

Es ist definitiv sinnvoll, das neue Aquarium mit Bakterien anzuimpfen. Viele machen das mit Filterschlamm aus einem laufenden Becken, andere wählen dafür lieber ein Bakterienpräparat aus dem Handel, weil hier ein größeres Spektrum an Filterbakterien vorhanden ist, oder machen ganu traditionell einen Erdaufguss. Der Nitritpeak kann in einem angeimpften Aquarium sehr schwach ausgeprägt sein oder sogar ganz wegbleiben – oder dennoch heftig ausfallen.

Die nitritfizierenden Filterbakterien leben in Biofilmen auf allen Oberflächen, daher bringt es wenig bis gar nichts, wenn man Wasser aus einem laufenden Aquarium ins neue Becken füllt. Im Freiwasser haben wir nur sehr wenige nützliche Bakterien. Sinnvoller wäre es, ein Stück Deko oder eine Pflanze aus einem laufenden Aquarium ins neue Becken zu geben.

In der Einfahrzeit kann man Wasser wechseln, muss das aber nicht unbedingt tun. Ausnahme: Nutzt man stark vorgedüngten Soil für Pflanzen, sollte definitiv Wasser gewechselt werden, weil dieser spezielle Bodengrund in der Anfangsphase extrem viele Nährstoffe abgibt, was zu Algenplagen führen kann.

Oft hört man, dass erfahrene Züchter ihre Aquarien direkt mit Garnelen besetzen. Für Einsteiger möchten wir dies jedoch ausdrücklich NICHT empfehlen. Ohne die nötige Erfahrung ist es sehr riskant, ein Aquarium direkt mit Tierbesatz zu starten. Lieber langsam und sicher als den Besatz riskieren.

Am besten besetzt ihr euer neues Aquarium langsam und nach und nach, damit sich die Filterbakterien der zunehmenden organischen Belastung des Systems anpassen können.

Nach dem Nitritpeak könntet ihr zum Beispiel damit beginnen, Schnecken einzusetzen. Posthornschnecken und Turmdeckelschnecken sind geeignete Kandidaten - Rennschnecken, Geweihschnecken und Napfschnecken finden in frischen Aquarien selten ausreichend Futter und sollten daher am besten erst eingesetzt werden, wenn ausreichend Aufwuchs vorhanden ist.

11 Besatz auswählen und Tiere einsetzen

Das bringt uns nun auch endlich zu den Tieren und zum Erstbesatz des Aquariums. Wichtig zu wissen: Garnelen sind Gruppentiere und sollten daher ab 10 Tiere aufwärts gehalten werden. Das gilt für jede einzelne Garnelenart im Aquarium. Schwimmfreudige, etwas größere Garnelen wie z.B. Amanos brauchen mindestens 60 cm Kantenlänge und haben in einem Nanoaquarium daher nichts verloren.

Garnelen mit stark unterschiedlichen Ansprüchen an die Wasserwerte sollten nicht zusammen im Aquarium gehalten werden. In der Regel setzt sich immer die Art durch, die besser mit den herrschenden Bedingungen klarkommt, die anderen sterben nach und nach.

Neocaridina davidi gelten als ideale Garnelen für Einsteiger: bunt, unterschiedlich gemustert, robust, anpassungsfähig, vermehrungsfreudig. In der letzten Zeit haben sich "Bonbonbecken" etabliert, in denen eine bunte Mischung gehalten wird. Hierbei muss man wissen, dass man nicht alle Farbschläge bei den Neocaridina ohne weiteres kombinieren kann, ohne dass im Nachwuchs überwiegend sehr unspektakulär gefärbte Tiere auftreten. In diesem Artikel erklären wir genau, welche Farben miteinander gehalten werden können, ohne dass es zu wildfarbenem Nachwuchs kommt: Neocaridina davidi - Farbschläge kurz erklärt".

Wie man die einzelnen Aquarientiere wie Garnelen, Krebse, Schnecken, Fische und Krabben richtig einsetzt, erklären wir ausführlich in unserem Wiki-Artikel Eingewöhnung von Wirbellosen und Fischen. Bitte niemals einfach reinwerfen!

12 Die Pflanzen düngen

Die Pflanzen im Aquarium brauchen genau wie die Aquarientiere Nährstoffe, die sie über ihr Laub aus dem Wasser und über ihre Wurzeln aus dem Bodengrund aufnehmen. Wie man Aquarienpflanzen richtig düngt und so ganz nebenbei lästige Algen in Schach hält, erklären wir hier.

Dass das in Spuren enthaltene Kupfer im Pflanzendünger den Garnelen schadet, ist übrigens ein Ammenmärchen - wenn man sich an die Dosierungsanleitung des Pflanzendüngers hält und einen speziellen Dünger für Aquarienpflanzen verwendet.

Wer absolut sicher gehen will, dass die Garnelen keinen Schaden nehmen, wählt eher genügsame Pflanzen fürs Garnelenaquarium und bleibt ein wenig unterhalb der Dosierungsempfehlung. Solange die Pflanzen im Aquarium keine Mangelerscheinungen zeigen und ordentlich wachsen, ist dieses Vorgehen völlig in Ordnung.

13 Der Wasserwechsel

Garnelen scheiden Abfallstoffe aus, die sich manchmal trotz guter Bepflanzung im Wasser ansammeln können. Deshalb machen wir im Aquarium jede Woche oder alle zwei Wochen einen Wasserwechsel von ca. 10 bis 50%. Wie viel Wasser man genau wechselt, hängt ein bisschen vom Aquarium ab, aber keine Sorge, das kriegt man schnell ins Gefühl. Im Zweifel wechselt ihr lieber mehr Wasser als weniger.

Beim Absaugen können Garnelen oder kleine Fische eingesaugt werden, deshalb ist es sinnvoll, den Schlauch, mit dem das Wasser aus dem Aquarium abgesaugt wird, mit einer Nylonsocke, einem Stück Filterschwamm o.ä. sichern, um keine Tiere einzusaugen. Bei einem geeigneten Filter lässt sich der Schlauch für den Wasserwechsel mit dem Filterauslass verbinden, dann geht das Wasserablassen ganz besonders einfach.

Nach dem Ablassen des Altwassers wird das frische Wasser ins Aquarium eingelassen. Auch hierfür gibt es verschiedene Methoden: mit einem Schlauch, einer Gießkanne mit Brauseaufsatz oder aus Eimern, mit einem dünnen Schlauch, ... die Vorteile und Nachteile haben wir in unserem Artikel Wie bekomme ich das Wasser ins Aquarium" erklärt. Kleiner Spoiler: Es einfach aus dem Eimer ins Aquarium zu kippen ist nicht so sehr empfehlenswert, weil ein starker Wasserstrahl das gesamte Aquarium unschön durcheinanderwirbeln kann.

Wenn ihr empfindlichere Garnelen wie Hochzucht-Bienengarnelen oder Wildfänge pflegt, solltet ihr euer Wechselwasser vor dem Einfüllen an die Werte im Becken angepassen.

13.1 Die Aquarienreinigung

Im Zuge des Wasserwechsels kann man direkt Mulm absaugen. Hier reicht eigentlich einmal pro Monat gut aus, Garnelen fühlen sich nämlich in klinisch reinen Aquarien nicht besonders wohl. Im Mulm finden sie gutes Futter, viele Mikroorganismen und Detritus, was ihrer natürlichen Nahrung entspricht.

Beim Wasserwechsel bietet es sich außerdem an, kurz mit dem Scheibenreiniger die Scheibe sauberzumachen, damit man wieder klare Sicht aufs Aquarium hat. Viele Garnelenhalter lassen allerdings die Seitenscheiben und die Rückscheibe des Garnelenaquarium bewusst veralgen, damit die Tiere dort weiden können.

Ein Großputz, wie ihn früher leider viele Aquarianer gemacht haben, ist im Garnelenaquarium normalerweise nicht fällig und kann sogar schaden. "Einmal alles raus, alles gründlich abschrubben und alles wieder rein" kann die Aquarienbiologie arg durcheinanderbringen, was die Krabbler wirklich übelnehmen würden. Ein solch harscher Eingriff kann durch den Stress für Garnelen in Krankheit und Tod enden und sollte wirklich nur im absoluten Notfall vorgenommen werden.

14 Garnelen füttern

Zwerggarnelen sind Allesfresser, die sich nicht nur in der Natur, sondern auch im Aquarium überwiegend von Aufwuchs und Biofilmen, Kleinstlebewesen, Detritus, Pflanzenresten und ähnlichem ernähren - sofern genügend davon für alle Garnelen da ist.

Ein exzellentes Dauerfutter für Aquariengarnelen ist Laub. Davon sollte im Garnelenbecken also immer ein kleiner Vorrat vorhanden sein. Zuerst werden die Bakterienbeläge darauf abgeweidet, und wenn es mürbe geworden ist, fressen die Garnelen auch das Laub selbst auf.

Das Garnelenfutter sollte ausgewogen sein und den Tieren neben Ballaststoffen, Kohlehydraten und Fetten auch Proteine liefern. Durch falsche Fütterung kann es bei Garnelen zu Häutungsproblemen kommen.

Viele nützliche Futtertipps findet ihr in unserem Artikel "Garnelen richtig füttern".

15 Das Garnelenverhalten

Werden die Garnelen neu eingesetzt, ist oft erst einmal richtig Leben in der Bude. Aufgeregt schwirren sie durchs Wasser und erkunden die neue Umgebung. Dann werden die Tiere oft erst einmal recht ruhig, verstecken sich viel und wirken lange nicht mehr so lebhaft wie am Anfang. Auch diese Beruhigungsphase ist normal. Wenn die Garnelen einmal verstanden haben, dass ihnen keine Gefahr droht, werden sie wieder mutiger und zeigen sich öfter.

15.1 Apathisches Sitzen

Sitzen die Tiere nicht apathisch herum, sondern sind ihre Vorderbeinchen in Bewegung und suchen sie aktiv nach Futter, ist alles halb so schlimm. Aber auch wenn einzelne Garnelen nicht "piddeln", muss das noch kein schlechtes Zeichen sein, die Tiere müssen ja auch mal ausruhen.

Nur wenn so gut wie alle Zwerggarnelen im Aquarium apathisch herumsitzen, muss man sich auf Fehlersuche begeben. Häufig liegt ein Sauerstoffmangel im Aquarium vor, wenn die Garnelen sich nicht bewegen oder gar gesammelt nach oben wandern, oder es liegt eine schleichende Vergiftung vor. Bitte lest die vorstehenden Links und macht euch in einem solchen Fall umgehend auf die Suche nach der Ursache, so etwas kann euch euren Besatz kosten!

15.2 Zucken und Taumeln

Wenn die Garnelen im Aquarium sich milchig verfärben, zucken oder durchs Aquarium taumeln, kippen oder auf den Rücken fallen, haben sie ebenfalls eine Vergiftung, aber eine akute. Sehr oft liegt dies an nicht ausreichend vorgewässerten Aquarienpflanzen oder an verfüttertem Gemüse, an dem noch Pestizidreste klebten. Auch durch mit Flohmitteln behandelte Haustiere oder mehr kann Gift ins Wasser kommen. Bitte macht in diesem Fall einen oder sogar mehrere wirklich große Wasserwechsel und entfernt natürlich die Schadstoffquelle umgehend aus dem Aquarium. Mehr und ausführlichere Infos zu diesem traurigen Thema findet ihr in unserem Wiki-Artikel "Akute Vergiftung bei Garnelen".

15.3 Kein Interesse an Futter

Anfangs kann es vorkommen, dass die Zwerggarnelen nicht ans das Futter gehen, das ihr ihnen abietet. In einem neu eingerichteten Becken finden die Krabbler sehr viel Aufwuchsfutter, also feine Bakterienbeläge und Biofilme, Kolonien von Kleinstlebewesen wie Glockentierchen oder ähnlichen Mikroorganismen, und Detritus wie abgestorbene Pflanzenteile und vieles mehr. All das entspricht ihrer natürlichen Nahrung, und so kann es vorkommen, dass ihnen das Nahrungsangebot im Aquarium in den ersten Tagen völlig ausreicht und sie nicht ans angebotene Futter gehen.

Bitte bietet kleine Mengen Futter dennoch immer wieder testweise an und nehmt es gegebenenfalls wieder nach einer oder zwei Stunden aus dem Aquarium, um eine Wasserbelastung zu vermeiden. Manchmal brauchen Zwerggarnelen einfach eine Weile, bis sie sich an neues Futter gewöhnen.

15.4 Wildes Schwimmen

Häutet sich ein paarungsbereites Garnelenweibchen, gibt es Pheromone, also Sexuallockstoffe, ans Wasser ab. Nur nach der Häutung ist das Weibchen weich genug, um seine Eier aus dem Eifleck im Nacken in seine Bauchtaschen zu pressen.

Dann machen sich die Männchen auf die Suche nach dem paarungsbereiten Weibchen – jeder will der Erste sein, und das endet oft in einer wilden, aber nicht hektischen Schwimmerei, dem sogenannten Paarungsschwimmen. Häufig triggert das Umsetzen in anderes Wasser eine Häutung, es kann also schon relativ bald nach dem Einsetzen der neuen Garnelen zu diesem Phänomen kommen. Selbst manche Weibchen lassen sich dabei von der allgemeinen Betriebsamkeit anstecken. Kein Problem, sondern ein gutes Zeichen – bald gibt es Nachwuchs!

15.5 Neue Garnelen vermehren sich nicht

Oder es passiert das krasse Gegenteil: Die neuen Garnelen machen keine Anstalten, sich zu vermehren. Manche Garnelenstämme brauchen längere Zeit, um sich an neue Wasserverhältnisse zu gewöhnen, es kann mehrere Wochen dauern, bis die Weibchen wieder paarungsbereit werden. Gebt den Tieren ausreichend Zeit, sich einzugewöhnen. Irgendwann beenden sie diese Vermehrungspause auch wieder.

16 Hilfe, ich habe einen Wurm gesehen

Häufig finden sich im Garnelenaquarium diverse Tiere der Begleitfauna ein, die neue Aquarianer zunächst einmal erschrecken können. Fragt man auf Facebook, ist ohnehin jedes noch so dünne Würmchen direkt eine gefährliche, Garnelen fressende Planarie (die übrigens nicht ganz so gefährlich ist, wie sie immer hingestellt wird).

Lasst euch nicht ins Bockshorn jagen und schaut erst einmal ganz genau hin. In unserer Übersicht über Würmer im Aquarium findet ihr alle gängigen und auch ein paar nicht so gängige Würmer, die euch in eurem Garnelenaquarium über den Weg krabbeln können.

Grundsätzlich möchte ich euch unsere Begleitfauna-Datenbank sehr ans Herz legen, hier findet ihr die meisten uneingeladenen, aber trotzdem häufig sehr nützlichen Mitbewohner, die sich im Garnelenaquarium praktisch unweigerlich einstellen. Dazu gehören neben Würmern häufig auch noch Insektenlarven und kleine Krebstiere.

17 Hilfe, ich habe Schnecken eingeschleppt

Schnecken reisen oft als blinde Passagiere in Aquarienpflanzen aus der Zoohandlung mit ins Aquarium. Wenn sie viel Futter finden, können sie sich je nach Art stark vermehren ... aber es gilt:  Keine Angst vor Schneckenplagen!

In diesem Artikel erklären wir euch, wie es zu einer Schneckenplage im Aquarium kommen kann, wie man sie bekämpft und wie man eine starke Vermehrung der Wasserschnecken im Aquarium am besten gar nicht erst entstehen lässt.

Die allermeisten Schnecken, die man sich typischerweise einschleppt (Blasenschnecken, Posthornschnecken und Turmdeckelschnecken) sind im Aquarium absolut nützliche Helfer, die sich um Dreck und Reste kümmern - und das schöne ist, anders als ihre Kameraden, die Landschnecken, gehen sie nicht an gesunde Pflanzen.

Auch mit größeren Schnecken kann man Garnelen prima halten - eine Ausnahme bildet hier lediglich die Raubschnecke (Anentome sp.), die nicht nur andere Schnecken frisst, sondern leider auch an Garnelen geht. Viele Beobachtungen bestätigen dies - lasst euch nichts anderes erzählen!

18 Vergesellschaftung mit Fischen

Garnelen, die sich wie Neocaridina gut vermehren und die relativ robust und wenig stressanfällig sind, kann man auch prima mit Fischen in einem Gesellschaftsbecken halten - vorausgesetzt, diese Fische sind nicht übermäßig groß, nicht räuberisch veranlagt oder sehr neugierig. So ein naseweiser Guppy kann für Garnelen ganz schön lästig werden! Die "üblichen Verdächtigen" aus dem Zoohandel - Guppy, Platy, Neon - sind nicht unbedingt die beste Wahl für ein Garnelenbecken, aber es gibt Alternativen.

Grundsätzlich fressen alle Fische mit Ausnahme der Pflanzenfresser alles an tierischen Mitbewohnern, was in ihr Maul passt. Größere Fische wie Platys oder Kampffische wurden schon dabei erwischt, wie sie auch große Garnelen anknabberten.

Gut eignen sich dagegen Aufwuchsfresser wie Otocinclus (Ohrgitterharnischwelse) oder auch - in ausreichend großen Aquarien - ein Antennenwels. Zwar stellen sie Nahrungskonkurrenten für die Garnelen dar, die ja ebenfalls gerne Aufwuchs abweiden, dies kann man jedoch durch eine entsprechende Fütterung kompensieren.

Auch kleine Schwarmfische wie Panzerwelse (zum Beispiel der Sichelfleck-Zwergpanzerwels und andere Corydoras-Arten), Kärpflinge oder Bärblinge wie zum Beispiel der Perlhuhnbärbling oder andere Rasbora-Arten sind toll im Aquarium mit Neocaridina-Garnelen zu halten. Die ganz kleinen Weichwasser-Rasbora passen sogar zu den sich weniger gut vermehrenden Bienengarnelen.

Sogar ein kleiner Buntbarsch lässt sich mit Neocaridina vergesellschaften. Dario dario, der Zwergblaubarsch, ist so klein, dass er höchstens winzige Garnelenbabys bewältigt.

Natürlich ist diese Auswahl sehr beschränkt - es gibt noch viele andere geeignete Fische, die man super mit Garnelen halten kann. Selbstverständlich müssen die Wasserwerte und die übrigen Ansprüche an die Aquariengröße und die Einrichtung des Aquariums berücksichtigt werden, die die Fische stellen.

Und nun wünschen wir euch ganz viel Spaß mit eurem neuen Garnelenaquarium! Bei Fragen stehen wir euch natürlich trotzdem noch gerne zur Verfügung.

 

Autor: Ulli Bauer

Fotos: Garnelenhaus, Ricardo Castellanos, Sebastian Wendschuch, Stefanie Pospich, Lou Herfurth